Was man in einer Stunde lernen kann: Fechten mit dem Florett

Alexandra Riffel

Fechten wie d'Artagnan: fudder-Autorin Alexandra Riffel wollte sich schon immer einmal mit dem Florett duellieren. Bei der FT 1844 hat sie nun eine Stunde Fechtunterricht genommen. Wie's war:



Ich stehe mit verkrampften Schultern in einer muffigen Turnhalle in der Reinhold-Schneider-Grundschule und fechte gegen eine Turnmatte. Wieso ich das mache? Fechten war schon immer ein Traum von mir, denn wer möchte nicht wie d’Artagnan von den 3 Musketieren das Florett schwingen, der, beziehungsweise die Gute sein, und gegen das Böse kämpfen?


Statt wie d’Artagnan gegen den Herzog von Buckingham zu kämpfen, ist mein Gegner erstmal eine stinkende Turnmatte - aber das ist immerhin ein Anfang. Mein Fechtmeister Tamâz Berczeledi bringt währenddessen fünf kleinen Jungen Konzentrationsübungen und Parierarten bei, die französische Namen haben und ziemlich kompliziert aussehen.

Tamâz ist eigentlich Ukrainer und außerdem ein ziemlicher Gentleman. Es widerstrebt ihm, mit einer Frau zu kämpfen und er hat mich ziemlich skeptisch angeschaut, als ich ihm meinem Wunsch vorgetragen habe. Doch dann macht er mit und beginnt mir erst einmal verschiedene Waffen zu erklären.

Drei verschiedene gibt es beim Fechten: Florett, Säbel und Degen. Der Säbel ist eine klassische Männerwaffe und, wie Tamâz sagt, hätte ich vor 100 Jahren keine Chance gehabt ihn überhaupt in die Hand zu nehmen. Frauen durften das damals nicht. Dazu ist er eine Hieb- und Stoßwaffe. Angriffsfläche ist der Oberkörper: Bauch, Brust, Arme und Kopf.

Mit dem Säbel lernen die Jungen fechten, die aber gerade lieber Fußball spielen wollen. Dürfen sie allerdings nicht, denn Tamâz ist sehr streng und verlangt Disziplin.

Degenfechten wird im FT 1844 nicht gelehrt, aber auch der Degen ist eine Stoßwaffe, man darf überall hinzielen. Es gibt fast keine Regeln. Dies steht ganz im Gegensatz zum Florett: Der ist zwar auch eine Stoßwaffe, aber es gibt strengere Konventionen als bei den beiden anderen Disziplinen.

Ich will heute das Fechten mit dem Florett lernen. Für eine Kampfsportart sieht das Florettfechten ziemlich ästhetisch aus: Die Körperhaltung ist grazil und die Fechtsprache französisch, was mich beides sehr an Ballett erinnert. Die Position ist sehr wichtig und das besondere ist, dass das Fechten mit dem Florett technisch sehr anspruchsvoll ist. "Technikspezifisch", nennt Tamâz das.

Als ich es ausprobiere, ist mir klar, was mit dem Begriff gemeint ist: Arme und Beine arbeiten unabhängig voneinander und deswegen kommt man schnell mit den Bewegungen durcheinander. Es sind auch keine natürlichen Bewegungen, sondern fühlt sich sehr gestellt und tänzerisch an. Auch die Schrittabfolgen vom Zurückweichen und Zustechen sind ballettähnlich und ich brauche eine Weile, bis ich sie beherrsche.Die Haltung macht einen großen Teil aus. Es ist ziemlich ungewöhnlich, die ganze Zeit die Arme erhoben zu haben; meine Schultern verkrampfen dabei schnell. Auch der Fußabstand, Beinhaltung, der Abstand von Ellenbogen und Hüfte und die Arm- und Rückenhaltung sind sehr streng definiert. Ich merke, dass allein die Basics sehr schwierig sind für einen Anfänger wie mich.

Dann lerne ich die Pariertechniken, vor allem die Fausthaltungen sind schwer: Prim, Second, Terz und Quart mit denen ich schnell mal durcheinander komme. Aber nach einiger Zeit klappt es.Ich bin zwar am Ende der Stunde noch weit entfernt von dem Können eines Musketiers, aber die Basics habe ich gelernt und somit auch einen Einblick in den Sport bekommen.

Mir wird auch klar, warum Fechten in Deutschland gerade immer beliebter wird. Es macht Spaß, fördert Fitness und Gleichgewichtssinn und auch der Wettkampf übt eine gewisse Faszination aus, vor allem weil Fechten eben nicht nur eine Kampfsport ist, sondern auch einem Tanz ähnelt.

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