Mittagstisch in Landwasser

Wenn 15 Frauen aus zwölf Ländern gemeinsam kochen

Elena Dreher & Dora Volke

Jeden Montag kochen im "Haus der Begegnung" in Landwasser 15 Frauen aus zwölf Ländern. Wir haben in die Töpfe geschaut.

Afghanische Teigtaschen, tunesisches Hähnchen mit Reis oder auch Spaghetti Bolognese: Beim internationalen Mittagstisch im "Haus der Begegnung" in Landwasser kochen 15 Frauen aus zwölf Ländern. Seit November bieten sie jeden Montag ein abwechslungsreiches Menü aus aller Welt an.


"Wie eine Familie für alle Länder." Zeynep Ergin über das Projekt
Aus der Küche strömt der Duft von Tomatensauce und Zwiebeln, man hört Töpfe klappern. Die bunten Stühle stehen im Kontrast zum grauen Regenwetter – so wie der knallige Schriftzug vorne am Gebäude: "Haus der Begegnung" steht dort. Zwischen den Tischen spielen zwei Kinder. "Meine Tageskinder", entschuldigt sich Ayulah Rieper, die Koordinatorin des internationalen Mittagstisches in Landwasser. Dabei stören die beiden nicht im Geringsten, im Gegenteil: In diese familiäre Atmosphäre gehören Kinder.

"Wie eine Familie für alle Länder", so beschreibt Zeynep Ergin aus der Türkei die Frauengruppe des Projekts "Milawa III". Wie fast die ganze Gruppe war auch Zeynep von Anfang an dabei – damals war sie gerade schwanger, jetzt ist ihre Tochter in der ersten Klasse. Beim Stadtteiltreff "Frauenstärken", der 2010 in Landwasser startete, lernten sich die Frauen kennen. Als das Projekt auslief, wollten sie sich trotzdem weiter treffen und kochten erst für sich, gaben dann Kochkurse und bieten nun seit November den Mittagstisch an. Die 15 Frauen kommen aus ganz verschiedenen Ländern – außer Afghanistan, Indonesien und der Türkei sind unter anderem auch lateinamerikanische Länder vertreten. Daher rührt auch der Name des Projekts "Milawa – Migranten in Landwasser".

Kommunikation über die Kulinarik

Die bunte Vielfalt aus aller Welt merkt man der Speisekarte an: An diesem Montag steht dort ein afghanisches Menü. Nach einer Gemüsesuppe gibt es "Rollo", Teigtaschen mit Auberginen, Tomaten, Zwiebeln, Hackfleisch und Käse, gefolgt von einem afghanischen Kuchen ("Rut"). Während die Afghanin Myriam Iszada (40), die heute für das Gericht verantwortlich ist, genaue Anweisungen in der Küche gibt, kümmert sich die Tunesierin Jebali Zina (40) um die Suppe – die Frauen arbeiten immer im Zweierteam, da ist es nicht so wichtig, ob die Helferin aus einem anderen Land kommt. Das internationale Team begeistert auch die Koordinatorin Ayulah Rieper, weil hier ganz unterschiedliche Kulturen und Sprachen zusammenfinden. Das laufe allerdings nicht immer reibungslos: "Das Hauptproblem ist die Kommunikation", so die 51-jährige Indonesierin. Es sprechen zwar alle Deutsch miteinander, aber manchmal müsse man trotzdem nachfragen. Dass die Frauen Deutsch miteinander sprechen, schüchtere anfangs manche ein – "aber hier lernt man gut", wirft die Türkin Zeynep Ergin ein.

Dass es unter den Frauen trotz großer kultureller Unterschiede eine starke Solidarität gebe, betont die Kolumbianerin Myriam Alvarez (47), die für die Kooperation zwischen "Milawa III" und der Feministischen Geschichtswerkstatt zuständig ist. "Viele Menschen sehen nicht, dass Migranten viel für die Gesellschaft tun – das wollen wir sichtbar machen", sagt sie.

Neben der "Femwerkstatt" unterstützen auch das "Haus der Begegnung" in Landwasser, der Caritas-Verband Freiburg und die Arbeiterwohlfahrt (AWO) das Projekt. Da "Milawa III" auch dazu gedacht ist, den Migrantinnen berufliche Perspektiven aufzuzeigen, bekommen die jeweiligen Köchinnen eine kleine finanzielle Entschädigung. "Wir sind alle keine Profis, wir lernen voneinander und aus unseren Erfahrungen", so die Koordinatorin Rieper. Die Gerichte des Mittagstisches bieten die Frauen nicht nur im "Haus der Begegnung" an, sondern auch in der Seniorenwohnanlage der AWO drei Häuser weiter, denn das "Haus der Begegnung" ist nicht barrierefrei zugänglich. Mit einem kleinen Wägelchen transportieren zwei der Frauen einen Teil des fertigen Essens zur AWO.

"Internationale Küche an einem Ort, besser kann man es nicht haben." Cornelia Wenke
Besonders gut kommt an diesem Montag die Gemüsesuppe an, da sie schärfer gewürzt ist als in Deutschland üblich. "Die ist ja pfeffrig! Aber gut", findet die 81-jährige Sigrid Kubisch, die gleich um die Ecke wohnt und mit ihrem Mann jeden Montag zum Essen in die AWO-Einrichtung kommt. Doch der Mittagstisch hat auch schon größere Kreise gezogen. Cornelia Wenke kommt beispielsweise jede Woche extra aus Weingarten: "Internationale Küche an einem Ort, besser kann man es nicht haben", findet die 63-Jährige. Auch die Mitarbeiter der AWO freuen sich über das abwechslungsreiche Essen – das laut einer Pflegefachkraft besonders älteren Menschen guttut. Dass man die Gerichte nicht unbedingt kennt, scheint nicht zu stören: "Man muss alles mal probieren, dann hat man auch weniger Vorurteile", glaubt Kubisch.

Momentan werden etwa 30 bis 40 Essen vorbereitet, die Frauen hätten aber Kapazitäten für mehr. Da auch einige Muslime zum Mittagstisch kommen, wird das Fleisch immer halal gekauft. Es stammt also aus Schlachtungen, die den islamischen Vorschriften entsprechen. Normalerweise gibt es auch eine vegetarische Option. Den Speiseplan erstellen die Frauen immer gemeinsam. Bei den zweimonatlichen Treffen wird zugeteilt, wer wann welches Gericht kocht – und wer kocht, kauft auch ein. Kommenden Montag ist die Küche in tunesischer Hand: Es gibt Reis mit Gemüse und Hähnchen.