Was ging beim … Alan Parsons Live Project im Konzerthaus?

Simon Langemann

Ein Konzert, das durchaus seine Längen hatte, aber auch für eine Überraschung sorgte: Simon Langemann hat sich für fudder Rocklegende Alan Parsons und seine Band im Konzerthaus angeschaut.

Die Crowd

Ein gediegenes Rock-Publikum im besten Alter. Schließlich steht der Abend im Zeichen der Erinnerung: Die englische Produzentenlegende Alan Parsons und seine sieben Livemusiker befinden sich auf ausgedehnter "The Greatest Hits Tour". Und diese entstammen dem Zeitfenster 1975 bis 1987.

An der Tanke

Zu trinken gibt’s die klassisch gehobene Konzerthaus-Kost: Weißburgunder, Spätburgunder, Sekt, alkoholfreie Cocktails. Dazu mittelmäßige Brezeln.

Kassensturz

Ticketpreise von bis zu 84 Euro, dennoch so gut wie ausverkauft, und das bei insgesamt vier Shows im Südwesten Deutschlands. Läuft bei Alan Parsons. Dabei zehrt er sicher auch von der Tatsache, dass sein Projekt in den aktiven Jahren vor 1990 nie live zu erleben war.

Die Stage

The Alan Parsons Live Project – das steht auf den ersten Blick auch für eine Band mit skurrilem Erscheinungsbild. Parsons selbst gäbe im Glitzersakko und mit Schlagermatte rein optisch auch den Alleinunterhalter beim Frühschoppen her. Der 68-jährige Mastermind begnügt sich mit Akustikgitarre und Backgroundgesang und verbringt das Konzert hauptsächlich auf einem Podest im hinteren Bühnenbereich. Das hat zunächst etwas von einem müden, brummeligen Bär im Zoogehege, der sich nur noch ab und an vorsichtig in die Nähe der interessierten Gäste traut.

Geil

Doch lässt sich das Szenario, gerade wenn man Parsons genauer beobachtet und gelegentlich sein friedliches Lächeln erhascht, auch ins Sympathische umdeuten: Der verdiente Meister nimmt sich zurück und wacht von oben über seine Schützlinge, die sich vorn am Bühnenrand an Gitarre, Bass uns Saxophon verausgaben und sich abwechselnd die Seele aus dem Leib knödeln. Hat schon auch was Charmantes.

Fail

Ungeschriebene Regel im Live-Business: Je höher der Legendenstatus des Künstlers, desto mehr gilt es Pressefotografen wie Kleinkriminelle oder Demenzkranke zu behandeln. Nachdem man drei Songs lang daran erinnert wurde, dass nach dem dritten Song Schluss ist, eskortiert einen ein Konzerthaus-Mitarbeiter ganz unauffällig zur Garderobe, um darüber zu wachen, dass die Kameras auch wirklich dort verfrachtet und nicht wieder in den Saal geschmuggelt werden. Auf’s Klo darf man im Anschluss aber alleine.

Sekundenschlaf

Die erste Stunde hatte, vom eher kitschigen Softrock der 1980er geprägt, durchaus ihre Längen.

Der Wendepunkt

Doch dann geschieht Unerwartetes: Parsons kündigt eine Reise ins Jahr 1977 an, "the age of punk rock, and the year that Star Wars came out." Außerdem: das zweite Alan Parsons Project-Album "I Robot", das die Band nun "from start to finish" spielen werde. Und schon die ersten Takte des gleichnamigen Instrumentalstücks veranschaulichen, warum man das Schaffen der Engländer einstmals zwischen Artrock und Progressive Rock verortete, und nicht im Bereich Musical-Revue. Jetzt wird’s spannend!

Schwitzfaktor

Ein gediegenes Sitzkonzert. Erst als "I Robot" verklungen ist, erhebt sich die Menge jubelnd, und Parsons gibt ihr, wonach sie dürstet: Das legendär epische Instrumental-Intro "Sirius", das dem ein oder anderen Nicht-Badener womöglich als Einlaufhymne des VfB Stuttgart geläufig ist. Direkt gefolgt von "Eye In The Sky", bei dem Parsons sich doch nochmal ans Hauptmikrofon wagt. "Don't think sorry's easily said / Don’t try turnin' tables instead", erklingt seine überraschend unverbrauchte Knabenstimme. Welch herzerwärmender Abschluss.

Track-Check

1. Damned If I Do
2. Don’t Answer Me
3. Psychobabble
4. Time
5. Luciferama
6. Days Are Numbers (The Traveller)
7. Standing On Higher Ground
8. Limelight
9. Prime Time

I Robot (Album)
10. I Robot
11. I Wouldn’t Want To Be Like You
12. Some Other Stime
13. Breakdown
14. Don’t Let It Show
15. The Voice
16. Nucleus
17. Day After Day (The Show Must Go On)
18. Total Eclipse
19. Genesis Ch.1 V.32

20. Sirius
21. Eye In The Sky

Zugabe:
22. (The System Of) Dr. Tarr And Professor Fether
23. Games People Play

Pauschalurteil

Wie jedes der zahllosen Nostalgie-Events unermüdlicher Rock-Rentner schickt einen auch dieses mit ambivalentem Gefühl nach Hause. Mit einem solchen Spannungsbogen lässt sich das jedoch bestens ertragen.