Was ist dein Stil, Helge?

Theresa Ogando & Simona Eftimova

"Was ist dein Stil?" – diese Frage stellen wir regelmäßig jungen Menschen in Südbaden. Heute: Der 24-jährige Helge. Er studiert Umweltwissenschaften, schreibt gerade seine Bachelorarbeit und hat fast alles, was er trägt, gefunden.

Wie würdest Du Deinen Stil beschreiben?

Mein Stil ist ziemlich random und besteht vor allem aus Sachen, die ich auf Festivals finde oder aus Kleidung, die mir sonst in die Hände gerät. Einen Pulli habe ich mal vor dem Herderbau gefunden. Der lag im Matsch, aber nach einer 90-Grad-Wäsche ist er wieder wie neu gewesen. Ich gehe außerdem oft die Fundsachen beim Fahnenbergplatz durch, da habe ich zum Beispiel schon mal so einen Uni-Freiburg-Pulli gefunden.

Suchst Du dann nach etwas Bestimmten?

Manchmal mache ich das. Ich habe letztens eine Jogginghose gebraucht und beim Frauenfeld-Festival gesucht und gefunden. Dort haben meine Freunde und ich insgesamt einen kompletten Wäscheständer von Klamotten gesammelt, auch Airmax und so.

Außerdem sammle ich immer Handschuhe im Winter - so einzelne, die vom Fahrrad gefallen sind. Ich habe jetzt gerade auch zwei auf meinem Gepäckträger. Das mache ich jeden Winter und im nächsten Winter verschenke ich die an meine Kumpels. Die sind alle zu lazy, um welche zu kaufen und ich habe dann eine riesige Auswahl an Handschuhen, die zwar nicht zusammen passen, aber warm geben.

Hast Du kein schlechtes Gewissen, wenn Du die Sachen nimmst?

Nein, sonst wird das Zeug einfach weggeworfen. Gerade bei der Fundgrube der Stadt am Fahnenbergplatz – dort wird jedes halbe Jahr alles weggeworfen. Das sind Berge von Klamotten und Rucksäcke, aber da kann man nichts machen. Die Rechtslage ist tricky, weil es doch irgendwie Besitz ist, ist halt so eine deutsche Sache. Der Müll gehört jemandem, aber irgendwie doch niemandem.

Hast Du ein Lieblingsteil?

Ja, die grüne Snowboardjacke, die ich heute trage. Die ist so mega warm und ich trage sie einfach jeden Tag.

Kaufst Du aus Überzeugung nichts Neues?

Ja, ich finde es unnötig, mir Klamotten zu kaufen, wenn sie schon auf der Straße rumliegen.

Und wenn man nicht das Glück hat wie Du, coole Sachen zu finden? Was soll man dann machen?

Man muss einfach die Augen offen halten. Ich mache das seit Jahren. Auf Festivals bleibe ich zum Beispiel immer am Sonntag und am Montag noch da und sammle noch alle Sachen, die da rumliegen. Wir haben beim Frauenfeld so viel mitgenommen - Zelte, Pavillons, Campingstühle, Hocker. Es ist so unnötig, die Leute lassen einfach alles liegen. Wir haben auch einen Minus-90-Grad-Schlafsack von Deuter gefunden, der neu ungefähr 200 Euro kostet. Keine Ahnung, wieso jemand so was liegen lässt. Es ist ein bisschen wie Bändern mit Klamotten.

Hast Du ein No-Go-Teil?

Nein, ich würde es sofort an Freunde verschenken, die ich nicht mag. (lacht)

Findest Du auch manchmal Sachen, die Du nicht willst, weil sie einen zu krassen Style haben?

Zu krass nicht. Aber da ich überhaupt kein Modegefühl habe, nehme ich prinzipiell nur Sachen, die Blau oder Braun sind, damit sie gut zusammen passen.

Wie oft gehst Du shoppen?

Jeden Tag (lacht). Nein, eigentlich nie.

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