Was Neues auf die Ohren

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, was der Cocktailparty-Effekt ist? Eine Party, gute Getränke, angenehme Musik und viele quatschende Leute. Die erzeugen in ihrer Menge eine Lautstärke, dass man eigentlich sein Gegenüber ab einem Meter Entfernung nicht mehr verstehen können dürfte. Doch zum Glück ist dem Menschen für seine Kommunikation noch eine sehr gut funktionierende Software eingepflanzt, wodurch man die gewünschte Stimme aus dem Gewirr heraushören kann.

Bei einer Menschenansammlung auf engem Raum müsste eigentlich ein undefinierbarer Brei aus Gesprächsfetzen bei uns ankommen. Jedes normale Mikrophon jedenfalls würde genau dies aufzeichnen. Aber zwischen der rein akkustischen Wahrnehmung des Schalls und dem Verstehen des Gesagten realisiert das Gehirn ein paar faszinierende und größtenteils bisher unerklärete Vorgänge.


Zunächst können wir mit unserem natürlichen Hörapparat ziemlich genau feststellen, woher ein Geräusch kommt. Mit dieser blitzschnell zur Verfügung stehenden Information kann das Gehirn – mit ein bisschen Konzentration – das eigentlich faszinierende vollführen: Sämtliche Schallquellen außer dem Gesprächspartner werden heruntergeregelt; in der Wahrnehmung sind alle anderen Geräusche bis zu dreimal leiser. Wie das genau vor sich geht, ist nicht gänzlich geklärt, obwohl sich vor allem Hörgerätehersteller sehr dafür sehr interessieren.

Dieser Cocktailparty-Effekt funktioniert nur bei Menschen, die zwei gleich gut funktionierende Ohren haben. Hängt an einem ein Hörgerät, klappt das Ausblenden nicht mehr. Es ist zwar mathematisch nachvollziehbar, wie das Hirn die anderen Schwingungen herausrechnet, aber der bislang beste Computer der Welt, das menschliche Gehirn, nutzt auch noch andere Informationen, um sich auf genau diese eine Stimme zu konzentrieren.

Wir haben nämlich gelernt, menschliche Stimmen von allen anderen Geräuschen, wie etwa Gläserklirren, zu unterscheiden und sie herauszuhören. Außerdem kommen noch die Augen zur Hilfe, die genau beobachten, wie sich die Lippen formen. Daraus ergibt sich eine ziemlich sichere Erwartung, welcher Laut gerade aus diesem Mund kommt. Der Cocktailparty-Effekt lässt sich mit ein bisschen Training sogar auf ein paar Meter Entfernung ausbauen; genau das richtige für Spione und solche, die es werden wollen.



Mehr dazu:

Warum wir zwei Ohren haben