Weihnachten vor dem Bildschirm - fünf Streaming-Dienste im Test

Moritz Kraus

Netflix, Maxdome, Watchever: Zu Weihnachten bieten die Streaming-Dienste Probemonate an, um Zuschauer über die Feiertage vor den Bildschirm zu locken. Wo es sich lohnt ein Abo abzuschließen und warum man mehr als einen Anbieter braucht:


Jeder kennt ihn - diesen Moment am zweiten Weihnachtsfeiertag, in dem man vor der Glotze hängt und es läuft "Kevin allein zu Haus", "Der kleine Lord" oder "Die Muppets-Weihnachtsgeschichte". Alle drei sind gute Filme, sogar Klassiker. Nur leider hat man Sie schon gefühlte tausend Mal gesehen. Wem es so geht, dem wollen die Streaming-Dienste Abhilfe schaffen. Seit Netflix im September auch in Deutschland verfügbar ist, herrscht Konkurrenzkampf unter den Streaming-Anbietern. Die anderen vier "Großen" (Skysnap, Amazon Instant Video, Maxdome und Watchever) versuchen mit Exklusiv-Angeboten und Probemonaten neue Kunden zu gewinnen - und am besten per Abo lange zu binden. Laufende Staffeln aktueller US-Serien oder Filme darf keiner der Anbieter zeigen, da hier das Kino und Pay-TV in Deutschland Vorrecht haben. Streaming reiht sich meistens hinter Pay TV, aber vor Exklusiv-Premieren im Free TV ein.


WAS WIRD GETESTET?

Im Test sollen die jeweiligen Streaming-Flatrates der fünf Anbieter getestet werden. Es werden alle Videos on Demand (VoD), die im Abo enthalten sind, berücksichtigt. Filme und Serien, für die man extra bezahlen muss oder gegen Gebühr ausleihen kann, fallen raus. Testkategorien sind der monatliche Preis, das Film- und Serien-Angebot, exklusive Titel oder Highlights, die Website des Anbieters und der Streamingvorgang sowie die verfügbaren Apps für unterwegs.

NETFLIX

Das amerikanische Streaming-Portal Netflix ist in Deutschland erst seit drei Monaten verfügbar. In den USA gibt es ihn schon seit 1997, hier hat das Unternehmen als DVD-Verleih angefangen und bietet dort seit 2010 Streaming.

Bei Netflix kann man zwischen drei Abos wählen: Basis für 7.99 Euro, Standard für 8.99 Euro oder Premium für 11.99 Euro im Monat. Kündigen kann man bei allen drei Möglichkeiten aber jederzeit. Der Unterschied liegt darin, dass man mit den teureren Abos in HD bzw. 4K schauen kann und auf mehreren Geräten gleichzeitig. Der erste Monat ist gratis, man kann also dreißig Tage streamen ohne zu bezahlen, insofern man sofort wieder kündigt.

Netflix bietet eine Fülle an anspruchsvollen und emmy-prämierten Serien. Von "Dexter" über "Breaking Bad", "Fargo" und "The Walking Dead" bis hin zu "American Horror Story" ist aus allen Genres etwas dabei. Auch die Auswahl an Kinderserien ist umfangreich. Bei den Filmen kann man sich ebenfalls satt sehen: Ob Abenteuer-Epen, Gangster-Dramen oder Komödien. Netflix bietet viele Hochkaräter aus den Nuller-Jahren. Die Zahl der verfügbaren Filme für Deutschland ist nicht genau bekannt. In den USA sind es ca. 25.000.

Womit Netflix punkten kann sind die hauseigenen Produktionen. Die Politserie "House of Cards" mit Kevin Spacey ist seit 2013 das Flagschiff. Allerdings hat Netflix in Deutschland keine Exklusivrechte mehr auf die Serie, sondern teilt sich diese mit Sky. Geheimtipps sind aber "Orange is the new black" oder "From Dusk till Dawn", beides Netflix-Serien die Filmkritiker positiv besprochen haben.

Die Netflix-Website ist intuitiv und übersichtlich gestaltet. Man wird nicht von Listen oder Randmenüs erschlagen, sondern sieht lediglich die Cover-Fotos der Serien, die man dann zum Abspielen anklicken kann. Bei der Registrierung bekommt man einige Cover-Logos von Serien und kann auswählen, welche man gerne sehen möchte. Anhand der Auswahl stellt Netflix eine Empfehlungsliste zusammen. Diese verändert sich abhängig davon was und wie viel man schaut. Ein gutes Feature sind auch die Profile, zwischen denen man wechseln kann, wenn man zum Beispiel mit dem Partner oder den Kindern den Account teilt.

Dass Netflix schon lange im Geschäft ist, merkt man beim Streamen. Der Stream ist im Gegensatz zu dem der anderen vier stabiler, das Puffern geht auf dem Tablet, am PC und am Smartphone sehr schnell. Kein Wunder, denn Netflix hat eine vergleichsweise hohe Datenübertragungsrate, die das möglich macht. Einziges Manko ist der bisher fehlende Offline- und Downloadmodus.

