Was hast du heute gelernt? (4)

Lilli Staiger

Steffi studiert ab April im zweiten Semester Ibero Cultura und erzählt uns, was sie in der zweiten Sitzung des Seminars "Performance und Potenzial" gelernt hat. Sie besucht das Seminar, weil sie sich in ihrer Berufsorientierung unsicher ist und mehr über ihre persönlichen Stärken erfahren möchte. Ihre wichtigste Frage: "Welche Branche kommt für mich in Frage?"



„Zur heutigen Sitzung mussten wir als Hausarbeit einen so genannten Stärken-Lebenslauf von uns verfassen. Zu Beginn der Sitzung besprachen wir, wie wir uns dabei gefühlt haben, in dieser Form über uns zu schreiben. Der Dozent erklärte uns, auf welche formalen Dinge wir achten müssten, wenn wir uns bei einem Unternehmen bewerben oder eine Hausarbeit anfertigen.


Danach erfuhren wir etwas über Produkt-Marketing und mussten in Gruppenarbeit selbst ein solches erarbeiten. Es gibt die sogenannten „me-too“-Produkte, die 98% des Marktes ausmachen. Die restlichen 2% sind „only-me“-Produkte, die völlig innovativ sind und nicht viel Werbung bedürfen. Die „me-too“-Produkte brauchen ein besonderes Auszeichnungsmerkmal, den „Unique Selling Point“ (USP), um sich von allen anderen unterscheiden zu können.

Unsere Gruppe bekam einen schwarzen Reiterhelm mit kleinem Schleifchen an der Rückseite als Produkt, für das wir eine zutreffende Zielgruppe finden sollten. Wir mussten mit möglichst vielen Details versuchen, den potentiellen Käufer plastisch zu machen. Die richtige Zielgruppe zu finden ist entscheidend dafür, wo und wie man für das Produkt wirbt. Anschließend mussten wir den USP für das Produkt herausfinden und ihn mit einem Satz ohne Fremdwörter und mit einem Superlativ formulieren.

Wir entschieden uns für eine gut verdienende Frau von 50 Jahren, die in ihrer Freizeit reitet und kein eigenes Pferd besitzt. Die anderen Seminarteilnehmer äußerten Widerspruch und meinten, die Zielgruppe seien viel eher Mädchen im Alter von 8 bis 15 Jahren, womit sie auch Recht hatten, denn es stellte sich heraus, dass es der Helm der kleinen Tochter des Dozenten war.

Unser USP war daher nicht zutreffend, da wir in der Gruppe keine Ahnung vom Reiten hatten und nicht erkannt haben, dass es ein Kinderreithelm ist. Unser USP lautete „Der langlebigste Helm für die Freizeitreiterin“. Daran wurde bemängelt, dass das Alter der Zielgruppe nicht erwähnt ist. Wir gingen wegen der Größe von einem Erwachsenenhelm aus.

Als Nächstes mussten wir unseren eigenen USP herausfinden und ihn anschließend vor allen präsentieren. Hierbei sollten wir uns für die Stärke entscheiden, die uns am meisten auszeichnet. Die Vorgabe war, einen Superlativ zu wählen, der am wahrscheinlichsten in der Gruppe zutrifft. Ich entschied mich für „Ich lerne Sprachen am leichtesten“. Da ich ein Sprachstudium absolviere, schien mir das realistisch. Wir mussten dann einzeln vor die Tür gehen, wieder hereinkommen und vor dem „Publikum“ unseren USP vorstellen, woraufhin wir großen Applaus bekamen.

Am Nachmittag ging es um unsere Motivation und Haltung, die darüber entscheidet, wie wir auf andere wirken. Wir setzten uns mit Partnern zusammen und unterhielten uns erst ganz natürlich, dann sollten wir uns vor jedem Satz, den wir sagen, „Ich hasse dich“ bzw. „Ich liebe dich“ denken und das im ständigen Wechsel, was ganz witzig, aber auch nicht leicht war.

Zum Schluss bekamen wir die neue Hausarbeit, die darin bestehen wird, zu einer Firma, die wir uns aus einer Liste aussuchen durften, so viel wie möglich zu recherchieren und uns zu überlegen, weshalb wir in diese Firma hineinpassen. Der Abschluss des Seminars findet in einem Monat statt. Wir werden ein „Planspiel Bewerbung“ machen und müssen uns auch der jeweiligen Firma entsprechend kleiden. Ich habe die Firma Lavazza für das Planspiel ausgesucht. Spontan hat mich die Assoziation mit Italien angesprochen. Ich hätte mich auch noch für Swarovski interessiert.

Mir haben am besten die Infos zum Selbstmarketing gefallen, da das Dinge sind, die mir nicht unbedingt leicht fallen. Die Tipps hören sich einfacher an, als sie sind: Gerade im Bereich Ansprache ist es zunächst eher unwahrscheinlich, tatsächlich auf hilfreiche Beziehungen in der gewünschten Branche zurückgreifen zu können. Auch Gehaltsverhandlungen stelle ich mir nicht leicht vor. Am heutigen Tag gab es mehr praktische Übungen als letztes Mal, das lockerte das Ganze etwas auf, war aber auch anstrengender. Die Atmosphäre in der Gruppe fand ich angenehm, weil alle Teilnehmer recht unterschiedlich sind, aber eine tolerante und offene Haltung zeigten."