Talk mit Theos

Was man mit katholischer Theologie macht, wenn man nicht Priester werden will

Lisa Petrich

Einer hat eine Partnerin, die andere geht jeden Sonntag in die Kirche: Theologie-Studierende müssen nicht jedem Klischee entsprechen. fudder hat mit drei Freiburger Theologie-Studierenden über Klischees, Kirchenkritik und das Zölibat gesprochen.

"Du studierst Theologie? Wirst du jetzt Priester, oder was?" – solche Fragen müssen sich Studierende der Katholischen Theologie oft anhören. Drei Freiburger Theologie-Studierende verraten, warum sie keine Priester werden wollen und was sie vom Zölibat und der katholischen Kirche halten.


Die Freiburger Theologiestudentin Larissa Störk trifft oft auf Unverständnis, wenn sie von ihrem Studiengang erzählt: "Was willst du als Frau in der katholischen Kirche? Du darfst nicht Priesterin werden!" Reaktionen wie diese ist die 24-Jährige gewohnt. Dabei bedeutet Theologiestudium nicht automatisch Priesterweihe. "Es gibt als Frau auch andere Möglichkeiten, in der katholischen Kirche zu arbeiten, zum Beispiel als Pastoralreferentin", erklärt Larissa, "aber das kennen die meisten Leute nicht. Da muss ich erst erklären, dass das ähnlich wie Gemeindereferent ist."

"Die meisten denken, dass man mit Katholischer Theologie zwangsläufig Priester wird oder irgendwie in der Kirche arbeitet." Tobias Burget

Auch ihre beiden Kommilitonen Tobias Burget (23) und Toni Kostic (24) kennen die Frage, ob sie Priester werden wollen, nur zu gut. "Bei mir kommt die Frage eigentlich immer. Vor allem von Leuten, die mich nicht gut kennen, aber auch von anderen, die sogar wissen, dass ich eine Freundin habe", sagt Tobias. "Die meisten denken, dass man mit Katholischer Theologie zwangsläufig Priester wird oder irgendwie in der Kirche arbeitet."

Und nicht nur das: Über Theologie-Studierende gibt es einige Vorurteile. "Ein typisches Klischee über uns ist, dass wir uns jeden Sonntag in die Kirche hocken. Das trifft bei mir zum Beispiel überhaupt nicht zu, bei Larissa allerdings schon", sagt Toni, der wie seine beiden Kommilitonen im zehnten Fachsemester studiert.

Für die drei ist Theologie ein Berührungspunkt zum Leben

"Uns erkennt man oft an einem Kreuz als Halskette, und viele Mädels haben wie ich kurze Haare und sind eher lässig gekleidet", erklärt Larissa. Sie hat letztes Jahr ein Auslandssemester in Rom an der Päpstlichen Universität verbracht und wurde dort von einer Freundin als "typische Theologiestudentin" bezeichnet.

Tobias hingegen sieht sich gar nicht im Klischee vertreten. "Aber es gibt natürlich schon die klassischen Theo-Studis, die in der katholischen Kirche aufwachsen, immer zum Gottesdienst gehen und beten", erzählt er.

Eines haben scheinbar alle Theologie-Studis gemeinsam: den Bezug zu Religion und Glaube. Und das mache sie zu Gleichgesinnten, sagt Larissa. "Ich würde behaupten, dass jeder von uns Theologiestudierenden das Fach aus Überzeugung gewählt hat, sonst studiert man Theologie nicht bis zum Ende. Der Studiengang ist also für fast alle auch ein Berührungspunkt zum eigenen Leben", erklärt sie. Fast alle ihre Kommilitonen waren schon als Ministrant oder in der katholischen Jugendarbeit tätig und sind dadurch mit der katholischen Kirche vertraut.

Kirchenkritik gehört zum Studium dazu

Trotzdem gibt es einige Theologie-Studierende, die nichts mit Kirche zu tun haben wollen, aber trotzdem einen Bezug zu Gott und Religion haben, ergänzt Larissa. Toni beispielsweise sieht einige Probleme. "Ich kann mich mit einigen Strukturen der katholischen Kirche nicht wirklich anfreunden", sagt der 23-Jährige, "beispielsweise, dass nur zölibatär lebende Männer geweiht werden dürfen, oder dass das Priesterbild mit einem so hohen Status aufgeladen ist." Deshalb, und weil er liiert ist, möchte er auf keinen Fall Priester werden.

"Ich habe auch eigentlich kein Problem damit, dass nur Männer Priester werden können." Larissa Störk
Auch Larissa würde, selbst wenn sie könnte, keine Priesterin werden wollen. "Ich habe auch eigentlich kein Problem damit, dass nur Männer Priester werden können. Aber auch nur, weil es von Gewohnheit ist. Es wäre für mich einfach ein ungewohntes Bild, eine Frau am Altar zu sehen", sagt sie. Trotzdem findet die Freiburgerin, dass nicht alles in der katholischen Kirche korrekt läuft: "Zum Beispiel die Begründung der Kirche für das Zölibat kann ich nur schwer nachvollziehen."

Tobias sieht das etwas kritischer als seine Kommilitonin und findet die Situation, dass Frauen keine Priesterinnen werden dürfen, ungerecht. Dennoch glaubt er nicht daran, dass sich in nächster Zeit etwas daran ändern könnte: "Man muss im Blick behalten, dass die katholische Kirche eine Weltkirche ist und dass eine Änderung auf Weltebene deutlich schwerer umzusetzen wäre, weil andere Länder beim Thema Emanzipation der Frauen noch lange nicht so weit sind wie Deutschland", sagt der 24-Jährige.

Missbrauch in der Kirche wird nicht totgeschwiegen

Alles zu hinterfragen, lernen die Theologie-Studis bereits im Studium in Freiburg. Larissa hat vor allem bei ihrem Auslandssemester in Rom, wo der katholischen Kirche nie etwas Negatives zugesprochen wurde, bemerkt, wie viel Kirchen-Kritik im Freiburger Theologiestudium zur Sprache kommt: "Hier betrachten wir Kirche viel realistischer. Kein Dozent würde behaupten, dass in der katholischen Kirche alles gut wäre."

Das bestätigt auch Tobias: "An der Freiburger Uni werden auch Punkte angesprochen, die einfach gar nicht in Ordnung sind. Missbrauch wird überhaupt nicht totgeschwiegen, im Gegenteil: Es wird ganz klar vermittelt, dass es da konkrete Maßnahmen braucht." Auch das Festhalten an Dogmen und päpstlichen Aussagen, wie beispielsweise zu Homosexualität oder dem Zölibat, würde sehr kritisch hinterfragt werden.

"Theologie studiere ich einfach aus Interesse, weil es mich irgendwie angeht." Toni Kostic
Für Toni ist das Studium trotz allem zu kirchennah. Seiner Meinung nach wäre ein zusätzliches Seminar wie Religionspsychologie interessanter. Später möchte er auch nicht wie seine beiden Kommilitonen bei der Kirche arbeiten, sondern sich lieber im Verlags- und Redaktionswesen ausprobieren. Auch Personalwesen oder Unternehmensberatung fände er spannend. Das Studium der katholischen Theologie ist für ihn dabei trotzdem, genau wie für Larissa und Tobias, eine Herzensangelegenheit: "Theologie studiere ich einfach aus Interesse, weil es mich irgendwie angeht."

Mehr zum Thema: