Was macht man eigentlich als BA-Studentin?

Manuela Hufnagel

Manuela Hufnagel ist 25 und studiert an der Berufsakademie (BA) Ravensburg Medien- und Kommunikationswirtschaft. Als sie uns das erzählt hat, haben wir genickt. Das Nicken der Halbwissenden. Deshalb erklärt sie uns jetzt genau, was ein BA-Studium ist und welche Vorteile die Kombi aus Arbeit und Studium gegenüber einem Uni- oder FH-Studium hat.



Ausbildung

Erstmal die Fakten: Ein BA- Studium besticht vor allem durch seine starke Praxisorientierung. Man immatrikuliert sich nicht direkt bei der Universität, sondern bewirbt sich bei einem Unternehmen. Wird man dort eingestellt und kann das Abitur nachweisen, studiert man drei Jahre lang an der BA. In sechs Semestern zum Diplom (BA) beziehungsweise seit Studienbeginn 2006 zum Bachelor (BA).


Das Interessante an dieser Studienart ist der ständige Wechsel zwischen Unternehmen und Berufsakademie. Ein Semester besteht aus einer dreimonatigen Theoriephase an der BA und einer ebenso langen Praxisphase im Betrieb. Semesterferien gibt es nicht. Urlaub nimmt man nur während der Phasen in der Firma, meist fünf bis sechs Wochen im Jahr. In der Regel erhält man während der gesamten Ausbildung, also auch wenn man gerade an der BA studiert, eine Ausbildungsvergütung, deren Höhe von Betrieb zu Betrieb variiert. Meist sind die BA- Studiengänge in den Bereichen Wirtschaft und im Ingenieurwesen angesiedelt, aber auch Studiengänge im Sozialwesen sind zu finden.

Berufsakademieabsolventen werden zumeist wie Absolventen der Fachhochschulen behandelt.

Campus & Vorlesung

Das Campusleben und die Lernsituation an einer BA unterscheidet sich deutlich vom Studium an einer Universität.

Als BA’ler ist man fester Bestandteil eines Kurses zusammen mit 20 bis 30 Kommilitonen. Man sitzt nicht in riesigen Hörsälen, sondern in einem Kursraum, der einem klassischen Klassenzimmer ähnelt. Die Vorlesungen sind, je nach Dozent, ähnlich wie in der Schule und werden durch Diskussionsrunden, Gruppenarbeiten und ähnliches bereichert. Sie finden täglich statt, mindestens von 9 bis 16:30 Uhr, manchmal auch bis 19 Uhr, ähnlich einem regulären Arbeitstag. In der Regel besteht Anwesenheitspflicht.



Ob man mit diesen verschulten Unterricht klarkommt, ist eine absolute Typfrage. Den Einen nervt dieses sehr schulähnliche System weil es wenig flexibel ist und man hat zu wenige Freiheiten hat. Für den Anderen ist es eine Rettung, denn Ausflüchte und Verschiebungen gibt es nicht, man kann kein Semester ausfallen lassen oder eine Klausur auf das nächste Semester verlegen.

An der Berufsakademie geht alles starr nach Plan, damit man den Abschluss in drei Jahren schafft.

Meine Entscheidung für die BA

Warum BA? Da ich nach dem Abi zuerst eine Ausbildung zur Verlagskauffrau absolviert hatte, kannte ich das Leben und Arbeiten in einem Unternehmen. Und ich wollte es nicht mehr missen.

Das Arbeiten, etwas erschaffen und bewegen machte mir Spaß, doch da ich unbedingt studieren und mich weiterbilden wollte, fiel mir die Entscheidung für ein BA- Studium, mit der Kombination aus Studium und Arbeiten, nicht schwer. Auch die kurze Studiendauer, die feste Struktur und das regelmäßige Gehalt gefielen mir. Und auch die Jobaussichten sind nicht schlecht: 85% der Absolventen haben nach dem Studium sofort einen Arbeitsplatz, 67 % davon im Ausbildungsbetrieb.



