Was ist Northern Soul?

David Weigend

Im Beatsalon spielt dieser Stil schon länger eine Rolle. Jetzt bekommen Freiburger Partygänger eine Extraportion des nördlichen Souls auf die Kniescheiben. Für den kommenden Freitag versprechen die Partyveranstalter vom Café Atlantik extrem gute Tanzbedingungen; gespeist von einer Musik aus der britischen Modkultur der 1960er Jahre.Was hat es mit der Genese der nordenglischen Bewegung auf sich? Eine kleine Stilgeschichte.

Northern Soul ist als Musikrichtung schwer abgrenzbar und etwas einfacher zu definieren als Subkultur: das Wiederentdecken und Sammeln gut tanzbarer, seltener und weitgehend unbekannter Soulmusik, verbunden mit der dazugehörigen Clubszene. Die Northern-Soul-Bewegung gehört mit ihrer 35-jährigen Geschichte zu den ältesten Szenen der Popkultur.


Der Ursprung von Northern Soul liegt in der Modkultur der Sechziger. Zu den Hauptelementen dieser Jugendkultur zählten Mode, Musik und Tanzen.

Die Mods hörten eine ganze Menge: Beatmusik, Modern Jazz, Ska, Rocksteady aus Jamaika, amerikanischen Rhythm & Blues und eben Soul. Beispielsweise den vom Detroiter Motown-Label (Supremes, The Temptations, Marvin Gaye etc) oder den vom Label Stax aus Memphis (Otis Redding, Sam & Dave). Viele Mods bewunderten die Schwarzen für ihre Musik und ihr tänzerisches Können. Ende der 1960er begannen andere Jugendkulturen, unter anderem die Skinheads, die Modkultur abzulösen. Die Liebe zum Soul und der Kult des exzessiven Tanzens setzten sich im Northern Soul fort. Northern Soul wurde auch zum Sammelbecken für die Mods, die sich mehr zu Schwarzer Musik hingezogen fühlten.

Anfang der 1970er Jahre entwickelte sich Soul immer mehr in Richtung Funk. Progressive Rock und Psychedelica wurden populär. Während man in den Clubs des trendbewussten London die Clubs diese neuen Musikrichtungen aufsog und spielte, tat sich das meist der Arbeiterklasse entstammende Publikum in den Clubs im Norden Englands (insbesondere in Lancashire und Yorkshire) mit dieser Musik schwerer.

Die dortigen Soulfans konnten sich mit der neuen schwarzen Tanzmusik, dem gitarrenbasierten Funk, nicht anfreunden. So bildete sich schnell eine Nische in einigen Clubs, wo man weiterhin die mehr vom Rhythm & Blues beeinflusste Soulmusik aus den 1960ern mit ihren Bläsergruppen und Backgroundchören spielte.