Sky Snap

Sky Snap ist die Online-Videothek des Pay TV-Senders Sky. Im Unterschied zu "Sky Go", das nur Sky-Kunden zu Verfügung steht, kann Sky Snap jeder nutzen. Preislich liegt Sky Snap weit unter den Konkurrenten. Man kann zwischen zwei Abos auswählen: "Snap" für 3.99 oder "Snap Extra" für 6.99 Euro im Monat. Wählt man die teurere Variante bekommt man einen Download-Modus und einen Parallel-Stream dazu. Auch Sky bietet einem an, die Plattform einen Monat gratis zu testen, allerdings endet das Abo sofort, wenn man noch im Probemonat kündigt.

Skysnap hat mit etwa 5.000 Titeln die kleinste Auswahl an Filmen und Serien, dafür aber viele hochkarätige Klassiker, Blockbuster und Oscar-Gewinner. "The Dark Knight" oder "Inception" sind ebenso vertreten wie die "Fluch der Karibik"-Reihe oder "The Wizard of Oz".

Skys Trumpf ist der Exklusiv-Vertrag mit dem amerikanischen TV-Sender "HBO". Dieser ermöglicht es Sky, für die nächsten fünf Jahre exklusive HBO-Serien zu zeigen. Sky Snap zeigt deshalb als einzige VoD-Plattform "Game of Thrones", die ersten drei Staffeln von "Boardwalk Empire", außerdem "The Newsroom" und alle "Sopranos"-Staffeln. Dazu gibt es "Breaking Bad", "Big Bang Theory" und "The Walking Dead".

Auch die Sky Snap-Plattform hat ein Alleinstellungsmerkmal. Wöchentlich gibt es wechselnde Themen-Specials, in der Filme oder Serien zusammengefasst werden. Bei Filmen etwa die "Johnny Depp-Woche" oder die "Christopher Nolan-Kollektion". Klickt man auf die einzelnen Filme hat man alle wichtigen Daten im Überlick: Länge, Genre, Produktionsjahr. Ebenfalls positiv aufgefallen sind die ausführlichen Plot-Beschreibungen von einzelnen Episoden.

Die App steht der Website in nichts nach und läuft stabil. Beim Streamen wäre eine mögliche Untertitel-Option noch wünschenswert.

Amazon Instant Video

Amazon Instant Video gibt es erst seit Februar 2014. Die Online-Videothek enstand aus der Fusion von Amazons "Prime" und "Lovefilm". Wer sich für Amazons VoD-Plattform entscheidet, muss nicht monatlich bezahlen, sondern einmal im Jahr 49 Euro. Der Vorteil: man kann das Streaming-Portal nutzen, ist gleichzeitig "Amazon Prime"-Kunde und spart dadurch Versandkosten bei Bestellungen über Amazon.

Das beste Preis-Leistungs-Verhältnis hat Amazon Prime Video. Für knapp 4 Euro monatlich bekommt man Zugriff auf 13.000 Filmtitel und Episoden. Filmtechnisch unterscheidet sich Amazon Instant Video nicht sonderlich von den anderen Plattformen, es gibt viel Füllmaterial und nur wenige oscar-prämierte Meisterwerke. Bei den Serien wird es nach "Breaking Bad", "Lost", "Big Bang Theory" und "The Walking Dead" ebenfalls etwas dünn.

Exklusivtitel bietet Amazon derzeit knapp 50 an - darunter "Star Trek into Darkness", "World War Z" oder "Der Medicus". Die hauseigene Serie "Alpha House" dürfte nur eingefleischten Fans ein Begriff sein. Hier besteht definitiv Bedarf, vielleicht hat Amazon deshalb einen Vertrag mit dem TV-Sender "NBC Universal"geschlossen, der Exklusivrechte auf Titel wie "Ted" oder "Ich - Einfach unverbesserlich" bietet.

Wer zum shoppen öfter auf Amazon unterwegs, dem dürfte das Problem der Website bekannt sein: sie ist unübersichtlich. Amazon Instant Video ist in die Amazon-Website integriert und man findet die Titel zwar über die Suchfunktion, aber muss sich für Genres oder bestimmte Schauspieler durch diverse Untermenüs klicken und den gewünschten Film herausfiltern. Ärgerlich ist vor allem, dass man beim Streamen nicht zwischen Originalton und deutscher Version umschalten kann. Die Smartphone-App ist hingegen wesentlich übersichtlicher und angenehm zu bedienen.

MAXDOME

Der größte deutsche VoD-Service kommt von ProSiebenSat1-Media und heißt "Maxdome". Seit 2006 gibt es das Portal, damit ist es das älteste in Deutschland. Das "Monatspaket" kostet 7.99 Euro und ist monatlich kündbar. Dafür bekommt man HD-Streaming auf allen Geräten plus einen Offline-Modus für iOS und Android.

50.000 Titel hat Maxdome in seiner Datenbank. Damit hat die Plattform so viele wie die vier anderen Anbieter zusammen. Der Grund dafür ist einfach: Maxdome bietet die ProSieben- und Sat1-Serien an. So findet man neben den üblichen Verdächtigen wie "Breaking Bad" oder "Dexter" auch "Navy CIS", "Desperate Housewives" und viele Stefan Raab-Formate. Für aktuelle Filme oder Serien müsste man allerdings bezahlen.

