Weihnachten ist immer

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, dass das Weihnachtslied "O du Fröhliche" eigentlich gar kein Weihnachtslied ist? Schon seit Jahrhunderten wird es auf Sizilien gesungen. Die Melodie ist zwar die uns bekannte, jedoch bezieht sich der lateinische Text des "O Sanctissima, o Piissima, Dulcis Virgo Maria" auf die Jungfrau Maria. Die Melodie wurde von Johannes D. Falk 1816 geklaut und mit einem neuen Text versehen.

Der studierte Theologe Falk schrieb während seiner Arbeit mit Waisenkindern zunächst die erste Strophe über die "gnadenbringende Weihnachtszeit". Doch die beiden weiteren Strophen, die sowohl in katholischen als auch in evangelischen Kirchengesangsbüchern abgedruckt sind, wurden erst 15 Jahre später von einem Schüler Falks verfasst.


Der auch als Begründer der Jugendsozialarbeit bekannt gewordene Falk schrieb dieses Lied zunächst als Allerdreifeiertagslied; es sollte zu den drei christlichen Hochfesten gesungen werden. So geht es in der originalen zweiten Strophe um die "gnadenbringende Osterzeit": Die "Welt lag in Banden, Christ ist erstanden." Die dritte Strophe handelt dann von der "gnadenbringenden Pfingstenzeit". Die einzige Zeile, die in jeder Strophe unterschiedlich ist, lautet hier:"Christ unser Meister, heiligt die Geister."

Insofern war es keine große dichterische Leistung von dem Falk-Schüler Heinrich Holzschuher, zwei weitere Weihnachtsstrophen zu dichten, da jeweils nur eine Zeile zu verfassen war, in denen sich die vierte und fünfte auf die neunte und zehnte Silbe reimen. Wahrscheinlich auch wegen der einfachen Reimstruktur, sicher aber wegen der eingängigen Melodie wurde die sizilianische Marienweise als Weihnachtslied weltweit ein Hit.