Welche Spuren hinterlasse ich im Netz?: Fünf Antworten eines Informatikers

Dominik Schmidt

Jeder Fernsehkrimi zeigt uns, wie wir Fingerabdrücke vermeiden können. Jeder Pfadfinder kann Spuren lesen. Das Internet schafft, was Spuren betrifft, eine ganz neue Realität. Jederzeit hinterlassen wir beim Surfen Spuren und Facebook kann ein ganzes Persönlichkeitsprofil von uns erstellen. Fünf Antworten zur Spurenlage vom Informatiker und Piratenparteimitglied André Martens, der am Dienstag bei einer Veranstaltung der Gesellschaft für Informatik in der Uni einen Vortrag zum Thema hält.



Der Antwortgeber:

André Martens, 38, kommt ursprünglich aus Wilhelmshaven, wohnt in Denzlingen, arbeitet seit 12 Jahren als Informatiker bei einem Freiburger Halbleiterunternehmen, ist verheiratet und hat 2 Kinder. Er ist Pressesprecher der Piratenpartei Freiburg, und war auf fudder bereits in Mein Parteibuch: Piratenpartei vertreten. Mehr zu seiner Person gibt es im Wiki der Piratenpartei und in seinem Blog http://andremartens.wordpress.com.

Am Dienstag hält André Martens im Rahmen einer Veranstaltung der Gesellschaft für Informatik einen Vortrag zum Thema "Datenspuren im Internet". Der Vortrag beginnt um 19 Uhr und findet in der Uni Freiburg, KG I HS1016 statt. Für fudder beantwortete er bereits fünf Fragen zu Datenspuren im Internet, die auch im Vortrag eingehender behandelt werden.

Bei Social Networks wie Facebook hinterlässt man Daten, die man freiwillig und bewusst angibt. Es ist somit kontrollierbar, wo ist also das Problem?

André Martens: Das ist richtig. Allerdings glaube ich, dass vielen die Konsequenzen nicht klar sind. Gerade die automatische Auswertung beziehungsweise Verknüpfung von allen freiwillig hinterlassenen Daten erlaubt Einblicke, die der Nutzer so nicht erwartet hat. Im Vortrag werde ich auf solche Analyse-Tools eingehen.

Am Ende wundert man sich nur, warum man trotz entsprechender Qualifikation nicht zum Bewerbungsgespräch eingeladen wurde, oder warum die Versicherung kein großes Interesse entwickelt, mit mir einen Vertrag einzugehen. Vielleicht wird den meisten der Zusammenhang mit den öffentlich einsehbaren Daten selbst dann noch nicht klar, weil solche Entscheidungsprozesse nicht transparent ablaufen. Das ganz große Datenrauschen, in dem meint, sich verstecken zu können, gibt es dank Data Mining nicht wirklich.

Was passiert dann eigentlich mit den über mich gesammelten Daten?

Das ist genau das Problem: Man weiß es nicht wirklich. Das geschieht in den seltensten Fällen transparent. Man sollte sich dabei immer fragen, warum die Seite, der man die Daten anvertraut eigentlich kostenlos ist. Wie schafft man es, kostenlos 350 Millionen Accounts wie bei Facebook zu hosten? Das geht nur, wenn man Interessenten für die Daten findet, wie zum Beispiel Werbefirmen.

Was sollte man beim Surfen beachten, um möglichst wenig Daten preis zugeben?

Man sollte wenn möglich den Firefox-Browser mit der gesamten "paranoid"-Plugin-Sammlung nutzen, um zumindest ein wenig Einfluss darauf zu haben, was beim Surfen übermittelt wird. Ich werde im Vortrag auf die Plugins eingehen.

Bei freiwillig eingegebenen Daten sollte man sich immer vorher fragen, ob man das wirklich tun sollte und was man selbst damit eigentlich erreichen will. Auf Privacy-Einstellung von Social Networks würde ich mich nicht verlassen.

In Zukunft sollte man auch darauf achten, nicht bei Facebook eingeloggt zu bleiben, wenn man auf anderen Seiten surft. Facebook prüft nämlich gerade die automatische Weitergabe von Nutzerdaten an Drittfirmen.

Und wenn ich gar keine Daten preisgeben möchte, was sollte ich dann machen?

Bei der E-Mail-Adresse kann man sich mit einer Fake-Mail-Adresse behelfen, wie zum Beispiel trash-mail.com. Bei Seiten, bei denen es nicht um rechtsverbindliche Verträge geht, helfen durchaus auch Phantasiedaten für Name, Geburtsdatum, und so weiter.

Wie gehst du selbst mit deinen Daten um?

Über mich findet man mittlerweile allerhand im Netz. Das lässt sich als Pressesprecher der Freiburger Piraten nicht wirklich vermeiden. Ich stelle aber nur Daten ins Netz, von denen ich will, dass sie von anderen Leuten gelesen werden, wie zum Beispiel politische Statements. Über meine Familie wird man dort nicht viel finden.

Mehr dazu:

Was: Vortrag - Datenspuren im Internet; Gesellschaft für Informatik, Regionalgruppe Südbaden; Referent: André Martens
Wann: Dienstag, 13. April 2010, 19 Uhr
Wo: KG I, HS 1016, Uni Freiburg