Debatte

Was wird aus der denkmalgeschützten Stadthalle in Freiburg?

Fabian Vögtle

Die ehemalige Stadthalle ist eine begehrte Immobilie. Für das größtenteils leerstehende Gebäude am Alten Messplatz gibt es mehrere Interessenten. Dem Rathaus liegen unterschiedliche Konzepte vor.

Ob Kulturhaus, Museum, Indoor-Spielplatz oder gar Filmstudio. Wann die zuletzt als Universitätsbibliothek sowie Flüchtlings- und Obdachlosenunterbringung genutzte Halle in neuem Glanz erstrahlt, ist allerdings völlig unklar. Fest steht, dass sich der Gemeinderat damit befassen muss.


"Mir schwebt da eine Kleinstkunstbühne vor" Hans Lehmann
"Da muss jetzt mal was passieren", sagt Atai Keller (SPD/Kulturliste). Um "Druck aufzubauen" stellte der Stadtrat jetzt mit der Grünen-Fraktion eine Anfrage zur Zukunft der denkmalgeschützten Stadthalle. Keller favorisiert genauso wie Hans Lehmann vom Bürgerverein Oberwiehre-Waldsee eine kulturelle Nutzung. "Mir schwebt da eine Kleinstkunstbühne vor", sagt Lehman. Der Bürgervereinsvorsitzende sammelt seit Monaten Ideen und Konzepte, die er ans Rathaus weitergibt. Er kann sich für die Räumlichkeiten alles mögliche vorstellen, außer Büros und Lofts – die seien unpassend. "Die Leute wollen, dass da wieder Leben drin ist", weiß Lehman aus Gesprächen im Stadtteil.

Neben dem von Keller vorgeschlagenen "Haus der Kulturen" für die Kunst-, Kultur- und Musikszene gibt es die Idee eines "Eco-Mobileum" von Konrad Otto-Zimmermann. Der Umweltplaner und Initiator der Mobilitätsgespräche würde vor Ort gerne eine Erlebniswelt mit Museum, Showspace und Akademie aufbauen. Daneben könnten Räume für bürgerschaftliches Engagement entstehen.

Die Stadt will keine Folgekosten bezahlen

Auch das "Panoptikum der Geschichte" setzt auf ein Museum zum Mitmachen über Freiburg und das Dreisamtal. Hinzu kommt das Konzept der "SpielWas GmbH" für einen Indoor-Spielplatz mit Hochseilgarten, Café und Werkstätten. Die Maria-Montessori-Schule hat Interesse am Außenriegel und auch der Verein Chorstadt Freiburg, dem mehrere Freiburger Chöre angehören, möchte einen Teil der Stadthalle dauerhaft nutzen.

Die gebürtigen Freiburger Nina Gwyn Weiland und Sebastian Weiland sehen in der Stadthalle dagegen den idealen Ort für die Gründung der "Black Forest Filmstudios". Die Filmemacher mit Standorten in Berlin und Los Angeles vermuten in Freiburg und der Region viel Potenzial für internationale Produktionen. In der Stadthalle, so ihr Konzept, soll eine Plattform für Film- und Medienprojekte entstehen. Neben Studiohallen gäbe es Produktions- und Tonstudios, Werkstätten, ein Filmarchiv und Gastronomie. Zum Konzept gehört auch der Aufbau einer Film-Akademie in Kooperation mit der Uni Freiburg. "Wir würden gerne so bald wie möglich starten", sagt Sebastian Weiland, der die Stadthalle schon länger im Blick hat.

Gemeinderat muss noch debattieren

Mehrere Konzepte werden derzeit geprüft, sagt Rathaussprecher Toni Klein dazu. Die Verwaltung bevorzuge eine Nutzung, die keine Folgekosten für die Stadt bedeutet. Einen genauen Zeitplan gibt es nicht. Wann in der Stadthalle frischer Wind weht, hänge von den Gesprächen ab, so Klein. Auch im Gemeinderat muss das Thema noch debattiert und darüber entscheiden werden.

Bis zu einer Neunutzung wird die Halle als Außenstelle der städtischen Notunterkunft Oase genutzt. Zudem ziehen während deren Sanierungsarbeiten eine Schule und ein Kindergarten ein. Noch bis zum Ende des Jahres ist das Gebäude mit den eingebauten Containern als Flüchtlingsnotunterkunft vorbehalten.

Unabhängig von der künftigen Nutzung laufen noch immer Verhandlungen zwischen Stadt und Land über die Kostenübernahme zur Flüchtlingsunterbringung in der Stadthalle in den Jahren 2015 und 2016.

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