Interview

Was tun, wenn man eine Absage der Wunsch-Uni bekommt?

Yvonne Weik

Wer eine Absage für sein Wunschstudium bekommt, kann trotzdem studieren. Dennis Mocigemba von der zentralen Studienberatung der Uni Freiburg weiß wie. Ein Gespräch über geplatzte Träume, Wartezeiten und Alternativen.

BZ: Wenn jemand in den vergangenen Wochen eine Absage für sein Wunschstudium bekommen hat, ist die Enttäuschung meist sehr groß. Platzt damit der Traum vom Studium?
Mocigemba: Nein, nicht unbedingt. Eine kurze Phase der Enttäuschung ist zunächst völlig legitim. Danach lohnt sich ein Blick auf die vielen zulassungsfreien Studiengänge. Vielleicht ist sogar etwas Verwandtes dabei. Denn nach der Absage des Wunschstudiums kann man sich dort einschreiben und trotzdem studieren.


"Trotz Absage kann man studieren." Dennis Mocigemba
BZ: Und wenn jemand unbedingt an seinem Wunsch festhalten will?
Mocigemba: Dann sollte man klären, zum Beispiel bei uns in der zentralen Studienberatung, wie erfolgversprechend eine wiederholte Bewerbung im nächsten Jahr ist. Lohnt sich das – in Freiburg oder an einer anderen Hochschule? Wie kann man das gewonnene Jahr für die eigene Entwicklung und bessere Zulassungschancen nutzen? Hier bietet sich zum Beispiel oft ein Freiwilliges Soziales Jahr an. In manchen Fällen führt der Weg zum Wunschstudium über die Wartezeit, über die ja auch eine bestimmte Menge der Studienplätze vergeben wird.

BZ: Bei Psychologie lag die Wartezeit im vergangenen Jahr bei 15 Semestern, der Numerus Clausus (NC) bei 1,2. Da sind die Chancen für Bewerber auch im nächsten Jahr gering. Was raten Sie?
Mocigemba: Wer vor dem Abi zu mir kommt, dem sage ich: Gas geben, jeden möglichen Punkt im Abitur rausholen. Wenn es trotzdem nicht reicht, lohnt ein Blick auf andere Universitäten, an denen der NC zuletzt leichter erreichbar war. Für Psychologie sind die Fernuni Hagen oder ein Studium in Österreich oder den Niederlanden mitunter Alternativen.

BZ: Viele Abiturienten habe ihr Ziel erreicht und beginnen ihr Studium Anfang Oktober. Welchen Tipp geben Sie für die ersten Uni-Wochen?
Mocigemba: Vor allem mit Freude und Neugier starten. Darauf achten, dass man nicht gleich zu viel will. Vieles im Studium ist neu und spannend, aber man sollte seine Kräfte und Zeitressourcen im Blick behalten. Wichtig ist auch, gut an der Uni anzukommen. Ich rate jedem, die vielen Angebote der Uni wahrzunehmen, insbesondere die Erstsemesterwoche. Und vielleicht am wichtigsten: auf Mitstudierende zugehen, neue Leute kennenlernen. Ein soziales Netz ist extrem wichtig, wenn es während des Studiums mal eine Krise gibt. Außerdem macht Studieren mit Freunden einfach mehr Spaß.
Dennis Mocigemba (40) studierte an der HU und TU Berlin Sozial- und Medienwissenschaften und promovierte dann. Seit 2014 leitet er die zentrale Studienberatung der Uni Freiburg, Sedanstraße 6.

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