Was hast du heute gelernt? (3)

Lilli Staiger

Kristian, 26 Jahre alt, studiert Geschichte und Soziologie im siebten Semester. Heute, wohlgemerkt an einem Semesterferientag, nimmt er von 9 Uhr bis 17 Uhr freiwillig an dem Seminar "Performance und Potenzial - Welche beruflichen Fähigkeiten stecken in mir?" teil und reist dafür trotz Krücken über Riegel nach Amoltern am Kaiserstuhl, wo der Leiter seine privaten Seminarräume hat. Ob sich die kleine Reise gelohnt hat, erzählt Kristian uns.



"Eine Kommilitonin hat mir von diesem Workshop, der vom Zentrum für Schlüsselqualifikationen angeboten wird, erzählt und meinte, dass er ganz sinnvoll wäre. Da ich mir immer noch nicht sicher bin, was ich nach meiner Magisterarbeit machen will und auch nicht so recht weiß, was ich eigentlich kann, dachte ich mir, es wäre gut, an so einem Seminar teilzunehmen.


Als erstes haben wir uns mit einem unbekannten Partner zusammengesetzt und einen Selbst-/ Fremdwahrnehmungstest gemacht, indem wir erst uns selbst und anschließend unserem Partner Eigenschaften zuordneten, um hinterher herauszufinden, ob wir wissen, wie wir auf andere wirken. Meine Selbsteinschätzung traf weitgehend zu.

Im zweiten Teil ging es um die 'inneren Antreiber', die dafür verantwortlich sind, wie wir handeln. Hierzu mussten wir 50 Fragen beantworten, aus denen sich die jeweilige Ausprägung der inneren Antreiber "Sei perfekt!", "Beeil dich!", "Sei stark!", "Sei gefällig!" und "Streng dich an!" ergab.

Bei mir hat sich der Antreiber "Sei gefällig!" als ziemlich stark herausgestellt. Ich muss sagen, dass ich dabei einen 'Aha-Effekt' erlebt habe. Ich habe schon öfter über diese Dinge nachgedacht, aber es war mir nicht bewusst, dass ich mich mehr nach anderen richte und meine eigenen Bedürfnisse zurückstelle.

Wir haben dann gelernt, dass wir bei starker Ausprägung eines Antreibers eine 'Erlaubnis' von uns selbst oder einer anderen Person brauchen. Bei mir könnte die Erlaubnis lauten: "Denk mehr an dich!"

Danach haben wir eine Stärken-/Schwächenanalyse durchgeführt. Der Seminarleiter hat uns dazu sehr viele Aussagen vorgelesen, zum Beispiel: "Es fällt mir leicht, ein Fahrrad zu reparieren", "Ich kann mit Geld umgehen" oder "Es fällt mir leicht, im Restaurant ein schlechtes Essen zurückgehen zu lassen". Diese Aussagen sollten wir unseren persönlichen Stärken und Schwächen zuordnen. Wir beschäftigten uns anschließend nur noch mit unseren Stärken und fanden heraus, für welche Berufs- und Wirtschaftsbereiche sie relevant sein könnten.

Ich fand es sehr positiv, so viele Stärken an mir festzustellen, obwohl ich eigentlich nicht sehr selbstsicher bin. Ich glaube aber auch, dass genau das die Absicht des Seminarleiters war. Er wollte erreichen, dass jeder das Gefühl bekommt, viele Stärken zu haben, selbst wenn es so banale Dinge sind wie "seinen Körper zu pflegen/ gut zu riechen".

Insgesamt fand ich das Seminar sehr aufschlussreich, wobei es ja heute nur die erste Sitzung war und noch zwei Termine folgen.

Die direkte, nette und lockere Art des Seminarleiters fand ich ansprechend, obwohl er auf den ersten Blick wie ein typischer BWLer wirkte und hin und wieder zu viel Show machte.