Was ist Dein Stil, Claus?

Laura Wolfert

Karl Marx, Che Guevara, Peter Struck: Große Sozialisten trugen Bart. Der 30-jährige Freiburger Claus-Georg Nolte ist in der SPD - wegen seines Barts wäre er sogar fast der Weihnachtsmann seiner Partei geworden. Wenn Du 200 Euro für "Pro Asyl" spendest, rasiert er sich den Bart aber ab:



Karl Marx, Che Guevara, Peter Struck - linke Männer tragen Bart. Ist das Deine Style-Inspiration?

Claus-Georg: Das sind gute Aufzählungen, da ich selbst politisch aktiv bin - in der SPD. Es ist ja auch in der Diskussion, dass Bart nur in ist, weil wir in Europa gerade eine lange Friedenszeit haben. Militärischer Schnitt ist immer ohne Bart. Deswegen ist es eine Art Friedensbotschaft, Bart zu tragen.

Seit wann trägst Du ihn?

Seit er wächst, seit der Oberstufe. Das heißt, ich habe etwa mit circa 17 Jahren angefangen – vorher war da nur ein kleines Fläumchen.

Zu welchem Barbier gehst Du?

Ich bin mein eigener Barbier. Ich habe einen Barttrimmer mit unterschiedlichen Längen, Bartschere und – das darf ich aber niemandem verraten – Bartöl. Ich habe ihn erst vor ein paar Tagen gestutzt, da war er noch eine Handbreite länger.

Hast Du bestimmte Pflegetipps?

Ein Tipp ist tatsächlich die Frauenpflegespülung. Wenn der Bart länger wird neigt er - da er dicht und rau ist - zu filzen. Die Spülung hilft, ihn in Form zu halten. Sonst schlägt er Locken und das sieht dann alles etwas komisch aus.

Was sagt Deine Freundin zum Bart?

Ich hoffe, sie mag ihn. Sie mag ihn aber nicht, wenn er zu lang ist. Das ist vielleicht auch einer der Gründe, wieso er wieder kürzer ist.

Und deine Genossen?

Die finden den sehr gut. Die wollten mich letztes Jahr sogar dazu verpflichten den Weihnachtsmann zu spielen. Dagegen habe ich mich aber gewehrt.

Bärte sind noch immer im Trend - fühlt man sich da mit anderen Männern verbunden?

Es kommt schon vor, dass man bei Konzerten oder im Club Leute trifft und sich  gegenseitig Komplimente für den Bart macht. Das ist eine gewisse Grundverbundenheit und Symphatie bei Männern. Aber eine „Bart-Brüderschaft“ gibt es nicht.

Wie wichtig ist es für dich, mit Klamotten etwas auszudrücken?

Klamotten sind wichtig, weil man damit nicht friert. Sie sollten angemessen und funktional sein. Wenn sie aber schick sind und dazu noch eine politische Botschaft haben, finde ich das super. Krawatte kann zum Beispiel jeder. Das mag ich nicht.. Eine Fliege ist da doch ein gewisses Schmankerl. Außerdem bin ich ein Mützenträger, das passt irgendwie zu mir.

Wo kaufst Du Deine Anziehsachen?

Ich habe keine Stammgeschäfte, kaufe aber vor allem in der Freiburger Innenstadt ein. Meine Tasche von Barney's habe ich mir vor zwei Jahren selber im Internet bestellt, da sie doch etwas teurer war. Ja, das ist in gewisser Hinsicht eine Akademikertasche. Die amerikanische Anwaltsserie „Suits“ hat mich bei meinem Kauf wohl etwas beeinflusst. Wegen der Serie habe ich mir zum Beispiel auch ein Rennrad gekauft.

Mit welcher „Farbe“ würdest Du Bart und SPD-Rot kombinieren wollen?

Es kommt aufs SPD-Rot an – das ist natürlich nach den Wahlen eine heikle Frage. Bei unserer Wahlparty habe ich zu dem Bart eine weinrote Fliege getragen – das hat ganz gut gepasst. Dazu - ohne zu wissen, dass es angemessen ist - ein dunkelblau-schwarz-kariertes Hemd, dass doch sehr nach Trauer aussah. Grundsätzlich ist aber Weinrot mit Bart sehr gut kombinierbar. Zu knallig sollte es aber nicht sein. Ich bin da mehr der naturgebundene Farbentyp.

Als Rudolf Scharping 1994 mit Vollbart als Kanzlerkandidat antrat, warb die CDU prompt für "Politik ohne Bart". Seinen Bart ließ sich Scharping nach seinem Sturz als SPD-Chef abrasieren. Machst Du das jetzt auch nach den Wahlergebnissen der SPD?

Auf keinen Fall! Mein großer Vorbild Kurt Beck hat gegen die CDU damals in Rheinland-Pfalz eine absolute Mehrheit geholt, obwohl die CDU mit „Politik ohne Bart“ plakatiert hat. Auch der trägt weiterhin Vollbart. Nach Che Guevara und Karl Marx lässt sich die Liste der großen Sozialisten, die Bart getragen haben, weiterführen.

Beck hatte auf einer Veranstaltung in Mainz mal angekündigt, dass sein Bart abkommt - sollte ihm jemand eine Million Euro für einen guten Zweck zahlen. Würdest Du das auch machen?

Wenn ich bestimmen darf wofür? Dann auch für weniger! Nach zwei Wochen habe ich eh wieder einen vollen Bart – das geht schnell. Bei 200 Euro für "Pro Asyl" bin ich dabei: Dann kommt der Bart ab.

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Foto-Galerie: Marius Buhl

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