Vor der letzten Party

Was in 19 Jahren Universal D.O.G. abging

Mark Alexander

Die Diskothek Universal D.O.G. schließt die Türen. Vor der letzten großen Party greift Geschäftsführer Sascha Geiger in die Erinnerungskiste.

Noch eine letzte große Feier, dann endet das Kapitel Universal D.O.G. In 19 Jahren haben sich einige Stars auf der Bühne der Diskothek die Klinke in die Hand gegeben, genau wie unzählige Partygäste in der Halle und dem Club auf dem Lahrer Flugplatz. So manche Erinnerung wird am Freitag und Samstag, 5. und 6. Januar, aufleben. Im Vorfeld hat Mark Alexander bei Geschäftsführer Sascha Geiger nachgehakt: Was ging ab im D.O.G.? Geiger berichtet über große Highlights, kleine Pannen und besondere Begegnungen.


Die erste Party
Die war am Freitag, 13. November 1998. Damals lief Rock in der Halle. Eine schwäbische Blaskapelle eröffnete den Abend in dem Stil, wie es die Feuerwehrkapelle beim Metal-Festival in Wacken heute noch tut. Heute gehen wir davon aus, dass exakt diese Kapelle der Grund war, weshalb wir drei Wochen später nur noch zehn Gäste im Haus hatten. Der "hochschwäbisch schwätzende" Moderator vom Jazzverein Rottweil besorgte den badischen Gästen an diesem Abend wahrscheinlich den Rest. Heute sorgt es für großes Gelächter, wenn wir beim Bier über diesen Tag sprechen.

Der Name "D.O.G."
Hierzu gibt es viele Geschichten. Die treffendste ist tatsächlich "Drei Ohne Geld". Wir waren anfangs zu dritt ohne Geld und wir sind es heute wieder. Der für uns aber wichtigere Teil des Namens ist "Universal". Früher war das Universal D.O.G. ein universell nutzbares Veranstaltungshaus, das mittels verschiedener Zugänge, Raumtrenner und Garderoben in den unterschiedlichsten Konstellationen nutzbar war.

Der größte Star
Das waren einige. Zu den teuersten und bekanntesten gehören Seeed, Lil Jon, Chris Brown und Rihanna, Richie Hawtin, die Fantastischen Vier, DMX, Sean Paul, Alannah Myles und VNV Nation.

Der größte Reinfall
Eines der ersten Konzerte: The Original Blues Brothers Band mit Matt "Guitar" Murphy. Die Band hat damals 35 000 Mark gekostet und es waren nur 600 Besucher da. Das war das am schlechtesten besuchte Konzert der ganzen Deutschlandtour. Die Firma konnte diesen Verlust in den ersten Tagen nur knapp auffangen. Jeder der "Drei ohne Geld" musste damals das private Konto leeren. Was soll’s! Dafür gab es Autogramme und einen Handschlag von Matt "Guitar" Murphy als Entschädigung.

Der größte Umbau
Umgebaut wurde 19 Jahre lang – so wie Geld vorhanden war. Der bisher größte Umbau war zuletzt die Abtrennung von "Fräulein Fröhlich" und "Hans Dampf", den beiden Kneipenklubs, die in den alten D.O.G.-Räumen "Mantis" und "Red D.O.G." sehr erfolgreich ein neues Zuhause gefunden haben. Der mit Abstand größte Umbau der Firmengeschichte steht jetzt allerdings erst an. Hierzu wird aber noch nichts verraten.

Die verrückteste Backstage-Story
Als DJ Sven Väth mit Gefolge am Sonntag mittags um 12 Uhr nach der Afterhour bei der Dammenmühle aufschlug und nach dem Flachköpper in den dortigen Ententeich auf einen Tisch stieg und Jägermeister für alle und Eis für die Kinder forderte. Die damalige Inhaberin rief umgehend im Haus an und bedankte sich für die Zusammenarbeit, wollte diese aber danach nicht mehr weiterführen.

Die wildeste Feier
Sorry, die gab es 19 Jahre lang fast jedes Wochenende! Soll heißen: Es gab so viele wilde Partys, dass mir keine speziell in Erinnerung kommt. Wenn aber die wenigen alten Hasen, die es hier noch gibt, zusammensitzen und über die Vergangenheit philosophieren, dann kommt doch immer diese eine interne Weihnachtsfeier 2005 ins Gespräch. Damals hat die alte Geschäftsführung mit dem Tannenbaum als Luftgitarre in der Hand zu "Paradise City" von Guns n’ Roses auf der Bühne im "Red D.O.G" abgerockt – und die heutige Geschäftsführung hat sich beim Stagediving die Rippe gebrochen.

Der beliebteste Drink
Früher war es Bier von Heineken, heute sind es Vodka Bull und Gin Tonic.

Der besondere Moment
Als ich den Held meiner Jugend zum Konzert hier hatte und der Fremdveranstalter keinen Künstlerbetreuer organisiert hat. Ich durfte den Mann, den ich vor 15 Jahren zusammen mit 100 000 Menschen auf Open-Air-Konzerten bejubelt habe, zum Essen ausführen, mit ihm zusammen guten Rotwein aus meinem Heimatdorf trinken und über die Zukunft und Vergangenheit seiner Band diskutieren. Manches Boulevardblatt hätte für die Infos aus diesem Gespräch viel Geld bezahlt.

Die letzte Party
Die findet am Samstag statt. Da dies eine Fremdveranstaltung ist, geht unsere letzte D.O.G.-Veranstaltung am Freitag über die Bühne. Ich hatte noch nie so viel Respekt vor einer Veranstaltung wie vor dieser. Ich war noch nie so nervös vor einer Party wie vor dieser. Dieser Abend schließt ein Kapitel, in dem sich ein großer Teil meines Lebens lesen lässt. Ich kam hierher als 21-jähriger Grünschnabel, der als Techniker angestellt war, und beende das Kapitel als Geschäftsführer. Ich freue mich darauf, viele alte Gesichter zu sehen. Ich hoffe, dieses Kapitel angemessen schließen zu können. Und ich hoffe, dass die großen Emotionen sich erst dann zeigen, wenn die Gäste wieder zu Hause sind. Und ich freue mich auf das, was danach kommt!
"This is the End of Universal D.O.G." wird heute, Freitag, 5. Januar, von 21.30 Uhr an gefeiert – auf drei Floors mit verschiedenen Musikrichtungen und Aktionen. Der Eintritt (ab 18 Jahren) kostet sechs Euro. Am Samstag, 6. Januar, wird mit einer "Partykingz"-Veranstaltung das Kapitel dann endgültig abgeschlossen. Nach einer längeren Umbauphase soll in dem Gebäude eine neue Veranstaltungsstätte mit neuem Konzept eröffnen.

Weitere Infos gibt es unter http://www.universaldog.de