Musikfestival

Was sagen Freiburgs Kulturschaffende und Jungpolitiker zur ZMF-Zukunft

fudder-Redaktion

Ist es das Klima? Die Größe der Zelte? Die Auswahl der Künstler oder doch die Preise? Die ZMF-Bilanz in diesem Jahr war schlecht. fudder hat Freiburger Kulturschaffende und Jungpolitiker gefragt, was man ändern könnte.

Tilo Buchholz, Popbeauftragter Stadt Freiburg

"Ich maße mir nicht an, den erfahrenen Veranstaltern Vorschläge zu machen. Das bisherige Konzept mit zwei kostenpflichtigen Zelten und vielen Gratiskonzerten auf dem Gelände ist sehr charmant und hat sich bewährt. Um es bei stetig steigenden Kosten annähernd so zu erhalten, muss man die Einnahmen mehren. Ob das 5000er Zirkuszelt über 19 Tage dafür die Lösung sein kann – es kostet ja auch mehr und die Gagen dürften bei einer höheren Kapazität nicht gleichbleiben – bezweifle ich eher. Bekanntere und aktuelle Acts nehmen mehr Geld, ergo höhere Ticketpreise. Welcher Besucher kann/will sich das mehrfach leisten? Marc Oßwald wird das alles in seine Überlegungen einbeziehen. Vielleicht ein Schuss mehr Regionalität? Besondere Projekte? Die Verjüngung des Programms finde ich gut, Abende für zahlungskräftige Silverager jedoch genauso wichtig. Das kulturelle und wirtschaftliche Gewicht des ZMF sollte der Öffentlichen Hand insgesamt mehr Wert sein als nur 2,5 Prozent des Gesamtetats."



Carolin Jenkner, CDU-Fraktionsvorsitzende

"Das ZMF ist Kult und bei den Freiburgern nach wie vor sehr beliebt. Das Team um Marc Oßwald stellt jedes Jahr ein tolles Programm zusammen. Mich persönlich erreichten hauptsächlich positive Rückmeldungen. Von außen erscheint es daher schwer,Tipps zu geben, da nicht so direkt ersichtlich wird, woran es hapert. Vielleicht ist es hilfreich mit ein paar großen Namen, die "kleineren" und lokalen Künstler, die ja das Herz des ZMF sind, noch stärker quer zu finanzieren oder auch musikalisch noch stärker die jüngere Generation anzusprechen, um hier eine neue Zielgruppe aufzubauen."



Markus Schillberg, IG-Subkultur

"Grundsätzlich war das Image des ZMF immer eines, welches leider nicht alle Szenen und Kulturen in Freiburg gleichermaßen angesprochen hat. Trotz der ersten Anläufe hinzu einer Öffnung in den Bereich elektronische Musik dieses Jahr, welche wir sehr begrüßt haben, hatte man den Eindruck, dass sich das Angebot weiterhin mehrheitlich an ein "bürgerlicheres" und tendenziell doch eher kaufkräftigeres Publikum richtete. Familienfreundlichkeit steht gefühlt an oberster Stelle – was per se nichts Schlechtes ist, aber es wird Zeit brauchen, um diesen Anspruch mit jenen einer nicht nur jugendlichen Nachtkultur unter einen Hut zu bekommen. Eine weitere Öffnung in diese Richtung wäre aus unserer Sicht ganz klar begrüßenswert, jedoch glauben wir nicht, dass eine mögliche Kooperation allzu viel zur wirtschaftlichen Erholung des ZMF beitragen kann – allein schon, weil wir in unserem Selbstverständnis Clubkultur als unkommerzielle Form der gesellschaftlichen Teilhabe verstehen."



Julia Söhne, Fraktionsvorsitzende SPD/Kulturliste Freiburg

"Das ZMF gehört zu Freiburg und muss als ältestes Zeltfestival Europas unbedingt erhalten bleiben. Ich gehe super gerne mit meinen Freunden zum Essen und gemütlichen Beisammensitzen aufs ZMF und finde das musikalische Angebot in seiner Vielfalt sehr attraktiv. Ich hoffe, dass durch eine räumliche Erweiterung und notfalls auch durch eine zeitliche Straffung, das ZMF mit seiner einmaligen besonderen Identität so erhalten bleiben kann und nicht weiter kommerzialisiert oder am musikalischen Angebot gespart werden muss."



