Was taugt die Website der Uni Freiburg?

Christoph Müller-Stoffels

Die Website einer Universität muß viele Bedürfnisse befriedigen: Die Universität will sich nach Außen im besten Licht präsentieren, Alumni wollen über die letzten Nachrichten auf dem neusten Stand gehalten werden und vorallem Studenten sind an einfacher Nutzbarkeit und schnellem Zugriff auf wichtige Informationen interessiert. Wie gut ist die Website der Uni Freiburg? Wir haben die Seite zusammen mit einer Usability-Expertin dem Check unterzogen.



Beim Online-Kult-Comic XKCD findet sich ein Comicstrip, der die Diskrepanz zwischen den verschiedenen Ansprüchen beschreibt, die an eine Uni-Homepage gestellt werden. Er unterscheidet zwischen Dingen, die auf der Startseite einer Universität gezeigt werden - eine Foto-Slideshow vom Campus oder ein Brief des Präsidenten- und den Dingen, die dort gesucht werden - eine Liste wichtiger Telefonnummern oder Anmeldeformulare. Die einzige Schnittmenge ist der volle Name der Universität.


"Dies geschieht dadurch, dass die internen Strukturen und Prozesse nach aussen gespiegelt werden, anstatt bei der Konzeption von den Beüdrfnissen und der Benutzersicht auszugehen", sagt Vera Brannen, Gründerin von Brannen Usable Brands, der wir die Website der Uni Freiburg zur Analyse vorgelegt haben.

Normalerweise sind Comics überspitzte Darstellungen der Wirklichkeit. Nicht so in diesem Fall. Wer schon einmal auf der Homepage einer Universität nach etwas Einfachen wie dem Vorlesungsverzeichnis gesucht hat, weiß, was Verzweiflung bedeuten kann. Der Webauftritt der Uni Freiburg bildet da keine Ausnahme, findet auch Brannen. „Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll“, sagt die Expertin.

Wir suchen das Vorlesungsverzeichnis. Auf der Startseite findet sich ein Link dorthin. Ein Klick bringt uns zu einem schönen Foto. „Willkommen“, strahlt es uns entgegen. Oben rechts verweist ein kleiner Link auf das Wintersemester 2010-11. Ein Klick hier bringt uns zu einer Liste von dreizehn Vorlesungsverzeichnissen, deren unterstes wieder das gesuchte Wintersemester ist. Ein Click hierauf bringt uns wieder zum Foto und dem „Willkommen“. Wir drehen uns im Kreis.

Versuchen wir es über die Suche. Der Suchbegriff „Vorlesungsverzeichnis Wintersemester 2010“ bringt keine Treffer. Die Suche nur nach „Vorlesungsverzeichnis“ bringt uns wieder zum „Willkommen“-Foto. Allerdings haben wir bislang außer Acht gelassen, dass in einem Menü auf der linken Seite ebenfalls ein Punkt „Vorlesungsverzeichnis“ zu finden ist, der mit den Unterpunkten des aktuellen und der beiden vergangenen Semester aufwartet. Hier endlich gelangen wir zum gesuchten Vorlesungsverzeichnis.

Dr. Reiner Fuest
von der Stabstelle Marketing und Wissensmanagement der Universität verteidigt die Homepage. „Die Kritik könnte lauten, dass diese verschiedenen Wege verwirrend sind.“ Das treffe allerdings nur zum Teil zu, denn manche eher ungewöhnlichen Wege würden von gewissen Gruppen intensiv genutzt. Wie es keinen eindeutigen Weg zum Vorlesungsverzeichnis gebe, gebe es auch kein einheitliches Nutzerverhalten. „Wir vertrauen an dieser Stelle aber eher den Prinzipien der Usability, die auf organisierte Vielfalt setzen.“

Diese Usability wird aber gerade in Frage gestellt. Studentin Evelyn Allgeier etwa moniert, dass die Site „extrem unübersichtlich“ sei. Und auch Expertin Vera Brannen schlägt mit ihrer Kritik in die gleiche Kerbe. „Vom Ansatz her ist die Homepage wirklich gut, da viele Inhalte vorhanden sind. Allerdings wird das nicht durchgezogen, und der Benutzer verliert sich schnell in der nicht schlüssig aufgebauten Navigation.“ Die Vielzahl an Unterseiten und deren Verschachtelung lasse einen bald den Kontext verlieren. Das Vorlesungsverzeichnisbefindet sich beispielsweise nicht mehr auf uni-freiburg.de, sondern auf verwaltung.uni-freiburg.de.

