Welche Milch ist in der Tüte? Freiburger testen blind

Yvonne Weik & Daniel Laufer

Der Milchpreis ist im Keller, die Bauern aus der Region klagen. Die Verbraucher interessiert beim Einkauf meist vor allem: Wie teuer ist die Milch - und wie schmeckt sie? Bei unserem Test probieren Passanten Milch, ohne die Verpackung und den Preis zu kennen. Was sie auch nicht wissen: Alle vier Milchpackungen stammen vom selben Abfüller.



Sylvia Lautenbach trinkt gerne Milch. "Am liebsten würde ich sie frisch auf dem Markt kaufen", sagt die Freiburgerin, "aber das lohnt sich für einen halben Liter nicht." Beim Milchtest vor dem neuen BZ-Haus am Martinstor gibt’s heute noch kleinere Mengen.

Vier Plastikbecher mit etwas Milch stehen auf dem Tresen, dahinter, versteckt in blauen Papphauben, vier Milchtüten mit Vollmilch. Was die Tester nicht wissen: In den vier unterschiedlich designten Tüten stecken verschiedene Produkt der Schwarzwaldmilch Freiburg. Die Preise variieren laut einer Stichprobe vom Donnerstag zwischen 46 Cent ("Gut & Günstig"), 79 Cent ("Unsere Heimat echt & gut"), 1,19 Euro ("Schwarzwaldmilch frische Vollmilch"), und 1,59 Euro ("Bio frische Vollmilch").

Schluck für Schluck probiert Sylvia Lauterbach. "Ich setze auf Nummer vier, die ist nicht so dünn." Vier gewinnt, doch was verbirgt sich dahinter? Die Freiburgerin staunt nicht schlecht: Ein Liter "Gut & günstig", gekauft für 46 Cent. "Das ist jetzt etwas peinlich." Eigentlich komme bei ihr nur teure Bio-Milch in die Tüte, weil’s die beste Qualität mit den wenigsten Schadstoffen sei, hoffe sie zumindest. Und weil die Bauern fair bezahlt werden. "Ob’s stimmt?", sagt sie. "Und die eigene Kuh auf dem Balkon geht halt nicht."

"Schmeckt irgendwie alles gleich. Kann ich nochmal?"

Eberhard Kienbaum trinkt Milch am liebsten im Tee. Auch er ist dabei beim Milchtest. Hier ein Schluck, noch einer. Er gurgelt leise, von der einen in die anderen Backentasche und zurück. Dann sagt er zielstrebig: "Die drei!" Es ist "Unsere Heimat – echt & gut", 79 Cent der Liter.

Laut Verpackung unterstütze man mit dem Kauf der Milch die heimischen Milchbauern. "Diese erhalten für das Produkt eine Erhöhung des Milchpreises um 10 Prozent", steht darauf. Setzt Eberhard Kienbaum normalerweise auf faire Preise, oder greift er aus Spargründen schon mal zum billigen Produkt? "Nein, faire Preise sind schon wichtig."

Helena Bickel ist Gelegenheits-Milchtrinkerin. Trotzdem traut sich ran an den Stand. Los geht’s, Probetrinken! Erst Nummer eins, dann zwei, drei, vier: "Schmeckt irgendwie alles gleich. Kann ich nochmal?", fragt die 29-Jährige und nimmt konzentriert weitere Milchmengen zu sich.

Unentschlossen wiegt sie ihren Kopf hin und her. Was ist denn nur die beste Milch? "Ich kann das nicht sagen!" Und schwupp zieht sie die vier blauen Hauben hinunter. Beim Preisunterschied staunt sie. Meistens kaufe sie eine Milch im mittleren Preissegment. Als sie erfährt, dass alle vier Milchpackungen von der Schwarzwaldmilch Freiburg befüllt werden, ist sie doch etwas versöhnt mit ihrem Testergebnis. "Dann hatte ich ja irgendwie Recht", sagt sie und lacht.

 

Rund um die Milch

Wer im Supermarkt steht, hat die Qual der Wahl. Probieren geht nicht. Auch die Verpackung hilft selten bei der Orientierung, so die Verbraucherschutzzentrale Baden-Württemberg. Sie diene vor allem Werbezwecken, nicht der Produktinformation. Zudem gebe es für Milch derzeit keine Pflicht, offen zu legen, wo sie erzeugt und verarbeitet wurde.

Allerdings müssen Lebensmittel tierischen Ursprungs ein Identitätskennzeichen tragen – für die amtliche Lebensmittelüberwachung. Es gibt an, wo die Milch zuletzt verarbeitet wurde. Hinter DE BW 376 EG steht die Schwarzwaldmilch Freiburg. Eindeutige Unterschiede bei der Milcherzeugung gibt’s laut Verbraucherzentrale nur zwischen konventioneller und Bio-Milch.

Für konventionelle Milch gelten keine speziellen gesetzlichen Anforderungen, was Haltungsbedingungen und Futter angeht. Bei Biomilch gelten Mindestanforderungen zur Tierhaltung vor, die kontrolliert werden. Gentechnik ist verboten. 

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[Text: Yvonne Weik, Video: Yvonne Weik & Daniel Laufer, Foto: Daniel Laufer]