WebTV: Sex & Zaziki

Bianca Fritz

Es gibt sie also doch noch, die Interneterfolgsgeschichten nach dem Muster "Kumpels stellen etwas ins Netz und werden plötzlich berühmt". Alex Perschel (30), Lehramtsreferendar aus Düsseldorf und seinen Freunden ist genau das passiert. Bianca hat die Geschichte der Web-Serie "Sex & Zaziki" aufgeschrieben.



"Beim Fernsehen habe ich gemerkt, dass mich nichts länger als bis zur nächsten Werbepause fesselt – bei all den Serien, die so laufen, hatte ich das Gefühl, schon zu wissen, wie es ausgeht“, sagt er. Anstatt die Kiste abzuschalten und bei einem Bier über die Fernsehlandschaft Deutschlands zu klagen, entschloss Alex, etwas zu ändern.


Er holte Sascha Jenschewski mit ins Boot, der die Kameraausrüstung und das technische Know-how besaß und fragte seinen Freund Daniel Merdan, ob er nicht Lust hätte, mit ihm eine Serie zu drehen, die den Alltag und die Sorgen deutscher Männer zeigt. Sie setzten sich mit einer Portion Zaziki ins Auto, redeten über Frauen, pupsten, lachten, inszenierten Rückblenden und schnitten das Ganze zu einem wenige Minuten dauernden Youtube-Video zusammen.

Innerhalb einer Woche gab es 25.000 Klicks und so viel Fanpost, dass die jungen Männer einfach weitermachen mussten. Folge um Folge kamen mehr Menschen auf sie zu, die ihnen halfen, den Namen „Sex and Zaziki“ zu schützen, eine eigene Website zu vermarkten und sie baten, die Serie bei verschiedenen Video-Channels einzustellen. Das Ganze gipfelte im vergangenen Oktober in einem mit 10.000 Euro dotierten, Preis: dem Future TV Award.

Seither ist es still geworden um die Serie, die ohne Drehbuch, dafür aber mit einer gehörigen Portion Selbstironie gedreht wird. Die Studenten arbeiten aber hinter den Kulissen an einer neuen Staffel. Mitte Februar soll die erste Folge davon online gehen. Alex Perschel hat Schauspielunterricht genommen, außerdem sollen Ton und Licht professioneller, ja sogar fernsehtauglich werden. Es gab ein Casting für weitere Schauspieler und das Konzept für die gesamte Staffel steht. Die Macher haben es sich dieses Mal vorher überlegt, damit sie sich nicht mehr von Folge zu Folge hangeln müssen.

Aber besteht dabei nicht die Gefahr, dass der laienhafte Charme der Serie verloren geht? Alex Perschel: „Wir wollen weiterhin unser avantgardistisches Spiel spielen, in dem auch Platz für Improvisation bleibt – und inhaltlich lassen wir uns auf gar keinen Fall reinreden. Wir wollen kontrovers bleiben, so wie das Leben nun mal ist.“

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