Stilfrage

Was ist dein Stil, Egzona?

Vincent Zeile

"Was ist dein Stil?" — Diese Frage stellen wir regelmäßig jungen Menschen aus Südbaden. Heute: Die 25-jährige Egzona aus Freiburg. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin an der Juristischen Fakultät und mag den natürlichen Look.

Egzona, wie würdest du deinen Stil beschreiben?

Ich würde meinen Stil als eher natürlich beschreiben. Ich trage meistens kein bis wenig Make-up und meine Haare trage ich so, wie sie an dem jeweiligen Tag fallen. Früher habe ich sie ziemlich oft geglättet. Mir gefällt Vintage-Mode aus den 80er und 90er Jahren, ich trage aber auch gern Teile dazu, die gerade im Trend liegen. Ich mag Erd- und Herbstfarben wie braun oder senfgelb. Ich trage auch total gerne Cropped-Hosen, da ich dann nicht so klein aussehe, wie ich tatsächlich bin. Außerdem mag ich gern bunte Socken. Mir wird oft gesagt, dass ich gar nicht aussehe wie eine
Juristin. (lacht)

Achtest Du bei deiner Kleiderwahl auf Nachhaltigkeit?

Ja! Alles, was ich gerade trage, ist entweder Second-Hand oder aber fair produziert. Seit mehr als zwei Jahren achte ich sehr darauf, nachhaltige Mode zu tragen. Dafür kaufe ich zum Beispiel total gerne auf Flohmärkten ein oder gehe zum Kleidertausch. Auf solchen Märkten habe ich dann auch schon tolle Sachen für kleines Geld gefunden. Der Großteil meines Kleiderschranks besteht allerdings aus aussortierten Kleidungsstücken meiner Mutter; die ich dann neu für mich entdeckt habe. Wenn ich dann doch etwas Neues kaufen muss, dann achte ich schon darauf, dass es tatsächlich fair hergestellt wurde. Allerdings habe ich auch viele Sachen, die ich früher gekauft habe und nicht extra entsorgen möchte. Die trage ich natürlich weiter, das verstehe ich auch als eine Form der Nachhaltigkeit.

Wie sieht's mit Accessoires aus?

Diesbezüglich gibt es bei mir immer unterschiedliche Phasen. Manchmal trage ich gern viel Schmuck, ein anderes Mal eben weniger. Jetzt ist gerade wieder eine Phase, in der ich recht wenig trage. Eigentlich trage ich momentan nur ein Armand, einen Ring, eine Kette und Ohrringe. Das Armband habe ich von meinen Eltern vor mehr als 24 Jahren geschenkt bekommen; das hat einen stark ideellen Wert für mich. Die Ohrringe sind von meiner Großmutter und die Kette habe ich in Portugal auf einem kleinen Künstlermarkt gekauft. An ihr finde ich schön, dass sie handgemacht und dadurch nicht ganz akkurat ist, sondern absichtlich etwas unperfekt.

Was bedeutet Dir Fashion?

Fashion ist für mich keine vorgefertigte Schablone, anhand der sich alle zu orientieren haben. Für mich bedeutet Fashion: Vielfalt und die Möglichkeit zur individuellen Entfaltung. Jeder Stil, ob es für die Arbeit, die Freizeit oder auch mal etwas schicker sein muss, sollte den Raum bieten, um seine eigene Persönlichkeit zeigen zu können. Allerdings hat Mode für mich nicht einen derart hohen Stellenwert, dass ich jeden morgen fieberhaft darüber nachdenke, was ich heute anziehen werde.

Hast Du Inspirationsquellen oder Vorbilder?

Mein größtes Vorbild ist meine Mama! Die alten Teile, die ich in ihrem Schrank gefunden habe, ziehe ich am liebsten an. Wenn ich gerade Inspiration suche, dann nutze ich Soziale Medien wie zum Beispiel Instagram oder Pinterest. Gerade auf Instagram gibt es viele nachhaltige Bloggerinnen wie zum Beispiel Dariadaria, die mir gefallen und deren Stil mir dann auch oft zusagt. Allerdings bin ich mir unsicher, ob ich wirklich davon inspiriert werde, oder ob ich nicht vielmehr solchen Bloggerinnen folge, weil sie einen ähnlichen Stil wie ich haben. Bei Instagram sehe ich allerdings auch die Gefahr, dass sie vor allem jüngere Menschen stark beeinflussen können. Denn die Inszenierung auf Instagram suggeriert in gewisser Weise auch oft eine Form von Lebensstil, die es nachzuahmen gilt, um beliebt, schön oder erfolgreich zu sein. Das sollte man also alles mit Vorsicht genießen.

Gibt es für Dich ein Fashion-No-Go oder ein Must-Have?

No-Gos gibt es für mich nicht, jeder sollte sich so kleiden, wie es ihm oder ihr gefällt. Ein Must-have sind für mich momentan weiße Sneaker. Da ich diese leider nicht gebraucht gefunden habe, habe ich mir fair produzierte Sneaker gekauft, und folge damit dem Trend auf eine Art, die ich mit mir selbst vereinbaren kann. Allerdings bin ich nicht der Meinung, dass man Menschen verurteilen sollte, die bei Fast-Fashion-Größen einkaufen, weil es eben nicht ganz so einfach ist, sich umzustellen. Und viele sind sich der Probleme darüber gar nicht bewusst. Jeder tut eben, was er kann und möchte. Schwarz-Weiß zu denken wäre zu kurz gedacht, vielmehr finde ich es schön, wenn Menschen sich mit Konsum im Allgemeinen auseinandersetzen und dann bewusst ihr Kaufverhalten beeinflussen.

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