Welche Erfahrungen Airbnb-Vermieter in Freiburg gemacht haben

Julia Wadle

Studierende, Urlauber oder Krimiautoren - auf Airbnb können sie Zimmer mieten, auch in Freiburg. Warum sich Städte jetzt gegen das Ferienwohnungsportal wehren:



Mit Fremden das Bad, die Küche, das Leben teilen? Darauf stellt man sich ein, wenn man sich auf Airbnb einlässt. Die Onlineplattform vermittelt Ferienwohnungen und Privatzimmer auf Zeit – immer mehr auch in Freiburg. In Berlin geht der Senat mit einem Gesetz gegen Airbnb vor, Stichwort Zweckentfremdung von Wohnraum. In Freiburg, wo es auch eine entsprechende Satzung gibt, sieht man im Moment noch keine Probleme, heißt es im Rathaus.


"Es ist mehr als nur ein Vermieter-Mieter-Verhältnis, sondern ein Austausch und Zusammenwohnen", meint Wolfram Eisenecker. Für den 22-jährigen Studenten war Airbnb die Rettung in der Not. Als er zum Studium nach Freiburg zog, fand er zunächst keine Wohnung. Über Airbnb mietete er sich ein Zimmer in Vauban. Zwei Monate hat er dort gewohnt. "Der erste Tag war komisch, als ich ankam und keiner da war. Aber es wird bald ganz selbstverständlich." So beschreibt Eisenecker seinen Einzug. Mit seiner Vermieterin und deren Tochter habe er sich von Anfang gut verstanden. "Offenheit ist sehr wichtig, man muss sich aufeinander einlassen."

Dieses Jahr hat er zum ersten Mal Airbnb für einen Urlaub genutzt. Er war im April zwei Wochen mit einem Kumpel in Südfrankreich. In Marseille und Montpellier wohnten sie jeweils für eine Woche in Privatzimmern. "Die Hostels wirkten sehr schäbig und waren teurer als Airbnb", erklärt Eisenecker. In Montpellier hatten sie einen besonders guten Draht zu ihrem Vermieter. Es gab gemeinsame Abendessen und Stadtführungen. "Wir haben Viertel kennengelernt, die man sonst als Tourist nicht sieht."

Ähnlich positive Erfahrungen hat eine Vermieterin aus Freiburg gemacht, die namentlich nicht genannt werden will. Als vor zwei Jahren ihre Tochter ausgezogen ist, hat sie aus deren Zimmer ein Gästezimmer für Airbnb gemacht. Seitdem hatte sie Gäste aus Deutschland, Großbritannien, Spanien und sogar aus Japan. "Mir hat es von Anfang an Spaß gemacht, Gäste zu haben", sagt sie. Aber natürlich müsse man auch Abstriche machen. Manchmal merke man schon kulturelle Unterschiede. "Ich hatte mal eine Spaniererin, die begann abends um 23 Uhr mit dem Kochen." Die meisten Gäste waren sehr selbstständig und die meiste Zeit unterwegs. Mit einigen Zimmernutzern hat sie noch heute Kontakt.

Vergangenes Jahr logierte bei der Vermieterin ein Krimiautor aus dem Ruhrgebiet, der für einen Freiburg-Krimi recherchiert hat. "Er ist durch die Stadt gegangen und hat überlegt, wo ein guter Platz für einen Mord wäre", erzählt sie lachend. Besonders rührend war für sie der Besuch einer 60-jährigen Chemnitzerin. "Ich habe nicht nur eine Vermieterin, sondern eine Freundin gefunden", hatte diese in ihrer Rezension über die Gastgeberin geschrieben. Die ganze Wohnung zu vermieten, das käme für sie aber nicht in Frage, so die Freiburgerin.

Denn: Über Airbnb kann man nicht nur Zimmer, sondern auch ganze Wohnungen mieten. Für Freiburg gibt es 163 Angebote auf Airbnb, davon sind 99 ganze Ferienwohnungen. Nur 62 sind Privatzimmer und zwei Angebote einzelne Betten in Gemeinschaftsunterkünften. Zu den 99 Wohnungen können keine weiteren hinzukommen. Denn im Februar hat der Gemeinderat per Satzung die Zweckentfremdung verboten. Wohnraum darf nicht mehr zu Ferienwohnungen umgewandelt werden. Wer umwandeln möchte, braucht eine baurechtliche Genehmigung. Diese werde nun nicht mehr oder nur noch unter Auflagen erteilt, sagt Edith Lamersdorf, die Pressesprecherin der Stadt. Aus gleichem Grund geht die Hauptstadt Berlin gegen Airbnb-Angebote vor. Hamburg hatte dies ebenfalls versucht, dann aber wieder zurückgezogen.

In Freiburg gab es bislang keine amtlichen Probleme mit der im kalifornischen San Francisco gegründeten Vermietungs-Plattform, so Sprecherin Lamersdorf. Eine Vermietung von einzelnen Zimmer sei kein Problem. So sieht es auch Airbnb selbst. "Die meisten unserer Gastgeber in Freiburg vermieten ihren Erstwohnsitz und dies nur vorübergehend und nicht gewerblich", erklärt Airbnb-Sprecher Julian Trautwein. Ansonsten benachrichtige das Unternehmen die Community, dass sich die Anbieter an die lokalen Gesetzgebungen halten müssten.

Mehr dazu:

[Foto: Jeanette Dietl/Fotolia]