Wer also oft ProSieben oder Sat1 schaut ist mit Maxdome gut bedient, da man Filme oftmals vor dem Fernsehstart streamen darf und alle aktuellen "Galileo" oder "TV Total"-Folgen ansehen kann. Zudem zeigt Maxdome im Moment als einzige Plattform die US-Serie "Hannibal" sowie wenige Blockbuster der frühen Nullerjahre.

Die Suchfunktion bei Maxdome ist besonders gut gelungen. Man kann beispielsweise auch nur nach Originalton-Filmen suchen. Herzstück der Seite ist die mittig angeordnete Navigationsleiste. Nur wenige Filme gibt es in Full-HD, dafür laufen die Streams am PC, Laptop oder Smartphone stabil. Maxdome möchte sein Angebot 2015 allerdings auf 4K erweitern.

WATCHEVER

Watchever ist der französische Ableger für Streaming in Deutschland und gehört zum Medienkonzern Vivendi. Seit 2013 gibt es den VoD-Dienst hierzulande. Wer sich selbst noch ein kurzfristiges Weihnachtsgeschenk machen möchte kann das Weihnachtsangebot von Watchever nutzen, denn zurzeit gibt es die ersten drei Monate für je 2.99. Bei diesem Deal kann allerdings erst ab dem dritten Monat gekündigt werden. Normalerweise kostet das Komplettangebot inklusive HD-Streaming und Downloadmodus 8.99 im Monat.

Die Datenbank ist mit 12.000 zwar weniger umfangreich als die der Konkurrenz, überzeugt allerdings durch ihre Qualität. So sind zum Beispiel zwanzig Filme der IMDb-Top 50 verfügbar, dazu kommen aktuelle Serien sowie u.a. "Twin Peaks", "Lost", "Band of Brothers" oder "Castle" mit frei wählbarem Originalton.

Watchever hat sich die Exklusiv-Rechte für CBS-Serien und einige Disney-Produktionen gesichert. Die Kultserie "The Wire" zeigt Watchever bislang als einziges Streaming-Portal. Dazu kommt bei manchen Serien die unmittelbare Ausstrahlung von Episoden wenige Tage nach US-Start. Bei den Exklusivfilmen hat Watchever aber durchaus noch Nachholbedarf.

Für nahezu jedes Gerät und Betriebssystem ist Watchever verfügbar. Allerdings kann sich Watchever in dieser Hinsicht nicht wirklich von der Konkurrenz absetzen. Positiv ist aber, dass man im laufendem Film das Gerät wechseln und dann an der unterbrochenen Stelle weiterschauen kann.

Fazit

Die Dominanz aus Amerika kann Netflix noch nicht nach Deutschland übertragen. Wo man in den USA Platzhirsch ist, unterliegt man in Deutschland als Neueinsteiger den hiesigen Lizenzbedingungen. Zudem ist für die nächste Zeit kein Offline-Modus geplant, was viele Nutzer verärgert.

Die höchste Dichte an qualitativen Filmen und Serien hat Snap. Filmfans finden hier Hollywood-Klassiker und aktuelle HBO-Formate, die auch die Kritiker begeisterten. Wer also bereits Sky-Abonnent ist, für den ist Snap als Ergänzung eine Überlegung wert.

Watchever ist insgesamt ein guter Kompromiss, vor allem wenn man ein Rabatt-Angebot wie das aktuelle nutzen kann. Leider gab es kürzlich Meldungen darüber, dass Watchever finanziell schlecht da stehe. Langfristig ist Netflix also sicherlich die bessere Wahl, wenn sie das amerikanische Angebot nach Deutschland übertragen können.

Amazon Instant Video ist durch die Kombination mit dem "Prime-Versand" und dem geringen Preis eine gute Wahl, wenn man sich zusätzlich noch für einen anderen Dienst entscheidet. In diesem Fall lässt sich auch die chaotische Website verschmerzen.

Maxdome überzeugt zwar durch Quantität, aber gute und aktuelle Titel sind in der Flatrate kaum vorhanden. Höchstens für ProSieben-Liebhaber ist Maxdome einen Blick wert.

Gravierende Unterschiede sind zwischen den Anbietern nicht auszumachen. Alle haben einen Grundstock an guten Serien und Filmen, aber keiner ragt preislich oder durch eine besonders hochwertige Datenbank heraus. Zudem überschneidet sich bei allen Anbietern das Angebot, vor allem bei Serien. Wer also mit legalem Streaming wirklich glücklich werden möchte, muss sich zwangsläufig für mindestens zwei Angebote entscheiden: Netflix oder Watchever als Basis und als "günstige" Ergänzung Snap oder Amazon Instant Video.

In jedem Fall sollte man den kostenlosen Probemonat nutzen und vorher schauen, welcher Dienst die gewünschen Serien oder Filme im Angebot hat. Das kann man bequem auf Werstreamt.es nachschauen.

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