Was von Morcheeba beim ZMF in Erinnerung bleibt

Bernhard Amelung

Sie haben den TripHop aus der Düsternis befreit und auf die Sonnenseite gehoben: Die Briten von Morcheeba haben im Spiegelzelt ein Best-of aus über 20 Jahren Bandgeschichte gespielt. Was vom Konzert in Erinnerung bleibt.

Der Schweiß

Rund drei Millionen Schweißdrüsen verteilen sich über den menschlichen Körper. Sie sondern Wasser, Kochsalz, Harnstoff und Fettsäuren ab. Je nach Aktivität und Umgebungstemperaturen können das bis zu 10 Liter sein. Bei 700 Menschen – das Spiegelzelt ist an diesem Abend ausverkauft – sind etwas mehr als zwei Milliarden Schweißdrüsen aktiv. Also viel Körperflüssigkeit, die an den Besucherinnen und Besuchern des Konzerts hinab rinnt und in die Luft diffundiert (Fotos).

Die Stimme

Engelsstimme. Seidenweich. Wie von einem anderen Stern. Geheimnisvoll. So wird die Stimme von Skye Edwards, Sängerin und Frontfrau von Morcheeba, in diversen Feuilletons vom Guardian bis zur Süddeutschen Zeitung beschrieben. "Good evening, hey guys", flüstert sie zur Begrüßung. Ihre Stimme schwebt über den tiefen Bass-Spuren und schleppenden Rhythmen. Ihr sanfter Gesang, der immer auch ein wenig verdämmert wirkt, streichelt das Ohr. So auch zum Auftakt in "Never Undo", mit dem auch das aktuelle Album "Blaze Away" beginnt.

Der Sound

Als Skye Edwards und die Brüder Paul und Ross Godfrey, die Gründungsmitglieder von Morcheeba, 1996 mit ihrem Albumdebüt "Who Can You Trust" um die Ecke kamen, waren Tricky ("Maxinquaye", 1995), Massive Attack ("Blue Lines", 1991), Portishead ("Dummy", 1994) schon da. Der düstere, in regenschwangere Wolken gehüllte Gegenpol zum Brit-Pop der Mittneunziger.

Als Morcheeba 2000 ihren bis heute bekanntesten Hit, "Rome Wasn’t Build In A Day", veröffentlichten, arbeiteten sich die ersten Produzenten in Bristols Hinterhöfen an ersten Dubstep-Skizzen ab, auch wenn es für diesen rhythmisch zerklüfteten Sound noch keinen Genrenahmen gab. Wenn man böse ist, kamen Edwards und die Brüder Godfrey immer einen Tick zu spät, um eine Art Pionierstatus inne zu haben. Die Sound-Innovationen haben andere angestoßen, Morcheeba haben sie, von sperrigen Elementen befreit, einem breiten Publikum zugänglich gemacht. So ist auch ihr aktuelles Album "Blaze Away" eine leicht bekömmliche Mischung aus Blues, Psychedelic Rock, Dub, Reggae, HipHop, Pop und Electronica. Von allem ein bisschen

Die Songs

"Never Undo", "Friction", "Otherwise", "Blaze Away", "Blood Like Lemonade", und viele andere führen an diesem Abend den Trip Hop in poppig-gefälligere Gefilde. Wo sonst hazy Synthesizer-Schwaden die Subbässe umhüllen und kaum Licht hindurch dringt, scheint bei Morcheeba immer noch ein wenig Sonne. Sommerzeit halt. So besingt es Edwards auch im gleichnamigen Song. "It's summertime, night's falling, into my home, think I might fall in love, and I won't deny, feeling on a high."

Der Spliff

Apropos "feeling on a high". Sonst wird ja bei Auftritten von Morcheeba gerne geraucht, was der Anbau im Badezimmer her gibt. In Freiburg geht alles etwas bürgerlicher zu. Erst nach dem Konzert dreht sich ein Mann Ende Dreißig, Anfang Vierzig, einen Joint. Böse Blicke, Kopfschütteln, Befremdung allenthalben. Dein Ernst, du freiheitliches Freiburg?

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