Lernen & Klausuren

Wenn es um Lernpensum und Klausuren geht, jammern alle Studenten, egal wo sie studieren, und das ist bei mir als BA-Studentin nicht anders. Durch die kurze Studiendauer und die Tatsache, dass BA Studiengänge sehr breit gefächert sind, schreibt man in den letzten zwei bis drei Wochen jedes Semesters bis zu dreizehn Klausuren. Und man muss sie alle mitschreiben; das schlaucht ganz schön.



Im 5. Semester kommt noch eine Studienarbeit, im 6. die Bachelorarbeit hinzu. Außerdem schreibt man fast jedes Semester einen Praxisbericht über die Tätigkeiten und Projekte im Betrieb und verknüpft damit die Theorie mit der praktischen Arbeit.

Berufsleben

Semesterferien kennt ein BA- Student nicht. Fliegende Wechsel zwischen BA und Betrieb sind die Regel. Für mich heißt das: Freitags noch die letzte Klausur in Ravensburg, Montagmorgen schon Projektbesprechung mit dem Abteilungsleiter in Freiburg.

Beim Berufsalltag existierten von Student zu Student enorme Unterschiede. In manchen Betrieben ist der BA’ler nur ein besserer Azubi und muss das Tagesgeschäft erlernen und erledigen, in anderen wird er durch Projektarbeit und verantwortungsvolle Aufgaben schon zur Führungspersönlichkeit ausgebildet.

Deshalb sollte man sich sein Ausbildungsbetrieb gründlich aussuchen. In meinem Fall hat die vorige kaufmännische Ausbildung viel bewirkt. Mit diesem Grundwissen kann mich mein Unternehmen bereits sehr breit gefächert einsetzen.

Wohnen & Pendeln

Die Pendelei zwischen BA, Wohnhort, Elternhaus und Unternehmensstandort (dieser kann je nach Größe des Betriebs auch wechseln) kann für manche BA'ler zum puren Stress ausarten. Manche BA-Studenten sind in bis zu 5 Städten zu Hause. Meine Kommilitonin Tina zum Beispiel, studiert an der BA in Ravensburg, ihr Ausbildungsbetrieb ist in Stuttgart, ihre Eltern wohnen in Leipzig, ihr Freund in München. Tina hat schon sämtliche Wohnheime und ICEs von innen gesehen.

Mein Wechsel beschränkt sich zum Glück nur auf Freiburg- Ravensburg. Doch das Wohnen stellt sich für mich auch immer schwierig da. In Ravensburg lebe ich im Studentenwohnheim; dort sind die Dreimonatsphasen der BA-Studenten die Regel und deswegen findet man recht einfach ein Zimmer. Dann muss man sich nur noch um die Untervermietung kümmern.



In Freiburg artet die Zimmersuche oft zum absoluten Stress aus, da die BA- Phasen nicht mit den Semesterzeiten der Uni übereinstimmen und ich nur dann mein Zimmer bezahlen kann und will, wenn ich auch wirklich da bin. Deshalb wohne ich in FR meist auch im Studentenwohnheim. Wenn ich dort keinen Platz bekomme, lebe ich wochenweise bei meinen Eltern in einem Freiburger Vorort. Das heißt auch, dass ich viel zu selten meine eigenen Möbel zu Gesicht bekomme und meist aus dem Koffer lebe.

Deshalb steht schon jetzt fest, was ich mit meinem ersten Gehalt nach dem Studium anstellen werde: Es wird ganz sicher bei dem netten Vermieter einer tollen Wohnung und bei Ikea landen.

Finanzen

Als BA’lerin verdiene ich Geld, egal ob ich gerade im Betrieb oder an der BA bin. Die Ausbildungsvergütung ist von Branche, Betrieb und Vorbildung des BA- Studenten abhängig und variiert zwischen 450 und 850 Euro netto. Das ist definitiv Luxus.

