Was hilft gegen Prüfungsangst?

Alexander Preker

Verena Spada-Schweizer will Studierenden mit Prüfungsangst helfen. Die Psychologin veranstaltet deshalb für das Studentenwerk fünf Mal pro Jahr Kurse gegen Prüfungsangst.

 

Frau Spada-Schweizer, ein Student, der zu wenig gelernt hat, kommt zu Ihnen und sagt, er habe Prüfungsangst. Erkennen Sie seinen wahren Zustand?


Verena Spada-Schweizer:
Im Gespräch wird schnell deutlich, ob er tatsächlich Angst in Prüfungen hat oder, wie die breite Mehrheit der Studierenden, bereits beim Lernen blockiert ist. Doch auch hierbei kann es sich um Prüfungsangst handeln.

Wie äußern sich diese Ängste?

Bei Studierenden, die tatsächlich in Prüfungen Angst haben, kann es zum berüchtigten Blackout kommen. Bei denen, die bereits beim Lernen blockiert sind, sind geringe Motivation und eine Null-Bock-Haltung typisch. Dies kann zu Depressionen, Schlaf- und Essstörungen führen.

Wie kann es denn soweit kommen?

Oft lösen schlechte Erfahrungen und Selbstzweifel Ängste beim Studierenden aus. Diese Ängste haben häufig Studierende, die sehr offene, weniger strukturierte Studiengänge studieren. In ihnen kann man schnell den Überblick verlieren. Hinzu kommen aber auch die gestiegenen Leistungsanforderungen in den neuen Bachelor- und Masterstudiengängen, die angespannte Situation auf dem Arbeitsmarkt sowie immer weiter steigende Ansprüche an sich selbst.

Was raten Sie Studierenden, die mit Prüfungsängsten in Ihre Kurse kommen?

Es gibt leider kein Allheilmittel gegen Prüfungsängste, denn die Ursachen sind von Student zu Student verschieden. In einem ersten Schritt geht es darum zu analysieren, woher die Angst kommt, um sich ihr dann in einem zweiten Schritt zu stellen. Dabei geht es nicht darum, die Angst zu besiegen, sondern zu lernen, mit ihr umzugehen.



Und wie genau kann man das tun?

Man kann zwischen inneren und äußeren Stressfaktoren unterscheiden: Zu den inneren Faktoren zählen Gedanken wie „die anderen haben viel mehr gelernt als ich“ und „bin ich gut genug?“. Es kann daher helfen, sich die Prüfungssituation zu vergegenwärtigen. Im Kurs spielen wir deshalb solche Situationen durch. Auch Atemübungen und mentales Training können helfen. Zu den äußeren Stressfaktoren zählt besonders der große Stoffberg. Deshalb lernen die Studierenden in meinen Kursen, wie man effektiv und strukturiert mit großen Stoffmengen umgeht.

Nicht alle Studierenden können Ihre Kurse besuchen. Was raten sie jemandem, dessen Prüfung vor der Tür steht?

Ich würde ihm empfehlen, mit Freunden über seine Schwierigkeiten zu sprechen. Er sollte sich klar machen, woran es zum Prüfungserfolg noch fehlt. Er sollte einen Plan erstellen, was er wann erledigt und seine Probleme aufschreiben. Es ist wichtig, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Ganz kurz vor einer Prüfung hilft meistens nur noch ein Spaziergang an der frischen Luft, um den Kopf frei zu bekommen.

Mehr dazu:

Was: Seminar „Keine Angst vor Prüfungen - Lernen mit Methode“
Wann: Samstag, 16. Januar und Sonntag, 17. Januar 2010; 10-17 und 10-14 Uhr
Anmeldung: vspada@online.de
[Foto: Thomas Kunz; Dieser Text ist heute ebenfalls auf der "Frisch gepresst"-Seite der Freiburger Lokalausgabe der Badischen Zeitung erschienen.]