Konzert

Was ging beim... Lumpenpack im Jazzhaus?

Louisa Flach

Jung, ehrlich und bunt: zwei Wahl-Stuttgarter begeistern auf ihrer Tour und prophezeien "die Zukunft wird groß". Am Donnerstag machten sie im Freiburger Jazzhaus halt. Ob es sich gelohnt hat?

Vor allem für Mittzwanziger, die aktuell eine erste Sinnkrise erleben, eine willkommene und positive Botschaft. Aber lohnt es sich tatsächlich, zu einem Konzert zu gehen, bei dem zwei unscheinbar gekleidete Jungs mit einer Gitarre auf der Bühne stehen?


First Impression

Jonas und Max auf der Bühne – mehr ist im Jazzkeller zunächst nicht zu sehen. Minimalismus wird wie gewöhnlich großgeschrieben. Mag langweilig klingen, ist es aber keinesfalls und überrascht nicht, denn die beiden wirken eher wie Studenten als professionelle Musiker. Richtig investiert wird nur in eine Sache... die Menge an Konfetti. Ein Konzept, dem das Lumpenpack treu bleibt.

Die Stimmung

Es dauert keine 60 Sekunden, schon regnet es bunte Papierschnipsel von der Decke des Gewölbekellers. Verhaltenes Mitwippen der Besucher geht mit fortschreitendem Konfetti-Bodenbelag in ausgelassenes Mittanzen über. Es wird viel und textsicher mitgesungen, ausgelassen gelacht und geklatscht.

Die Crowd

Bunt gemischtes Publikum im ausverkauften Jazzhaus, das den "Spaß auf Cellulose-Basis" genießt. Von jungen, hippen Mädchen, über klassische Lehramtsstudenten bis hin zu fröhlich mitwippenden Mittdreißigern – an Varietät mangelt es nicht.
Immerhin kann jede Altersgruppe von den pfiffig formulierten Tipps und Tricks profitieren. Für jede Lebenslage halten die beiden Denkanstöße bereit, wie man dem Abdriften in ein spießiges Erwachsenenleben entkommen kann.

Die Mundwinkel der Besucher bleiben konstant gehoben, zum Ende des Konzerts folgen Letzteren dann auch die Arme. Das Lachen kommt keinesfalls zu kurz.

Die Band

Bunt, laut und witzig: Sobald Max Kennel und Jonas Meyer die Bühne betreten ist Unterhaltung angesagt. Die passende Portion Selbstironie verleiht den Anekdoten einen ganz besonderen Charme. Über sich selbst lachen können die beiden auf jeden Fall. Der eine spielt Gitarre, der andere tanzt, beide singen und sind ausgelassen, machen Witze oder nehmen sich gegenseitig aufs Korn. Ob Kleidungsstil (mit schwarz auf schwarz kombiniert macht Jonas nichts verkehrt?) oder sein Auftritt bei der Miniplaybackshow, bei der er "Tequila" in einem zu großen Sombrero performte – Max teilt ordentlich aus und gibt die eine oder andere peinliche Geschichte zum Besten. Die beiden scheinen sich bestens zu kennen.

Die Songs

Die Vorstellungsrunde der Band beginnt mit dem Song "Wir sind zwei" – simpler und treffender kann man sich kaum vorstellen, auch wenn man ein wenig grübeln muss, was die Wurzel aus 4 ist.

Mit ihrem Song "Guacamole" bringen die beiden die "emotionale Mikrowelle" vieler Konzertbesucher zum Überkochen. Besungen werden darin die ernüchternden Veränderungen, die im Leben eines Mittzwanzigers vonstatten gehen. Ehe man sich versieht, trinkt man kein billiges Dosenbier mehr, sondern vergnügt sich bei Weinschorle und laktosefreier Guacamole. Mit authentischen Beispielen und neckischen Wortspielen geben die beiden den unumgänglichen Komplikationen des Erwachsenwerdens eine Wendung und regen zum Nachdenken an. Ist es denn nun schlecht, langweilig zu werden, Chiasamen im Nudelsalat zu mögen oder sogar absichtlich Kinder zu bekommen?

Innerhalb eines Jahres vom Café Atlantik zum ausverkauften Jazzhaus. Gerade durch Songs wie "Guacamole" mit fast 400.000 Aufrufen auf YouTube gewann die Band an Aufmerksamkeit und spielt inzwischen eine fast komplett ausverkaufte Tour. Ungewöhnlich für ursprüngliche Poetry-Slammer, die nicht gerade dem Klischee Julia Engelmanns entsprechen.

Fazit

Die Performance lebt von Spontaneität und ironischem Humor. Ausgelassen gelacht werden kann auf jeden Fall, ob man ihre Songs schon zuvor gehört hat oder nicht. Dem Quatsch des Lumpenpacks kann man sich allemal nur schwer entziehen.

Konzertspaß für 22,50 Euro, alles in allem wirklich lohnenswert. Als echter Fan sollte man sich nach dem Auftritt mit dem neuen Merchandise des Lumpenpacks beschäftigen. Immerhin wird der Erlös dessen in neues Konfetti investiert, denn auch wenn man in einer kleinen Lebenskrise steckt, jetzt mal ehrlich, Konfetti hilft immer. Kann man davon überhaupt zu viel haben (vorausgesetzt, man muss es später nicht wegräumen)?