Was macht ein VJ?

Alina Ganter

Visual Jockeys sind jedenfalls nicht unbedingt Kneipenhocker, die gern Pferderennen aus der Reiterperspektive betrachten. Nein, sie sorgen vielmehr für die optische Ergänzung einer Party. Wieviel Arbeit dahinter steckt, hat Alina von VJ Sebastian Lange erfahren und im folgenden protokolliert.



Video Jockeys und Visual Jockeys

Video Jockeys sind die ganzen Leute bei VIVA und MTV, die die Musik-Clips aussuchen und anmoderieren. Mit der Erstellung der Videos haben sie nichts zu tun.

Ein Visual Jockey (VJ) an sich ist meistens auf einer Party, wie ein DJ, nur legt er keine Musik auf, sondern wirft Videos an die Wand. Der VJ muss natürlich schauen, dass er das ganze passend zur Musik macht und oft die Clips wechselt. Wenn zum Beispiel etwas Langsames und Gefühlvolles läuft, wirft er etwas anderes an die Wand als bei harter, elektronischer Musik.

VJ und DJ

Der VJ hat keinen Einfluss auf die Musik. Er kann sie nicht ändern und er weiß auch nicht genau, was der DJ als nächstes auflegt. Man kann so eine Show natürlich detailliert planen. Das heißt, dass man für jedes Lied, das der DJ hat, schon ein passendes Video parat hat. Das ist aber sehr aufwändig und die meisten suchen die Clips erst spontan aus, wenn die Musik bereits läuft.

Der VJ kann also das, was die Leute hören, positiv beeinflussen.

Jobs des VJ

VJs arbeiten hautpsächlich, aber nicht nur in Discos. Im kulturellen Bereich findet man beispielsweise große Videoinstallationen und es gab auch schon Projekte, bei denen mit Laserpointern Graffiti auf Häuserfassaden projiziert wurden.

Durch den Veranstalter werden die Möglichkeiten für den VJ meistens runter gefahren. Es ist oft so, dass man nur eine kleine Fläche irgendwo in der Ecke hat, auf die sowieso kaum jemand schaut. Die wenigsten Veranstalter wissen, was für eine Arbeit dahinter steckt und dementsprechend minimal ist das Honorar.

Eine durchgeplante Show mit mehreren bespielten Wänden ist natürlich das Beste, was einem VJ passieren kann. Das kommt allerdings ziemlich selten vor. Bei Open-Air-Festivals hat man mit großen Leinwänden die besten Voraussetzungen dafür, auch wenn das aufwändig und teuer ist.



Professionalität

Man findet heute kaum mehr Konzerte, bei denen keine Videos im Hintergrund laufen. Die Band Cornelius aus Japan zum Beispiel stimmt ihre ganze Show auf die Videos ab und spielt extrem im Rhythmus, so dass die Präsentation die Musik selber nicht nur begleitet, sondern beinahe im Vordergrund steht.

Die Chancen, VJing zu seinem Beruf zu machen, stehen somit eher schlecht.

Es gibt ein paar Gruppen, die das wirklich zur Perfektion gebracht haben; die Pfadfinderei zum Beispiel ist recht bekannt. Meistens arbeiten diese VJs hauptberuflich im Grafikbereich oder Motiondesign und gehen nur nebenbei dem VJing nach. Die Bezahlung ist im Vergleich zu dem großen Aufwand einfach nicht angemessen, um davon leben zu können. Nur wenige schaffen es, das VJing als richtigen Beruf auszuüben.

Zudem ist es auf Dauer anstrengend, wenn man von 22 Uhr bis 4 Uhr auf die Leinwand starrt und in eine Art Video-Flash kommt, aus dem man erst beim Rausschmeißer aufwacht. Trotzdem macht es Spaß und wenn die Leute danach zu einem kommen und sagen, dass es ihnen gefallen hat, ist das toll.

Technik

Ich arbeite mit externen Festplatten, auf denen ungefähr 20 GB Videoschnipsel sind. Die können mal zwei Minuten lang sein, manche sind nur zehn Sekunden lang. Um bei so vielen Spots auf 20 GB zu kommen, muss ich schon ziemlich viele Clips mitnehmen. Diese große Auswahl brauche ich aber auch. Es ist wichtig, viele unterschiedliche Videos dabei zu haben, damit ich nicht in die Verlegenheit komme, mich wiederholen zu müssen.

Stil

Eigentlich hat jeder VJ seinen eigenen Stil, genau wie ein DJ auch. Der eine legt Wert auf fließende Übergänge, der andere setzt bewusst auf klare Schnitte, um die Leute aufzuwecken. Trotzdem gibt es ein paar Dinge, auf die man achten sollte.

Man muss die Clips der Musik anpassen und schnell reagieren, wenn ein Stilwechsel in der Musik stattgefunden hat. Eine langsam vorbeiziehende Landschaft passt nun mal nicht zu schnellen Beats. Schwere Kost oder Politik kommen auf einer Party auch nicht sonderlich gut an, wenn dadurch die gute Stimmung kaputt gemacht wird, außer, die Message ist witzig verpackt. Zum Denken anregen soll der Clip jedenfalls nicht.



Nicht machen

Ein Don’t: 90er Jahre. Scooter und solche Dinge gehen gar nicht, 70er ist allerdings schon wieder cool. Ein abstürzender Rechner oder eine blendend weiße Leinwand sind zudem technische Flops, die nicht passieren sollten. Da sollte man lieber schnell auf die Beamer-Fernbedienung drücken, bevor man die tanzenden Leute mit irgendeinem Windows-Pausenzeichen quält.

VJ Jedermann

Leistungsfähige Rechner und installierte Programme wie Windows Movie Maker ermöglichen jedem, VJ zu sein. Das Programm, um die Präsentation an die Wand zu werfen, lässt sich auch recht einfach besorgen.

Um eine gute Präsentation zu erstellen, braucht man allerdings auch ein professionelleres Programm. Von denen gibt es inzwischen eine sehr große Auswahl. Die richtig komplexen Profi-Programme wie AfterEffects sind ab rund 1500 Euro erhältlich. Dadurch sind die hauptberuflichen Grafik-Designer im Vorteil, weil sie oft an ihrem Arbeitsplatz bereits Zugang zu diesen Programmen haben und die komplexen Strukturen leichter durchschauen.

Allerdings findet man im Internet mittlerweile digitale Anleitungen, die Laien durch die Programme führen, damit jeder die eigenen Videos zusammenschnipseln kann.

Talent

Natürlich kann man mit iMovie seine selbstgedrehten Clips zusammen stellen, mit befriedigendem Ergebnis. Aber gerade die gestalterische Seite ist meiner Meinung nach extrem wichtig. Klar, jeder kann ein paar Symbole in einer Endlosschleife laufen lassen und manch einer lässt sich davon beeindrucken, aber das ist doch irgendwie langweilig. Interessant wird es erst, wenn man sich mit bestimmten Dingen auseinander setzt und verschiedene Komponenten zusammen kommen.

Mehr dazu:

fudder.de: Sebastian Lange macht Flickermood

Was: VJ Sebastian Lange live mit Frank Bale, Kaos und Shit Robot
Wann: Samstag, 9. August 2008, 22 Uhr
Wo: fudder Sommerfestival, Waldsee

fudder Sommerfestival Clip: Sebastian Lange