Was ging beim… Christopher-Street-Day 2017 in Freiburg?

Gina Kutkat

Mehr als 6000 Schwule, Lesben, Transgender, Bisexuelle und alle anderen Unterstützer feierten bei der Christopher-Street-Parade in Freiburg ein Fest für Gleichberechtigung, Toleranz und die Ehe für alle. Wie war der CSD Freiburg 2017?

Der erste Eindruck

"Das Wetter ist scheiße, aber ohne Regen gäbe es keinen Regenbogen", spricht eine CSD-Moderatorin ins Mikrofon – und die bunte Parade, die an die Vorfälle am 28. Juni 1969 in der New Yorker Christopher Street erinnert, startet mit Gejubel. Auf, vor und hinter 15 wild-geschmückten Wagen tanzen Tausende Schwule, Lesben, Transgender, Intersexuelle, Bisexuelle, Partymenschen und andere Unterstützer durch die Stadt. "Nach unserer Zählung nahmen mehr als 6000 Menschenteil", sagt ein Polizeisprecher. Die Bässe wummern, der Sekt fließt, die Glitzerpulver regnen durch die Luft. Es wird geknutscht, getanzt, gepost – und eine Botschaft verbreitet: Liebe ist für alle da.

Aufstellung in der Weerthmannstrasse

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#ehefueralle

Klar: Der CSD Freiburg steht für viele Themen und hat sich zum Beispiel dieses Jahr den Kampf gegen den Rückschritt in der Gesellschaft auf die Fahne geschrieben. Das Motto des vierten CSD seit 2002 lautet "Erfrischend un(d)beliebt". Doch ein Thema steht an diesem Samstag im Mittelpunkt: Die Ehe für alle, die am Freitag im Bundestag beschlossen worden ist. Eine historische Entscheidung - und bestes Timing für den CSD Freiburg. "Wir haben einen Grund mehr zu feiern", sagt Christian Kröper vom CSD. Laut Organisationsteam ist der Freiburger CSD deutschlandweit erste nach der Entscheidung des Bundestags.


Die Outfits

Die CSD-Parade ist ein bisschen wie Karneval, nur viel schöner und ausgeflippter. Man sieht viel nackte Haut, Glitzer, Netzstrumpfhosen, aufgeklebte Schnurrbärte (bei Männern und Frauen), Goldleggins und hautenge Bodys. Eindeutig im Trend dieses Mal: Einhornpullis und die Kombi Batik/Metallic/Leo plus John-Lennon-Gedächtnisbrille.

CSD Freiburg

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Das Publikum

Einkaufstouristen, Hochzeitsgesellschaften, Radfahrer oder Anwohner: Schon vor Beginn der LGBTQI-Parade bildet sich eine große Zuschauertraube vor der UB. Es wird brav applaudiert, als durchs Mikrofon die Ehe für alle erwähnt wird. Ansonsten blickt man in erstaunte, erfreute und skeptische Gesichter. Manche Menschen entschließen sich spontan, mitzulaufen. In der Herrenstraße stehen die Ladenbesitzer teilweise vor ihren Geschäften, teilweise hinter abgeschlossenen Türen. "Der Umsatz wäre besser, wenn der CSD heute nicht wäre", sagt einer, der namentlich nicht genannt werden möchte.

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Die Wagen

Freiburgs Dragqueen Betty BBQ hat einen Wagen, die Veranstalter der "Goldkinder"-Partys ebenso, es gibt einen Hochzeitswagen, den Truck der Rosekids, einer schwulen und lesbischen Jugendgruppe aus Freiburg. Ein Wagen der Partyveranstalter Youth Life ist dabei und einer von Fluss e.V., Freiburgs Verein für Bildungsarbeit zu Geschlecht und sexueller Orientierung – und viele mehr. Doch den meisten Feiernden scheint egal zu sein, hinter was sie hertanzen: Hauptsache, die Musik taugt und die Masse bewegt sich.

Das könnte der Wagen mit der besten Stimmung sein. #csdfreiburg

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Die Musik

"Furchtbare Musik hören sie", sagt eine Frau, die mit ihrem Mann die Parade beobachtet. Damit meint sie die wummernden Techno-Sounds, die von etwa zwei Dritteln der Wagen dringen. Es mischen sich aber auch viele Popsongs drunter – unter anderem von Rihanna oder Lady Gaga, die von vielen Schwulen verehrt wird. Auf der Höhe des Schwabentors bringt ein Song die Tanzenden zum Ausrasten: "Ain’t nobody" von Chaka Khan.

Bester Kommentar

"Mama, ist das ein Mann oder eine Frau?" Fragt ein Junge seine Mutter, als gerade zwei Dragqueens vorbeilaufen.

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Flirtalarm

Sehr sehr hoch. Wie sollte es auf einer Veranstaltung, auf der die Liebe aller zelebriert wird, auch anders sein.

Die Plakate

Auch auf den Plakaten wird die Ehe für alle zelebriert: "Ja, endlich. 30.06.2017". "Marry me". Und es wird daran erinnert, dass es beim CSD – und überhaupt – nicht nur um Schwule und Lesben geht, sondern um Menschen mit egal welcher sexuellen Orientierung: Transgender, Intersexuelle, Asexuelle, Heterosexuelle, Pansexuelle und Bisexuelle. So fasst es auch das schönste Plakat zusammen: "I don’t love men. I don’t love women. I love people." (Ich liebe keine Männer. Ich liebe keine Frauen. Ich liebe Menschen.)

CSD Freiburg 2017 lets go! #csdfreiburg

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Fazit

"Es war ein wunderschönes Fest, trotz des Wetters", sagt eine Besucherin. Freiburg kann CSD und Freiburg braucht den CSD – wo sonst haben so viele junge und ältere Menschen die Gelegenheit, zusammen zu feiern und gegen Diskriminierung zu demonstrieren. Vom anfangs schlechtem Wetter lässt sich niemand die Stimmung verderben. Auch nicht von der unglücklichen Route, die dieses Mal nicht mitten durch die Innenstadt geht, sondern einen Bogen durch die Rempartstraße schlägt. "Wir sind sehr zufrieden, es war noch besser als letztes Jahr, sagt ein Sprecher der Organisation.
Ziel der CSD-Parade war der Stühlinger Kirchplatz: Dort sollte es ab 19 Uhr Kundgebungen so wie Auftritte von Janina Vagina, Alek et Les Japonaises und Käpt’n Dirt geben. Aufgrund einer Verzögerung während der Parade erreichten die Wagen den Platz erst gegen 20 Uhr. Abends wurde im Crash und in der Mensabar weitergefeiert.




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