Was nun, Squadra Azzurra?

David Weigend

Wie haben Freiburgs Italiener das gestrige Debakel gegen die Niederlande erlebt? Welche Chancen räumen sie ihrem Team noch ein? Vier Statements, von denen das von Domenico Vela vielleicht das fachkundigste ist - er hat den Kick live in Bern gesehen. Zum Schluß trafen wir noch andere Besucher des Wankdorfstadions. Die waren aber orange.



Luigi Bellanea, Eiscafé Venezia am Kartoffelmarkt

...kommt aus Lecce, ist Fan von Juventus Turin und trägt heute irgendwie die falsche Farbe


"Ich habe das Spiel gestern zu Hause geschaut, mit meiner Freundin. Die Niederländer haben gut gespielt und verdient gewonnen. Der beste Italiener war Luca Toni. Kein Italiener hat schlecht gespielt! Ich bin sicher, dass wir weiterkommen. Das nächste Spiel gegen Rumänien schaue ich hier am Kartoffelmarkt."



Domenico Vela, Inhaber von "Feinkost La Pasta Mia" in der Fischerau

...kommt aus Cosenza, ist wieder Juventusfan und war gestern in Bern im Stadion

"Was soll ich sagen. Es war ein enttäuschendes Spiel. Man hat von Anfang an gemerkt, dass die Mannschaft hinten nicht gut stand. Das Problem war die schlechte Organisation der Abwehr. Das hat unser Trainer erst ungefähr in der 60. Minute gemerkt, natürlich viel zu spät. Cassano hätte man früher bringen müssen. Der Druck unserer Mannschaft ist zu spät gekommen. Glück hatten wir auch keines. Dass van der Sar so stark war, hat mich überrascht. Ich habe ihn zwei Jahre lang bei Juventus erlebt, da war er eine Katastrophe.

Es gab keinen niederländischen Fan ohne orangenes Trikot. Es waren zwar mehr italienische Fans im Stadion, aber viele von uns trugen Zivil. Die Niederländer haben ja keine Fasnacht, aber wenn die Oranjes spielen, hauen sie auf die Pauke. Es war alles friedlich nach dem Spiel. Wir sind mit hängenden Köpfen nach Hause gegangen. Ich habe mich noch mit ein paar Fans unterhalten, die extra aus Bari gekommen sind. Sie haben mir erzählt, wie schwierig es war, die Karte zu kriegen. Wir hätten unsere Karten gestern locker für 400, 500 Euro verkaufen können. Viele Leute vor dem Stadion hatten keine Karte. Nun ja, ich hatte das Glück, dabeigewesen zu sein. Es war nicht das erste Mal. Ich war lange Zeit Schiedsrichter in der italienischen Profiliga. Die nächsten Spiele schaue ich mit Freunden zu Hause."



Toni Torano von Ristorante Roma in der Kajo

...kommt aus Lecce und ist Juventusfan.

"Das Spiel habe ich gestern zu Hause gesehen, mit meiner Frau. Hier in der Pizzeria haben wir kein Public Viewing. Ich habe nicht damit gerechnet, dass Italien verliert. Der Kick war grottenschlecht. Ich hoffe, dass wir dennoch weiterkommen. Aber es wird schwer. Besonders gegen Frankreich."



Giovanni Bevilacqua, Inhaber von Ristorante Bürgerstube, Bella Italia und Bar Michelangelo

...kommt aus Crotone, ist Anhänger von Inter Mailand und garniert seine Spaghetti in den nächsten Wochen ausschließlich mit brutalst zerhäckseltem Gouda

"Alora, die Analyse. Die Mannschaft ist gestern auf den Platz gegangen mit der Einstellung: wir sind der Weltmeister. Nach und nach haben sie kapiert, dass die Niederländer stärker sind. Aber da stand es schon 0:2. In der zweiten Halbzeit haben sie versucht, das Spiel wieder an sich zu reißen. Aber van der Sar war überragend und Toni hat einen Fehler gemacht.

Die gesamte Mannschaft hat letztlich versagt, besonders das Mittelfeld. Pirlo war geistig nicht anwesend, diesen Ambrosini habe ich nicht mal gekannt, Gattuso war ein Totalausfall.

Das dritte Gegentor ging hervor aus einem Konter, den du dir normalerweise in der E-Jugend einfängst.

Ich finde es gut, dass dieses Desaster im ersten Spiel passiert ist. Jetzt wissen wir, wo wir stehen. Andererseits muss man sagen: so, wie die Niederländer gestern gespielt haben, hätten sie jeden Gegner aus dem Turnier geschlagen. Ich bin der Meinung, dass Italien noch in der Lage ist, den Hebel umzulegen. Bei mir in der Bar haben etwa 150 Leute geschaut, es war voll bis zum Bürgersteig."

...und so sehen Sieger aus:



Zufriedene, aber erschöpfte Heeren van Oranje ruhen sich in der Freiburger Altstadt vom Jubeln aus. Glückwunsch, Oranjes!