Ich bin sehr froh, dass ich weder auf Bafög angewiesen bin, noch meinen Eltern auf der Tasche liege. Natürlich hat eine BA’lerin auch einiges an Ausgaben: Vom ständigen Umziehen beziehungsweise Pendeln über ein Auto, Notebook, ordentliche Arbeitsklamotten bis hin zu den Studiengebühren, die auch an der BA jedes Semester anfallen.

Party

Ich kann nur für das Party-Leben von Ravensburg sprechen und das ist zwar sehr klein, aber definitiv oho. An großen BA- Standorten wie Stuttgart oder Mannheim kann das natürlich ganz anders laufen.

In den ersten zwei Semestermonaten, bevor sich alle zum Lernen in ihre Zimmer verkriechen, gibt es eigentlich jeden Dienstag und Donnerstag eine BA- Party, die von den Kursen organisiert werden. Da Ravensburg recht klein ist, gibt es eh keine Alternative, also ist das Partyvolk auch meist dort anzutreffen.
Somit kennt man sich und trinkt zusammen. Ergänzt wird das Ganze durch einige Discotheken und WG-Partys.

Meist stehen die Partys unter einem Motto und Studiengänge wie Eventmanagement fühlen sich berufen, besonders kreativ zu werden. Von der Bad Taste Party, der Academy Night mit Abendgarderobenpflicht bis hin zum BA-Ball auf einem Bodenseeschiff reicht das Partyprogramm.



Die Wege sind auch immer schön kurz - in Ravensburg ist alles zu Fuß oder zumindest mit dem Rad zu meistern – das nach Hause kommen, stellt somit auch kein Problem dar. Ich würde also behaupten, partytechnisch hinken die BA’ler Vollzeitstudenten nicht hinterher.

Freunde & Bekannte

Meine Freunde in Freiburg haben sich mit dem Wechsel arrangiert und wie sagt man so schön? Ich bin ja wirklich nicht aus der Welt. Sobald ich wieder da bin, geht es weiter, als wäre nichts gewesen.

Wir haben ja alle Freunde, die aufgrund des Studiums ein paar Autostunden entfernt leben. Wahre Freundschaften halten das aus. In Ravensburg lernt man schnell Menschen kennen. Zuerst einmal den eigenen Kurs, den Jahrgang zuvor und natürlich auch die Leute im Wohnheim. Doch erst in den Praxisphasen zu Hause stellt sich heraus, welche Bekanntschaften zu Freundschaften werden. Zu einigen hält man auch in der Freiburger Phase Kontakt.

Schön ist auch, dass man einiges rumkommt, wenn man die BA- Freunde in ihrer Arbeitsphase besuchen geht. Mich hat es auch schon nach Köln, Bonn, Düsseldorf, Stuttgart und Heilbronn verschlagen. Drei meiner Ravensburger Freunde durfte ich schon meine schöne Heimatstadt zeigen.

Beziehung

Als Ersti bekommt man von den älteren Semestern gerne mal gesagt: „Die BA ist ein absoluter Beziehungskiller“ und das meist aus zwei Gründen: Erstens ist man in den meisten Fällen zu mindestens einer Teilzeit-Fernbeziehung verdammt, und zweitens lernt man auf der BA viele neue Leute kennen, feiert viel und hat plötzlich ein komplett neues Leben.

Naja, sagen wir es einmal so: einfach ist es nicht und ich kenne leider eine Vielzahl von Paaren, die es nicht geschafft haben. Trotzdem kann man das nicht pauschalisieren oder es auf die BA projizieren. Ob eine Beziehung diese Bewährungsprobe übersteht, ist wohl auch eine Typfrage. Ich kenne aber auch einige Paare, die das wunderbar meistern.

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Personalien

Manuela Hufnagel ist 25 Jahre alt und kommt aus Freiburg.

Nach ihrem Abitur 2003 machte sie eine Ausbildung zur Verlagskauffrau. Seit Oktober 2006 studiert sie an der Berufsakademie Ravensburg Medien- und Kommunikationswirtschaft (Bachelor of Arts). Ihr Ausbildungsbetrieb ist der Badische Verlag. Ende des Monats beginnt ihr 4. Semester.