Was ging bei … Y’akoto im Jazzhaus?

Sophie Aschenbrenner

Y’akoto ist 26, gebürtig aus Hamburg, aufgewachsen unter anderem in Ghana - heute wohnt sie in Hotels. Sie singt auf Englisch, ihre Bandkollegen sind Franzosen. Am Montag spielte die talentierte Sängerin, die als 'next Billie Holiday' gefeiert wird, das erste Konzert ihrer Tour - in Freiburg:



Die Crowd

Der Großteil der Besucher ist jenseits der 35, doch man sieht auch einige Studentengruppen, vor allem Mädels. Viele haben sich ein bisschen schick gemacht, man sieht eher Stiefel denn Turnschuhe und eher Handtaschen denn Turnbeutel - die meisten tragen sorgfältiges Make-Up, viele gefärbte Haare. Man trinkt Prosecco, Wein oder Bier. Angenehm: Nicht jeder macht ständig Fotos mit seinem Smartphone. Und dass auch ein Publikum jenseits der 35 ordentlich rocken kann, wird sich im Laufe des Abends noch zeigen.

Y’akotos Outfit

Diese Frau braucht nicht viel: Wilde Haare, ein gemustertes Kleid bis kurz über die Knie, viele Armreifen aus Plastik und mega High-Heels. In der Mitte des Konzerts nutzt sie ein Stück ihres Gitarristen, um sich umzuziehen: In Skinny Jeans, braunem T-Shirt und Ledermantel erntet sie erste Pfiffe. Heiße Lady, man muss es so sagen. Sexappeal gepaart mit Stimmgewalt.

Track-Check

Vor Y’akoto singen ROBB, eine Band aus fünf sympathischen Jungs, die eine Art angejazzten Soul-Pop spielen und vor allem durch die schöne Stimme ihres Sängers glänzen. Sie machen Stimmung und haben sichtlich Spaß. So ganz geht die Crowd aber noch nicht mit.

Das ändert sich, als Y’akoto und ihre Band die Bühne betreten. Die Hamburgerin strahlt: „Freiburg, wir beginnen die Tour zusammen.“ Jubel. Y’akoto bricht sofort die Barriere zwischen Bühne und Crowd und erzählt, wie aufgeregt sie ist. Sie habe sich einen Nagel abgebrochen und im Hotel sei es mit nur einer Decke viel zu kalt, es könne also nur noch besser werden. Und das wird es auch.

Beim zweiten Song grooven alle, strahlende Gesichter, wohin man schaut. Man muss diese Frau einfach mögen, ihrem Lächeln kann sich niemand entziehen, ihrer durchdringenden Stimme sowieso nicht.
Zwischen den Songs bringt Y’akoto immer wieder lustige Stories zu den Liedern. „Ich war mit einem Kerl zusammen, der ging mir tierisch auf den Sack“, sagt sie zum Beispiel zu „Moody Man“. Oder wenn sie erzählt, dass manche sagen: „Deine Show wäre doch noch viel fetter, wenn du deinen Drummer mal ins Tanktop stecken würdest.“

Hätte sicher was. Aber die Show rockt auch so. Soulige Tanznummern nehmen die Crowd genauso ein wie die ruhigen Stücke, die Y’akoto als Zugabe alleine am Keyboard spielt und singt. Man hängt ihr an den Lippen. So einfach ist das.



Wird bleiben

Ein Lied macht Y’akoto ohne die Band, das Licht geht fast komplett aus, nur ihre Haut leuchtet golden. Es geht um die Situation der Menschen auf einem Flüchtlingsboot, die Sängerin tanzt im Nebel, doch nicht geschmeidig wie sonst, sondern in abgehackten Bewegungen. Die Atmosphäre ist beklemmend. Nach dem Song steht sie lächelnd am Mikrophon und redet die Gänsehaut weg.

Wow-Effekt

Einem älteren Mann im schwarzen Hemd mit weißen Haaren liegt das gesamte Konzert über ein seliges Lächeln auf den Lippen, während er zur Bühne aufschaut. So wird es vielen gehen, zumindest innerlich. Wenn sie singt, ist Y’akoto eine Lady, die weiß, was sie will. Zwischen den Songs erinnert mit ihrem netten, strahlenden Lächeln und den witzigen Sprüchen an das Mädel von nebenan. Die Crowd liebt sie. Nach dem letzten Lied sagt Y’akoto: "Wir sehen uns doch bald wieder, Mann", und ein Zuschauer antwortet: "Bleib doch einfach hier!" Niemand will sie gehen lassen.

Fazit

„Ich singe über Menschen, und das, was uns bewegt und antreibt“, sagt Y’akoto zwischen zwei Songs. Das sind Liebeskummer und Freundschaft genauso wie die Beziehung einer alleinerziehenden Mutter zu ihrem kleinen Sohn oder die Situation von Flüchtlingen. Das Feeling kommt rüber und die Crowd liebt Y’akoto sowieso – wie könnte man auch nicht. Fazit: Man sollte diese Frau live sehen, sobald man die Chance dazu bekommt. Im Jazzhaus wäre noch Platz gewesen, ganz voll war es nicht. Doch die, die da waren, haben jede Sekunde genossen. Schon lange kein Publikum erlebt, das fast zwei Stunden so eine Party gefeiert hat.