Was trägt der Freiburger? Ein Spaziergang durch die Stadtteile

Karlotta Könneke

Freiburg ist das Volk der Funktionsjackenträger - so lautet das gängigste Vorurteil. Vergessen wird dabei gerne: Der Freiburger mag auch Adiletten! In einem anderen Stadtteil eben. Also haben wir fudder-Autorin Karlotta Könneke auf einen Spaziergang voller Ressentiments geschickt:



Mein Rundgang beginnt in Littenweiler. Dort, wo die Jack Wolfskin-Jacke ihr Zuhause hat und eine Beliebtheit genießt, wie sonst nur Kaffee morgens im Großraumbüro. Egal wie das Wetter ist: Ohne die Jacke mit der Tatze geht ein echter Littenweilerer nicht vor die Haustür. Aber auch Gore-Tex Schuhe stehen hoch im Kurs.

Da es durch die Nähe zum Schwarzwald jederzeit zum Wetterumschwung kommen kann, sind die Dreiviertel-langen Trekkinghosen mit abnehmbaren Beinen durch einen Reißverschluss wahnsinnig praktisch. Es lebe die Funktionalität!



Weiter geht es in Richtung Wiehre. Kann ich mich so weit aus dem Fenster lehnen und die Wiehre den Flohmarkt-Stadtteil Freiburgs nennen? Auf jeden Fall ist der Kleidungsstil bunt. Mir stechen zahlreiche Vintage-Fundstücke mit einer gehörigen Portion Patina ins Auge. Nur das "Accessoire" Musikinstrument auf dem Rücken eint etwa 70% der Bewohner.



Ich werde müde, brauche eine Pause. Da treten gemusterte Teva-Sandalen in mein Blickfeld. Meine Augen wandern die Beine hoch: Sie stecken in einer Patchwork-Aladin-Pluderhose, dann folgt eine Vintage-Strickjacke, die aussieht wie das Erbe vom Opa.

Schlagartig wird mir bewusst, dass ich erschöpfter war als gedacht und auf einer Parkbank mitten im Vauban meinem Mittagsschlaf gefrönt habe. Gerade werde ich von einer Bewohnerin mit Jutebeutel voller Tofuwürstchen und Kichererbsenmehl kritisch beäugt.

Ich erhebe mich lieber schnell von der Bank und trotte weiter. Die vielen Barfußläufer nehme ich trotzdem wahr. Nackte Füße, der Oberkörper steckt in Sweatshirts mit aufgedruckten Slogans, die für Urban-Gardening oder gegen Atomkraft werben – das scheint der Modekodex der Männer im Vauban zu sein.



Nach und nach nehme ich captragende Halbstarke wahr, die mit ihren Jogginghosen von New Yorker, Camp David Pullis und Jordans extrem lässig durch die Straßen laufen, begleitet von Mädchen in knappen Röcken und Leoprint-T-Shirts, die so riesige Ohrringe tragen, dass man sich wundert, wie sie noch aufrecht stehen können.



Dass ich mich nun von, es muss wohl Haslach gewesen sein, entferne und Weingarten nähere, merke ich vor allem am wechselnden Schuhwerk. Die Adiletten regieren die Straße. Auch Muscleshirts oder Polyester Trainingsanzüge des Lieblingsvereins sind beliebt. Weiße Tennissocken sind ein Muss.

Wer unter 30 ist, darf seine Hose in die Socken stecken. Die Frauen tragen Schuhe, bei denen von Glitzer bis Glitzer alles dabei ist und Leggins – gerne auch eine Kleidergröße kleiner. Wer kein Fan der sich ehemals unter dem Rock befindenden Abwandlung einer Strumpfhose ist, trägt tief, ich meine wirklich tief geschnittene, hautenge Jeans.

Optional darf auch der String beim leichten Bücken ein bisschen Sonnenlicht sehen. Obenrum gilt: Entweder Crop-Top (Liebe Männer, das ist das neue schicke Wort für bauchfreie Shirts) oder ein enges Top. Achtung: hier muss man den BH etwas durchsehen.



Aber mal was Anderes: Wann werden eigentlich weiße Stiefel verboten?

Meine Tour endet in Landwasser und somit mit Markenshirts, Markenhosen, Markenschuhen, Markensocken… Hauptsache der Markenname ist möglichst groß und auffällig aufgedruckt. Die Echtheit spielt dabei eher eine untergeordnete Rolle.

Also zugreifen beim nächsten Urlaub an der Ägäis! Beim Autofahren gilt: Der Arm mit der dicken goldenen Uhr am Handgelenk muss auf dem Türrahmen liegen. Das ist, anders als die verspiegelte Pilotenbrille, nicht optional!

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[Fotos Instagram, Karlotta Könneke]