Was ist dein Stil, Anna?

Laura Wolfert

Anna aus Malmö, Schweden, war drei Monate für ein "Performing Art"-Programm in Freiburg. Sie reist um die ganze Welt und tanzt auf Festivals wie dem "Burning Man". Warum sie einen Pinsel um den Hals trägt, erzählt sie in der Stil-Frage.

Was machst du beruflich, Anna?

Anna: Ich habe für vier Jahre als Fotografin gearbeitet, für Werbung. Mittlerweile mache ich auf der ganzen Welt verschiedene Projekte mit Freunden. Manchmal tanze ich auch auf Festivals.

Reisen ist Teil deines Berufs – wann hast du damit angefangen?

Anna: Meine Familie reist mit mir seit ich ein kleines Kind bin. Als ich neun Jahre alt war bin ich für vier Jahre mit einem Zirkus aufgebrochen. Seitdem weiß ich, wie schön es ist, unterwegs zu sein.

Auf welchen Festivals hast du schon getanzt?

Anna: Ich war auf ganz vielen sogenannten "Burn-Festivals". Wie das"Burning Man" in Nevada, "Burning Woman" in Indien oder das "African Burn".

Was ziehst du an, wenn Du auf einem Festival tanzt?

Anna: Es ist mir wichtig, dass ich mich in meinen Anziehsachen bewegen kann. Es soll bequem sein. Ich versuche mit meinem Outfit eine kleine Geschichte zu erzählen.

Ich entwerfe aber alles selbst – gerade für Festivals. Manchmal mache ich das auch für meine Freunde. Es ist immer nett, wenn man einheitlich als Gruppe auftaucht.

Deine Anziehsachen, die Du heute trägst, sind sehr bunt. Ist das immer so?

Anna: Ich habe kein einziges schwarzes Kleidungsstück. Schwarz ist eine einfache und sexy Farbe. Ich sehe mich nicht so. Ich finde nicht, dass das so zu mir passt. Sexy-Sein kommt erst von der Art und Weise, wie man sich gibt.

Ich trage viel bunte Kleidung . Seit ich ein kleines Kind bin, bin ich ziemlich farbenfroh. Ich wollte immer alle Farben mischen und Dinge miteinander kombinieren.

Am Ende sollen die Leute denken: "Ihr ernst? Trägt sie das jetzt wirklich?". Aus diesem Grund auch der Pinsel als Halskette. Manchmal habe ich auch eine Zahnbürste in meinen Haaren.

Glaubst Du, dass die Zeit mit dem Zirkus als Neunjährige Deinen Stil geprägt hat?

Ja definitiv. Sich zu trauen, etwas sonderbarer zu sein, war dadurch für mich schon immer einfacherer.

Wenn du so viel reist – wie klappt das mit deinen Reisetaschen und den Klamotten?

Anna: Oh. Ich bevorzuge es, meine ganzen Klamotten mitzunehmen. Das ist natürlich viel – und viel zu schwer. Wenn ich dann fliege oder mit dem Zug fahre, ist es ziemlich doof, diesen schweren, riesigen Koffer zu schleppen – aber dafür habe ich dann alles bei mir. Mein Koffer ist auch gleichzeitig mein Kleiderschrank.

Wie viele Anziehsachen besitzt du?

Anna: Alles passt in etwa zehn Umzugs-Kartons. Vielleicht sogar in mehr. Ein Teil meiner Klamotten ist bei Freunden in der Garage, ein anderer Teil bei meiner Familie. Ich baue aber eine Beziehung zu meinen Klamotten auf – und möchte daher nie ein Teil weggeben.

Wie unterscheidet sich der Stil in den Ländern, in den Du schon warst?

Anna: Schweden ist sehr einfarbig, monochrom. Vor zwei Jahren habe ich in Stockholm gelebt und habe dort in der Mode-Branche gearbeitet. Alles war in Grau, Schwarz und Weiß gehalten.

In Deutschland sind die Leute etwas sportlicher gekleidet, als in anderen Ländern. Ich war bisher noch nie in Berlin. Was ich gehört habe – und was mir gefällt – ist, dass es in Berlin viel Second-Hand-Läden geben soll.

Wo kaufst Du deine Anziehsachen, wenn du immer auf Reisen bist?

Anna: Ich kaufe meine Kleidung nie in Läden, die "neue" Klamotten verkaufen. Nur in Vintage-Läden, von Freuden, oder der Familie. Die Sachen, die ich gerade trage, sind alle von meiner Mutter. Ich gehe nie so richtig "shoppen".

Du bist sehr auffällig gekleidet – Dein Make-Up ist hingegen sehr schlicht.

Anna: Ja, das stimmt. Nur wenn ich feiern war und etwas abdecken will, kommt vielleicht mal etwas drauf. Aber ich bin der Meinung, dass bei Make-Up weniger mehr bedeutet. Nur nicht bei Festivals: Da trage ich gerne Glitzer!

Und du reist als nächstes …?

Anna: … nach Berlin, um weiter an meinen Kunst-Projekten zu arbeiten.