Was man in einer Stunde lernen kann: Golf spielen

Jenny Tecklenborg

Abschlagen wie Paula Creamer oder Tiger Woods: fudder-Autorin Jenny Tecklenborg wollte schon immer einmal ein Green betreten und Golf spielen. Das hat sie auf dem Golf Campus Schlatt bei Bad Krozingen getan. Dort darf jeder gegen eine Gebühr spielen - auch ohne Platzreife. Wie's war:



Po raus, gerader Rücken, Knie leicht gebeugt. Ich hole aus und schwinge den Schläger nach hinten. Ich ziehe ihn wieder nach vorne und... Ups! Ich habe den Ball nicht ansatzweise getroffen. Nicht einmal den Boden habe ich berührt, sondern einfach nur den Schläger durchgezogen. Peinlich!


"Dir muss das nicht peinlich sein. Ich habe wirklich schon alles gesehen", sagt mein Trainer Markus und lacht. Er versucht, mich zu ermutigen. So ganz habe ich nämlich noch nicht verstanden, was an der Sportart Golf Spaß machen soll. Wirklich bewegen tut man sich nicht. Die Leute laufen alle schickimicki auf dem Platz herum, und bescheuert aussehen tut man auch, während man versucht, den Ball zu treffen. Dieses Vorurteil habe ich im Kopf.

Zugeben muss ich: Es sieht beeindruckend aus, wenn die anderen, die mit mir auf dem Golf Campus Schlatt stehen, den Ball perfekt treffen und er gefühlt meilenweit fliegt. Das sieht so einfach aus! Ich will das jetzt auch können. Aufgeben ist also nicht drin!

Ohne Schwung geht nichts

Markus erklärt mir, dass der Schwung eine wichtige Rolle spielt. Kraft benötigt man gar nicht so viel. Vielmehr kommt es darauf an, den Ball optimal zu treffen. Nicht auf den Ball einschlagen, sondern ihn mit Schwung von hinten mitzunehmen. Ganz so, als wolle man einen gedeckten Tisch mit Glasporzellan komplett abräumen und zerstören. Nochmal zum Mitschreiben: Voll durchziehen, die Bewegung nicht abrupt stoppen, die Arme ausschwingen und über die linke Schulter gleiten lassen. In meinem Fall ist das die linke Schulter. In dem Moment, in dem man den Ball trifft, soll man sein Gewicht auf den linken Fuß (wenn man auf der rechten Seite spielt) verlagern. Außerdem verläuft die Bewegung auch aus der Schulter heraus.



Und tatsächlich. Bei den nächsten Bällen, die ich auf die kleine Erhöhung, dem sogenannten “Tee” lege, berührt mein Schläger sogar den Ball. Nach ein paar weiteren Schlägen treffe ich mit meinem 8er-Eisenschläger den Ball. Perfekt! Ich hole aus, ziehe durch und er fliegt in einem schönen Bogen. Jetzt habe ich verstanden, wieso das Golfen so viele Menschen mitreißt und begeistert. Euphorisch schlage ich Ball um Ball. Ball um Ball treffe ich weiter! Wow, das ist wirklich ein tolles Gefühl. Danach wechsle ich den Schläger. Der Neue sieht wirklich komisch aus. Er ist leichter, etwas länger und hat einen klobigen Ballen am Ende. Ein "Holz"-Schläger. Aha.

Eisen, Hybrid oder Holz

Es gibt verschiedene Schläger: Eisen, Holz, Putter, Hybrid, oder Wedges. Da jeder Golfplatz anders beschaffen ist, muss man den Ball auch dementsprechend steiler, flacher oder länger schlagen, um den Ball in das Loch zu befördern. Dazu gibt es unterschiedliche Schläger, die jeweils verschiedene Winkel und Längen haben.
Das Gute an den unterschiedlichen Schlägern ist, dass man seine Bewegung nicht verändern muss, sondern einfach einen anderen Schläger benutzt und dem gewohnten Bewegungsablauf treu bleiben kann.

Das ist dann aber auch alles, was ich verstanden habe. Bei welcher Situation man welchen Schläger benutzen muss, ist mir noch schleierhaft. Ich spiele lieber wieder mit meinem 8er Eisen, an das ich mich bereits gewöhnt habe.
Der Golf Campus, 2001 von Sigrun und Georg Rhino eröffnet, befindet sich im Bad Krozinger Ortsteil Schlatt. Er liegt zwischen Feldern mit Blick auf den Belchen und die Vogesen. Es ist kein Verein oder Club. Hier kann man schlichtweg "einfach und unkompliziert" Golf spielen, wie Markus sagt. Der Golf Campus hat keine permanente Stammkundschaft. Immer wieder lassen sich neue Gesichter auf dem Platz blicken, Jung und Alt mit großem und kleinem Geldbeutel. Die Liebe zum Golfspiel steht im Mittelpunkt.



Normalerweise verfügen Golfplätze über 18 Löcher, das entspricht den internationalen Standards. In Schlatt gibt es jedoch nur 6 Löcher. Seine Platzreife kann man hier also nicht verbessern. Die Betreiber legen Wert darauf, dass der Platz als Übungsanlage genutzt wird und der Spaß im Vordergrund steht. Das Konzept geht auf. Spielen kann man schon ab 8,90 Euro. Wer spielen möchte, braucht sich nicht anzumelden. Leihschläger stehen kostenfrei zur Verfügung.

In Städten wie München, Berlin oder Hamburg gibt es oft Golfplätze wie diesen - in der Region um Freiburg ist der Golf Campus bei Schlatt ein kleiner Exot. In der öffentlichen Wahrnehmung führt der Golfsport in Deutschland immer noch ein Nischendasein. Doch ein paar Bälle am Rangefee abschlagen, baut nicht nur Stress ab und macht Spaß. Man spürt am darauffolgenden Tag tatsächlich die Bewegungen in seinen Muskeln. Golfen hat sich demnach als Sportart bewiesen. Ich werde auf alle Fälle wieder kommen und ein paar Bälle schlagen. Daumen hoch!

Mehr dazu:

Was: Golf Campus Schlatt
Öffnungszeiten: 15. März – 31. Oktober, täglich von 9 Uhr bis Sonnenuntergang
Wo: Bremgartener Str. 30, 
79189 Bad Krozingen
[Fotos: Privat]