Was wird aus dem Ex-Kamikaze? Anwohner wollen Club verhindern

Frank Zimmermann

Anwohner von Oberlinden wehren sich mit allen Mitteln dagegen, dass im ehemaligen "Kamikaze" wieder ein Club eröffnet wird. Nachdem die Stadtverwaltung dem neuen Pächter Christian Rotzler die Konzession erteilt hatte, legten sie Widerspruch beim Regierungspräsidium (RP) ein. Doch das RP wies die Einwände zurück. Gestern hat ein Anwohner Klage beim Verwaltungsgericht eingereicht.



Ende 2012 hatten die Betreiber Markus Gut und Jan Ehret den "Klub Kamikaze" (ehemals "Le Caveau") im Haus Oberlinden 10 aufgegeben. Immer wieder hatten sich Nachbarn wegen Lärms beschwert. 2010 wurde deshalb ein Gutachten erstellt. Dieses hatte Auflagen zur Folge: Unter anderem investierte der Hauseigentümer in Schallschutz; Live-Musik wurde untersagt und es wurden Vorgaben für die Musikanlage und die Position der Bass-Lautsprecher gemacht.


Mit all diesen Auflagen kann der neue Pächter Christian Rotzler leben. Er betreibt bereits das "Great Räng Teng Teng" an der Grünwälderstraße und seit kurzem die Diskothek "Dreieck" (ehemals "Nachtschicht") im Bermuda-Dreieck. Die Stadt erteilte ihm am 7. Mai die Konzession. Rotzler will einen Club mit "gediegener Feierkultur" für Gäste ab 21. Der Hauseigentümer hat 100.000 Euro in die Sanierung der Kellerräume investiert. Neben den genannten Auflagen muss Rotzler Sicherheitspersonal am Eingang postieren, er darf maximal 150 Gäste gleichzeitig reinlassen und muss bei der Stadt 2000 Euro für Lärmmessungen hinterlegen.

Mehrere Anwohner legten gegen die Konzession Widerspruch beim RP ein. Am 19. September wies das RP diesen zurück: Der Club könne sich auf den Bestandsschutz berufen, da für ihn eine Baugenehmigung vorliege, die älter ist als der Bebauungsplan von 1984; zudem seien der Schallschutz verbessert und weitere Auflagen gemacht worden. "Das Betriebskonzept ist schlüssig und geeignet, einen wesentlichen Beitrag zur Vermeidung unzumutbarer Belästigungen für die Nachbarschaft zu leisten", so das RP.



Nun klagt einer der Anwohner beim Verwaltungsgericht gegen die Stadt als Konzessionsgeber. Sein Anwalt Heiko Melcher bezweifelt, dass es jemals eine Baugenehmigung für eine Disko in den Kellerräumen gegeben hat. Das Lärmargument des Klägers kann Rotzlers Anwalt Sebastian Seith nicht nachvollziehen. Er verweist auf ein TÜV-Gutachten: Die auf das Lokal entfallenden Geräuschanteile seien "irrelevant gering"; Passanten und Straßenbahnen machten mehr Lärm.

Dem hält Anca Rosler-Koslar vom Lokalverein Innenstadt entgegen, dass es ohne "Kamikaze" bedeutend ruhiger sei: "Der Unterschied ist eklatant." Für Rotzler bedeutet die Klage, nicht aufmachen zu können; bis zu einer Verhandlung wird es Monate dauern. Um wenigstens vorläufig zu öffnen, hat er bei der Stadt "Sofortvollzug" beantragt. Wird dem stattgegeben, will er im Dezember loslegen. Doch auch damit würde sich Anwohner-Anwalt Melcher nicht abfinden – bei einem positiven Sofortvollzug strebt er ein Eilverfahren beim Verwaltungsgericht an.

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