Innenstadt

Was ging beim... Straßenmusik-Festival im Freiburger Stadtgarten?

Stefan Mertlik

Einige hören zu, viele laufen vorbei: Straßenmusiker haben es nicht leicht. Das Straßenmusik-Festival im Freiburger Stadtgarten gab den Künstlern eine große Bühne.

Bereits zum zweiten Mal hat das Musiknetzwerk Multicore das Straßenmusik-Festival im Musikpavillon des Stadtgartens veranstaltet. "Heute habt ihr die Möglichkeit, den Straßenmusikern richtig zuzuhören", erklärt Multicore-Schriftführer Markus Schillberg zu Beginn der Veranstaltung. Statt während der Shopping-Tour als Pausenfüller zu dienen, stehen die Künstler für ein komplettes Konzert im Mittelpunkt.


Das Konzept

Doch es geht nicht nur um gute Musik. Die Veranstalter möchten mit dem Festival auch auf die Situation der Straßenmusiker in Freiburg aufmerksam machen. Der Vollzugsdienst sei laut Schillberg zwar kulanter geworden, doch die Richtlinien seien – etwa mit Mittagsruhe zwischen 11.45 Uhr und 16 Uhr – noch immer hart. Er fordert daher, dass Akteure und Politiker gemeinsam an einem Tisch sitzen, um neue Regeln aufzustellen.

Die Künstler

Sechs Solokünstler und Gruppen, die regelmäßig auf Freiburgs Straßen spielen, stehen auf dem Programm. Deren Vielfalt spricht für die Stadt. George Kaiser eröffnet das Festival mit Volksliedern, Sascha Weber spielt mit Gitarre und Mundharmonika Südstaaten-Blues, die Busking Beat Brothers lassen mit Kontrabass Tanzstimmung aufkommen, Theodore Von und Ben Bronson genießen als gebürtige Kalifornier Exotenstatus und Aiana bringt mit Ukulele und Liedern in vier verschiedenen Sprachen internationalen Flair ein.

Die Lieder

Auch wenn Künstler wie Theodor Von und Aiana eigene Stücke spielen, bleiben vor allem die Cover-Songs im Ohr. Diese reichen von Fritz Graßhoffs "Halunkenlied" bis John Denvers "City Of New Orleans". Die Busking Beat Brothers bewegen mit ihren Interpretationen von "Help" und "Mrs. Robinson" das Publikum sogar zum Mitsingen. Langweile kommt nicht auf, da die Musiker jeweils kurze Sets von 20 bis 30 Minuten spielen.

Das Ambiente

Der Musikpavillon im Stadtgarten wirkt ungewohnt für die Straßenmusiker, die normalerweise in Unterführungen und an Straßenecken spielen. Doch ihnen steht diese Plattform. Dass sich die Veranstaltung trotzdem roh und handgemacht wie ihre sonstigen Auftritte anfühlt, dafür sorgt Multicore. Das Mischpult steht auf drei übereinandergestapelten Getränkekisten und der Backstage-Bereich befindet sich hinter einem Busch. Dieses Maß an Improvisation wirkt sympathisch.

Das Publikum

Von jung bis alt lauschen die Menschen auf der Tribüne des Musikpavillons. Andere breiten Decken auf den Liegewiesen aus, trinken Bier oder unterhalten sich. Die Stimmung ist gelöst, die Beifallbereitschaft groß. "Ein Cent oder 100 Euro – gebt, was ihr geben wollt", richtet sich Multicore-Vorstand Franck Mitaine an das Publikum und stellt einen Gitarrenkoffer für Spenden vor die Bühne. Die Freiburger entpuppen sich als großzügige Zuhörer.

Fazit

Drei Stunden Straßenmusik auf der großen Bühne – dass das funktioniert, zeigt das Festival. Wer dabei ist, wird den Künstlern bei der nächsten Shopping-Tour in der Freiburger Altstadt mit Sicherheit mehr Aufmerksamkeit schenken.

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