Lucky Booking, Konzertveranstalter

"Man könnte versuchen durch stärkere Einbeziehung und Vernetzung weitere kleinere, aber dennoch ambitionierte lokale Veranstalter*innen ins Boot zu holen, gerade für die Programmgestaltung der kleinen Bühnen beispielsweise, und so einen (sub-)kulturellen Mehrwert schaffen, den das ZMF bisher eher vermissen lässt. Eine weitere Möglichkeit wäre eine stärkere Einbeziehung von lokalen Promotionsmöglichkeiten, zum Beispiel Flight 13 oder CDC als Plattenläden mit einzubeziehen, um bei relevanten Konzerten einen Stand vor Ort zu haben und im Gegenzug ihre Kanäle (gezielter) für Werbung zu nutzen."

Atai Keller, Stadtrat der Kulturliste Freiburg

"Als Kulturpolitiker frage ich mich, ob die städtische Investition in das ZMF noch zeitgemäß ist, ob die Wirtschaftsförderung nicht der bessere Ansprechpartner wäre und ob das ZMF nicht einer größeren Runderneuerung bedarf. Kulturkonzepte verändern sich, das Publikumsverhalten ist nicht mehr einzuschätzen, städtische neue Baugebiete werden ausgewiesen, – warum nicht das ZMF in kleinen Teilen auch wieder in die Stadt oder in die Stadtteile zurück nah am Himmelszelt. Auf jeden Fall muss die Zukunft des ZMF in eine größere Debatte über die Musikstadt Freiburg eingebettet werden. Die Stadt sollte auf Großkonzerte nicht verzichten, neue Strömungen aufspüren, gleichzeitig die lokale Szene endlich fördern, – welche Rolle könnte da einem neuen ZMF zufallen? ZMF2025"



Gregor Mohlberg, Stadtrat Linke Liste

"Das ZMF ist konzeptionell im Prinzip gut aufgestellt. Der Ort stimmt, die verkehrliche Anbindung ist gut und auch die kulturelle Breite. Das ZMF leidet vor allem am Klima und im weiteren Preissteigerungen für Essen und Getränke. Meines Erachtens sollte man den Zeitpunkt etwas früher legen, für Groß-Acts gegebenenfalls auf ein Zelt verzichten, für mehr Schatten auf dem Gelände sorgen, lokale Künstler*innen noch besser einbinden und auch nichtkommerzielle Anbieter*innen von kreativem Essen einladen."



Sergio Schmidt, Stadtrat Junges Freiburg

"Das ZMF ist für mich ein Event, mit dem ich aufgewachsen bin. Das ZMF zeichnet sich dadurch aus, dass das Festivalgelände für jeden offen ist und man keinen Eintritt zahlen muss, um das ZMF zu erleben. Das macht es auch Jugendlichen und Kindern möglich, ein Musikfestival zu besuchen ohne an Eintritt oder Alterskontrollen zu scheitern. Das ZMF ist für alle Generationen und Altersgruppen. Ich bin aber nur einmal bisher in das Konzertzelt gegangen. Obwohl die Acts mich sehr ansprechen sind die Ticketpreise leider oft deutlich über den normalen Tourpreisen der Künstler. Dazu kommt, dass Künstler in Kombitickets gepackt werden, die unterschiedliche Hörer ansprechen. Mine hätte allein auftreten sollen, nicht mit Sophie Hunger zusammen. Ich glaube auch Umse und Käptn Peng haben unterschiedliche Fans. Man kann von einem Festival mit so viel kostenlosem Kulturprogramm nicht erwarten, dass es sich selbst finanziert. Das ZMF hat Kultstatus und ich wünsche mir, dass es über Sponsoren oder notfalls mehr städtischer Förderung unterstützt werden kann, damit es seinen Charakter nicht verliert."