Weg mit den Liedermacher-Klischees

Eva Hartmann

Am kommenden Dienstag spielt die Berliner Liedermacherin Dota Kehr, die "Kleingeldprinzessin", zusammen mit ihrer Band Die Stadpiraten ein Konzert im Jazzhaus. Eva findet, dass man das auf keinen Fall verpassen sollte, und erklärt, warum bei Kleingeldprinzessin-Gigs immer ein paar Klischees über Bord geworfen werden.

Es war Anfang April 2005, als ein mit Freikarten ausgestatteter Bekannter mich mit zu einem Konzert im Z schleifte. "Irgendeine Liedermacherin aus Berlin" solle da auftreten und mit schwante nichts Gutes. Mal ehrlich: "Liedermacherin", das klingt irgendwie uncool und esoterisch, nach drögen Brezeln und abgestandener Weißweinschorle, was soll man da schon erwarten?


Was man von einem Konzert der Kleingeldprinzessin erwarten kann, ist eine aufgekratzte junge Frau, die mit ihrer Gitarre über die Bühne fegt und einen abwechselnd zum Lachen und zum Weinen bringt.  Sie singt über verflossene Lieben, politische Fragwürdigkeiten, über schlechte Laune, Hörspielhelden, ganz großes Glück und tiefe Traurigkeit.

Das Schöne ist, dass sie dabei fast ganz ohne Kitsch auskommt. Stattdessen überrascht sie mit präzisem Wortwitz und sympathischer Ironie, verpackt tausend Mal Gehörtes treffend in die am wenigsten naheliegenden Worte, erzeugt Melancholie, Glücksgefühle und Fernweh.

Mit Letzterem kennt sich Dota Kehr besonders gut aus, denn ihr Künstlername "Kleingeldprinzessin" stammt aus Zeiten, in denen sie sich mit Straßenmusik vor Cafés in Italien, Spanien und Südamerika durchschlug. "Wir sind die Stadtpiraten, die auf ihr Kleingeld warten/ kauft uns auf einmal oder bezahlt uns in Raten" heißt es in dem dreisprachigen Song "Principesse Di Spiccioli", der traditionellerweise meist das letzte Lied auf der Setlist ist.

Und spätestens, wenn man dann im Publikum steht, glücklich, verschwitzt und mit feuchten Augen den Refrain mitsingt, spürt man, dass diese aufgekratzte junge Frau etwas kann, das nur wenige Solokünstler beherrschen: Sie verwandelt die Konzertbesucher in einen Saal voller Freunde, die gemeinsam die Lieder der Kleingeldprinzessin singen.

Wer also Lust hat, sich musikalisch mal wieder überraschen zu lassen und mindestens ein althergebrachtes Klischee über Bord zu werfen, der ist bei einem Konzert der Kleingeldprinzessin genau an der richtigen Adresse. Der besondere Zucker ist, dass sie am kommenden Dienstag gemeinsam mit ihrer Band "Die Stadtpiraten" auftreten wird - es wird also nicht nur schön werden, sondern auch rocken.

Mehr dazu:

Die Kleingeldprinzessin: Website & MySpace
Was: Dota und die Stadtpiraten
Wann: Dienstag, 29.5.2007, 20 Uhr
Wo: Jazzhaus Freiburg
Kostet: VVK 8 €; Abendkasse 10 €
BZ-Tickethotline: 01805-55 66 56 (0,14 €/Min.)

Dota Kehr: Ein Tag, Der Fluch des Schlaraffenlandes & Alles Du (live)