Was man in einer Stunde lernen kann: Klettern

Dana Ghafoor-Zadeh

Klettern ist seit einigen Jahren eine Trendsportart - einmal wie Spiderman die Wände hinaufklettern und dabei noch eine gute Figur zu machen! Kann man Klettern in einer Stunde lernen? Dana hat für fudder den Selbstverusch im Freiburger Klettercenter Eigernord gewagt. Ob sie die Kletterwand hochgekommen ist:

Ein gnadenloser Schweißfußgeruch schlägt mir beim Betreten des Klettercenter Eigernord bentgegen. Ich fühle mich in meine Grundschul-Sportunterrichtzeit zurückversetzt. Als ich mich dann selbst in die Kletterschuhe quetsche und den Klettergurt festziehe, erklärt mir Jochen Vetter vom Klettercenter alle wichtigen Bestandteile der Ausrüstung - und die schlechte Luft ist schnell Nebensache. Konzentriert versuche ich zu folgen, um nicht irgendetwas besonders Wichtiges zu verpassen. Sportklettern ist eine Risikosportart. Ein bisschen mulmig ist mir schon, als ich die Wand sehe, die ich hinaufklettern soll.


Zuerst erklärt mir Jochen das Absichern und zeigt mir, wie das Toprope-Klettern funktioniert. Charakteristisch für das Toprope-Klettern ist das Seil, das von der Decke kommt. An diesem Seil werde ich gesichert. Die eine Seite ist an meinem Klettergurt mit einem Achterknoten befestigt, die andere Seite an Jochens Sicherungsgerät. Mithilfe dieses Geräts kontrolliert er mich die ganze Zeit. Nachdem ich selbst den Achterknoten gelernt und getestet habe, fühle ich mich schon ein bisschen sicherer.

Trotzdem stehe ich noch immer vor dieser 15 Meter hohen Wand. Scheinbar wahllos sind daran bunte Griffe angebracht. Dahinter stecken jedoch feste Routen. Ich werde heute Schwierigkeitsgrad drei und vier minus probieren. Für Sportkletterrer ist das ziemlich einfach, der höchste Schwierigkeitsgrad ist zwölf. Für mich ist es eine Herausforderung.

Als ich mich endlich hinaufwage, merke ich, dass mir die Höhe weniger ausmacht, als gedacht. Die Griffe sind meistens mit wenig Kraftaufwand gut zu erreichen. Als ich auf halber Strecke nicht mehr weiß, wie ich den nächsten Griff erreichen soll, weil mein linkes Bein dem rechten im Weg steht, erklärt mir Jochen, dass ich doch bitte mein rechtes Bein nach links drehen solle. Nach einigen Rechts- und Linksmissverständnissen, gelingt mir schließlich das eingedrehte Klettern. Ich schaffe es sogar bis ganz oben und kann die Glocke läuten. Ein triumphales Jubeln, das sich in meiner Kehle breitmacht, unterdrücke ich allerdings. Das erscheint mir doch ein bisschen übertrieben.

Außerdem geht mein nächster Blick nach unten. Nach Jubeln ist mir da nicht mehr zu Mute. Es kostet mich einige Überwindung, mich in den Klettergurt zu setzen und die Beine an die Wand zu stellen. In dieser Position bin ich machtlos und muss mich ganz auf meinen Sicherer verlassen. Aber bei Jochen brauche ich mir keine Gedanken zu machen. Er ist immer konzentriert wenn er klettert und sichert. Als er “ab” ruft und ich die Wand langsam hintunterlaufe, werde ich mit einem freundlichen Handschlag begrüßt. Ich bin die Tour Rotpunkt geklettert, das heißt fehlerfrei, ohne Sturz und ohne Ausruhen. Ein bisschen stolz darf ich da schon sein.



Auf meiner nächsten Route lerne ich in Verschneidung zu klettern. Jochen sagt, ich solle spreizen und stützen. Ich klettere jetzt an der Ecke zwischen zwei Wänden. Die Technik ist ein bisschen anspruchsvoller, aber kräftesparender als beim Klettern an nur einer steilen Wand. Abwechselnd arbeiten linker Arm und rechtes Bein und rechter Arm und linkes Bein zusammen. Als meine Hände langsam etwas verschwitzt sind, greife ich in meinen Chalkbag, den ich über dem Klettergurt befestigt habe. Das Magnesium darin macht die Hände wieder trocken, damit ich nicht abrutsche.

Nach drei Runden sind meine Handflächen warm und ich spüre, dass meine Arme schwer werden. Jochen zeigt mir die Boulderwand, die zunächst keinen großen Eindruck auf mich macht. Sie ist nicht halb so hoch wie die Kletterwand, die ich soeben erklettert habe und darunter liegen Weichbodenmatten. Ich lege meinen Klettergurt ab und möchte selbst an die Wand. Als ich die von Jochen vorgeschlagene Tour beginne zu bouldern, sehe ich schnell ein, dass das nicht halb so leicht ist, wie es aussieht. Kurz vor dem Ziel, als ich mich über die obere Kante ziehen will, geben meine Kräfte nach und ich stürze in die Untiefen des Klettercenters. Wie gut, dass die Wand höchstens zwei Meter hoch ist und die wunderbar blaue Weichbodenmatte mich empfängt.

Nach meinem Scheitern beim ersten Boulder-Versuch beschließe ich, erst einmal mein Toprope-Kletter-vermögen auszubauen. Nach dieser Stunde bin ich richtig heiß auf höhere Wände, steilere Wände und noch quetschigere Schuhe. Meine Hände kribbeln und der Muskelkater in meinen Schulterblättern heult auf, als ich das letzte Mal für heute die Glocke ganz oben läute. Aber diesen Beweis meiner Anstrengung nehme ich mit Freuden entgegen.

 

fudder-Selbstversuch: Sportklettern in einer Stunde lernen



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