Wünsche

Was wollen Freiburgs Achtklässler von ihrer Stadt?

Bettina Gröber

Diese Schülerinnen und Schüler aus achten Klassen von drei Freiburger Schulen, die ein gemeinsames Ziel haben: Sie wollen, dass ihre Anliegen von denen, die etwas zu entscheiden haben, gehört werden. Am Freitag stellten sie ihre Ideen im Haus der Jugend vor.

Echte Workshopatmosphäre herrscht im großen Saal: An Tischen sitzen oder stehen Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte, es wird geredet, gestikuliert, letzte Hand an ein Plakat oder ein Schaubild gelegt. Die insgesamt 68 jungen Menschen, die den Achterrat bilden und von der Hebelschule, der Wentzinger-Realschule und vom Kepler-Gymnasium kommen, haben sich auf sieben Gruppen verteilt. Seit Schuljahresbeginn treffen sich die Achtklässlerinnen und Achtklässler alle sechs Wochen. Betreut werden sie von einem Team des Jugendbüros. Inzwischen sind große Stellwände gestaltet worden. Darauf zu sehen sind die Themen, die den jungen Menschen wichtig sind: Rassismus, Kulturen, Kriminalität, ebenso die Situation beim Müll und bei der Infrastruktur in Freiburg. Und es geht um den Schulalltag sowie die Sport-und Freizeitflächen. "Wie werden wir alle toleranter?" lautet eine der vielen Fragen, die aufgeschrieben worden sind. Oder der Satz ist zu lesen: "Ich schäme mich, wenn Freunde kommen, weil es bei mir aussieht wie im Ghettoviertel."


Wichtig ist es, selbst aktiv zu werden

Mit solchen und vielen weiteren Problemen will sich der Achterrat, den es seit Herbst 2015 gibt und der in jedem Schuljahr neu gebildet wird, nicht nur beschäftigen. Sondern diejenigen, die etwas in Freiburg verändern können, sollen direkt angesprochen werden. Und so sind an diesem Freitag 30 Experten aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft zu Gast. Eine Stunde lang lassen sie sich an den Schauwänden die Themen und Anliegen der jungen Menschen erklären.

Aaron Kyei (14) gehört zu der Gruppe, die sich vor allem mit der Situation verschiedener Freizeit-und Fußballplätze in der Stadt beschäftigt. "Wir wünschen uns Kunstrasenplätze. Auf einem Hartplatz ist die Gefahr groß, dass sich kleine Kinder, aber auch wir Jugendlichen verletzen", sagt Aaron. Er selbst ist als Torwart aktiv. Bei den Gesprächen mit Politikern und anderen Verantwortlichen habe er schon "das Gefühl gehabt, dass es die Erwachsenen interessiert hat, was wir sagen". Mehr noch: "Ich glaube auch daran, dass sich etwas ändern wird." Insgesamt finde er es auf jeden Fall gut, "dass jeder sagen kann, wie er die Stadt besser machen will", so der Schüler an der Hebelschule.

Schahinda El-Khalili (15) findet es aber auch wichtig, selbst aktiv zu werden. In ihrer Gruppe, in der es um Rassismus geht, seien auch Gedanken zur Sprache gekommen wie dieser: "Jeder sollte sich erstmal selbst hinterfragen – bin ich vielleicht selbst rassistisch?" Außerdem hat die Gruppe ein Experiment vor: Zwei Jugendliche sollen zu Gesprächen für eine Praktikumsbewerbung gehen – und erleben, ob man mit einem bestimmten Aussehen anders behandelt wird.

Und was nehmen die erwachsenen Experten vom Achterrat mit? Gemeinderäte verschiedener Fraktionen stellen sich schließlich vor die versammelte Mannschaft – und erklären, dass sie mal das eine, mal das andere Thema "weiter verfolgen", "an die zuständigen Stellen weitergeben" oder "voranbringen" wollen. Im Juli soll es ein Abschlusstreffen geben: Dann werden die Experten und Entscheider auch Farbe bekennen müssen, ob sich wirklich was getan hat.