Stilfrage

Was ist dein Stil, Jeremias?

Jannis Jäger

"Was ist dein Stil?" – Diese Frage stellen wir regelmäßig jungen Menschen in Südbaden. Heute: Der 26-jährige Jeremias. Er studiert zur Zeit den Master Europäische Literaturen und Kulturen an der Uni Freiburg und fühlt sich stark der Seefahrt verbunden.

Wie würdest du deinen Stil beschreiben?

Ich würde sagen, ich verfolge eine Vorstellung von altmodischer Ästhetik. Dabei bewege ich mich gerne zwischen klassischer Herrenmode und altem Arbeiterstil. Auch, wenn ich nicht in jedem beliebigen Geschäft fündig werde, ist das für mich die beste Art mich zu kleiden.

Woher bekommst du deine Klamotten?

An vieles komme ich nur übers Internet ran, da es dafür in Freiburg keine Geschäfte gibt. Aber es gibt zum Beispiel auch Depots oder andere Orte, an denen Kleidung eingelagert und später verkauft wird. Auf diesem Weg findet man oft wunderbare Stücke. Im Moment trage ich zum Beispiel eine alte schwedische Militärhose.

Italian Trulli

Auf was kommt es dir an?

Vor allem würde ich sagen: Authentizität. Aber darüber hinaus achte ich auch darauf keine Mischfasern zu tragen, sondern eher echte Baumwolle. Für mich spielt da auch der Gedanke von Nachhaltigkeit eine große Rolle.

Was bedeutet dir Mode?

Ich finde, Mode kann einen enormen Wohlfühleffekt haben. Mich gut zu kleiden und auf meinen Stil zu achten trägt viel dazu bei, dass ich mich wohl in meiner Haut fühle. Wenn man das schafft, überträgt sich das auf viele andere Lebensbereiche und hat sehr positive Auswirkungen.

Italian Trulli

Wie und wann hat sich dein Stil entwickelt?

Ich habe mir mit 15 Jahren meine ersten Hosenträger gekauft und mich daraufhin immer weiter hineingesteigert. Das hat einfach gepasst.

Denkst du, dass sich dein Stil in Zukunft noch stark verändern wird?

Ich denke nicht. Im Moment fällt mir nur ein, dass ich irgendwann gerne meine Hemden vom Schneider bekommen würde. Und wenn ich an mein späteres Berufsleben denke, habe ich eine Schwäche für altmodische Anzüge. Aber große Veränderungen sehe ich nicht.

Hast du ein Lieblingskleidungsstück?

Lieblingskleidungsstück – da fallen mir gleich mehrere ein. In meinem Schrank hängt zum Beispiel ein alter blauer Navi-Rollkragenpullover, auf den das zutrifft. Außerdem habe ich eine große Schwäche für ein Jackett aus den 30er Jahren. Aber ganz oben im Ranking steht bei mir auch mein Elbsegler. Das ist eine traditionelle Schiffermütze.

Bekommst Rückmeldungen zu deinem Kleidungsstil?

Ja, viele Leute kommentieren meinen Stil sehr positiv. Aber man begegnet mir oft auch mit Anfeindungen. Das sind dann Leute, die mich in eine Ecke mit Burschenschaftlern stellen. Die denken, meine Kleidung würde ein politisches Statement abgeben wollen, was totaler Quatsch ist. Leider trägt der Elbsegler dazu einen Gutteil bei, da er of schnell als Verbindungsmütze abgetan wird. Dabei möchte ich nur auf authentische Weise meine Verbundenheit mit der Seefahrt ausdrücken.

Gibt es für dich stilistische No-Gos?

Ich denke, dass der Kleidungsstil etwas sehr Persönliches ist. Jeder kann tragen, was er will und sollte andere nicht oberflächlich aburteilen. Den Anspruch, den ich selbst an meinen Stil habe, lege ich ja auch nicht bei anderen an.

Was wirst du zu deiner Abschlussfeier tragen?

Vielleicht einen schönen Anzug aus Tweed. Aber definitiv weiß ich das noch nicht.

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