Auch die Startseite sei ein Beispiel, wie man es nicht machen sollte. „Als erstes findet man nur News, aber nichts, was man als Student braucht.“ Natürlich sei das Menü auf der linken Seite und besonders der Schnellzugriff eine gute Idee. Allerdings fände sich darunter eine ganz normale Navigation, die den Begriff Schnellzugriff ad absurdum führe.

Studentin Allgeier moniert auch, dass nicht alle Fakultäten mit der gleichen Maske, manche noch mit der alten arbeiten würden. Uni-Mitarbeiter Fuest ist sich dessen bewusst, verteidigt aber auch das. „Das neue Corporate Design wurde vergangenen Oktober freigeschaltet, Ende November sind dann einige zentrale Funktionalitäten ergänzt worden.“ Seitdem würden immer wieder Verbesserungen ergänzt oder hinzu geschaltet. Allerdings sei auch zu beachten, „dass die Zeiten 'einer' Homepage vorbei sind und wir daher verschiedene Informationsportale betreiben müssen, um unsere Zielgruppen adäquat ansprechen zu können.“ "Dieser Ansatz ist gut, aber es muss die schnelle Orientierung und Navigation zwischen den inhaltich vernetzten Portalen gewährleistet sein", fügt Vera Brannen hinzu und ergänzt, dass gerade die von Fuest erwähnte Ansprache nicht funktioniere. „Es ist schon alles da, aber es reizt nicht, wirklich auf der Site zu bleiben.“

Das beginne beim Design. Blau und grau strahlen eine gewisse Tristesse aus, aber auch eine gewisse Beliebigkeit. „Wenn man das Logo abdeckt, weiß man nicht mehr, auf was für einer Site man sich befindet. Auch eine Universität sollte sich heute klar als Marke etablieren, wie es in den USA schon lange Usus ist.“ Allgeier fügt hinzu, dass die Homepage vielleicht für Uni-Mitarbeiter Sinn mache, „jedoch auf gar keinen Fall einen roten Faden für die Studis aufweist.“

Fuest sieht das anders. „Auch wenn wir in erster Linie Studierende ansprechen, halten wir uns mit Knalleffekten zurück, da wir gerade aus dieser Gruppe Rückmeldungen erhalten, die die klare und nüchterne und damit erwachsene Ansprache schätzen.“ Dabei erhält er Rückendeckung von einigen fudder-Usern. „Richtig gut“ findet Ralphi die Page. Auch vom Optischen mache sie einiges her. Auch für Mikey ist die Site „gelungen“. Sie biete die Funktionalität, die man von einer solchen Homepage erwarte. „Ich finde sie nur ein bisschen schlicht im Design, passt ein bisschen zum neu gestalteten Platz den weißen Rose.“

Diese Schlichtheit fällt auch Brannen auf. „Was die komplett verpassen ist, dass Studium Spaß machen und dass das visualisiert werden kann. Derzeit gibt es keine Bilder, Farben, Emotionen. Keine Elemente, welche die Marke der Universität visuell kommunizieren und die Universität somit von anderen Angeboten abhebt.“ Ob der Usability hegt sie allerdings auch die Hoffnung, dass der von Fuest angesprochene Prozess schließlich zu einem guten Ende komme. Vom Ansatz her sei die Homepage auf einem guten Weg. Fuest prognostiziert, "dass wir zum Jahresende alle zentralen Angebote überführt haben werden - und dennoch geht danach die Arbeit weiter."

Ein Beispiel für eine gelungene Uni-Homepage führt Auftragskritikerin Brannen aber auch noch an. „Mir gefällt die Website der George Washington University sehr gut. Hier hat man das Menü über die Tätigkeiten aufgebaut, ein Ansatz, der mir gefällt. Die Navigation ist so sehr gut strukturiert und übersichtlich.“ Vielleicht lässt sich das auch bald über den Webauftritt der Uni Freiburg sagen. Bis dahin kann man sich trösten, dass auch das MIT oder Berkeley bei der Expertin durchfallen.

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