Was sich an der Uni Freiburg im Umgang mit Plagiaten geändert hat

Anna-Lena Zehendner

Vor vier Monaten löste der Plagiatsfall Karl-Theodor zu Guttenberg eine ganze Lawine von weiteren Plagiatsvorwürfen gegenüber Politikern und Akademikern aus. Auch die Uni Freiburg war betroffen. Um in Zukunft Plagiate zu vermeiden, gibt es hier seit Juni eine neue Satzung, mit der die Leitlinien zur Redlichkeit in der Wissenschaft überarbeitet wurden. Was sich in Freiburg getan hat und wie einzelne Fakultäten sich engagieren:

Im März wurde der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg des Plagiierens überführt. Die Konsequenzen waren sein Rücktritt aus dem Ministeramt, die Abgabe seines Doktortitels und nicht zuletzt der Verlust seiner Reputation. Auch der FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin wiesen die Plagiatsjäger der diversen "Plag"-Wikis Abschreiben nach; sie muss seit Mai auf ihren Doktortitel verzichten.


Auch die Albert-Ludwigs-Universität blieb von Plagiatsaffären nicht verschont: Seit März wird Hans-Hermann Dickhuth, dem Leiter der Sportmedizin, vorgeworfen, bei seiner Habilitation in den achziger Jahren von einer Doktorarbeit abgekupfert zu haben; die Ermittlungen laufen noch. Bei Haus-, Diplom- und Bachelorarbeiten und sonstigen Studienleistungen wenden Studierende oft genug die verlockend einfache Copy-und-Paste-Technik an.

„Wir haben regelmäßig Plagiatsfälle“, sagt Dr. Harald Baßler, Geschäftsführer des Deutschen Seminars. Diese würden von den Dozenten in der Regel aus Stilbrüchen in den Hausarbeiten entdeckt und mit konventionellen Suchmaschinen im Internet überprüft.

An der PH Freiburg können sogar die Studierenden selbst mit Hilfe einer Plagiatssoftware ihre Hausarbeiten freiwillig und anonym überprüfen lassen. Diese Software verwendet man an der Uni bisher jedoch noch nicht. „Wir werden eine solche Software durchaus nutzen, sofern sie von Seiten des Rechenzentrums der Universität zur Verfügung gestellt wird,“ sagt Baßler.

Prof. Dr. Heiner Schanz, Vize- und Prorektor für Lehre an der Uni sieht die routinemäßige Anwendung einer solchen Software kritisch. „Es ist bedenklich, wenn Plagiatssoftware standardisiert zur Überprüfung wissenschaftlicher Arbeiten eingesetzt wird. Damit werden alle, die wissenschaftlich publizieren, unter Generalverdacht gestellt. Das halte ich für unangemessen.“

Nur Selbstverantwortung und Ehrlichkeit könnten letztlich wissenschaftliches Fehlverhalten verhindern. Die einzelnen Fakultäten seien hierbei verpflichtet, die nötigen fachspezifischen Grundsätze für wissenschaftliches Arbeiten zu vermitteln. Bessere Betreuung und das richtige Erlernen von akademischen Regeln würden dabei helfen, Plagiate zu verhindern.

Diese Erfahrung macht man auch an der Historischen Fakultät. "Unsere Studierenden werden intensiv betreut", sagt Dr. Sabine Dabringhaus, Geschäftsführende Direktorin des Historischen Seminars. "Sie verfassen in den Seminaren regelmäßig Essays, so dass man den Stil der Studenten kennt und es auffällt, wenn sie in einer Arbeit plötzlich anders schreiben." Plagiate seien bei den Historikern deswegen kaum ein Thema.

An der Fakultät für Rechtswissenschaft, wo oft mehrere hundert Studierende parallel den gleichen Fall für eine Hausarbeit bearbeiten müssen, scheint die Verlockung zum Plagiat besonders groß. Dort scheint man aktuell an neuen Maßnahmen zur Plagiatsvorsorge zu arbeiten; genaue Auskünfte sind zur Zeit allerdings noch nicht zu bekommen. Uniweit hat man nun zunächst die Satzung geändert, und die "Leitlinien zur Redlichkeitin der Wissenschaft" überarbeitet. Man möchte damit vor allem an die einzelnen Fakultäten appelieren, die Regeln des wissenschaftlichen Arbeitens an die Studenten ausführlich zu vermittelt. Der Fall Guttenberg sei jedoch nicht ausschlaggebend für die neue Satzung gewesen, an der man bereits seit einem Jahr arbeite.

Mit der neuen Satzung will man vorerst ohne Technische Hilfsmittel auskommen. „Zentral ist, dass die Selbstverpflichtung zur guten wissenschaftlichen Praxis der Leitungspersonen, der Doktoranden sowie der Studierenden herausgestellt wird, und erst nachrangig die Frage des Umgangs mit wissenschaftlichem Fehlverhalten oder dem Verdacht davon geregelt wird“, sagt Heiner Schanz.

fudder-Debatte:

Was wird in Deinem Studiengang gegen Plagiate unternommen? Wurde Dir korrektes wissenschaftliches Arbeiten gut genug vermittelt? Und: ist es leicht, mit Plagiaten durchzukommen?

Du bist gefragt!

 

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  [Bild 1: Fotolia; 2: fudder-Archiv, 3: Uni Freiburg]