Kommentar

Weltfrauentag: Keinen Dank für die Blumen

Kathrin Ganter

Der Weltfrauentag ist keine Subventionsveranstaltung des Blumenhandels in der Zeit zwischen Valentins- und Muttertag. Sondern es geht um die Rechte der Frau.

Rose, Tulpe, Nelke: Traut Frau sich heute in die Fußgängerzone, werden da schon allerhand lokale Politiker lauern, um ihr süffisant grinsend ein Blümchen in die Hand zu drücken. Alles Liebe zum Weltfrauentag!


Die innerliche Feministin kocht, hat das dringende Bedürfnis, das halb welke Gemüse auf den Boden zu werfen, darauf rumzutrampeln und wutschnaubend zu belehren, dass der Weltfrauentag keine Subventionsveranstaltung des Blumenhandels in der Zeit zwischen Valentins- und Muttertag ist. Sondern dass es um die Rechte der Frau geht.

Sie will brüllen: Habt Ihr keine anderen Ideen in dieser Stadt, in der das Frauenhaus ständig voll ist, weil zu viele Männer es immer noch für einen Liebesbeweis halten, ihre Frau zu verprügeln? In der diese Frauen nur schwer einen Neustart schaffen, weil sich kaum ein Vermieter findet, der ihnen eine Wohnung gibt und in der sie mit prekären Jobs sich und ihre Kinder irgendwie durchbringen müssen. In der immer mehr alte Frauen unter Armut leiden und Pfandflaschen aus Mülleimern ziehen. In der es wie überall eben noch längst nicht die gleichen Chancen im Job gibt.

Aber sie brüllt nicht. Sie atmet kurz durch. Ladylike lächelt sie und bedankt sich artig, so wie sie es gelernt hat. Sie meinen es ja nur nett, als Zeichen der Wertschätzung. Sie sagt sich, sie sollte das nicht zu verbiestert sehen, schließlich ist sie ja keine verbitterte Emanze. Vielleicht macht sie noch einen Scherz: Oh, welch Kavalier, vielen Dank! Dann geht sie weiter. Und Rose, Tulpe oder Nelke fliegt im hohen Bogen in den nächsten Mülleimer.