Was ging bei... Wanda im Räng Teng Teng?

Sophie Aschenbrenner

Amore mit Wiener-Dialekt - beim Konzert von Wanda im Freiburger Räng Teng Teng flossen Schweiß und Gin Tonic in Strömen. Die Band ließ ihre Fans erst warten, entschädigte sie dann aber mit einem Knaller-Auftritt.

 

Die Band

Wanda gibt es erst seit etwa einem Jahr, doch die fünfköpfige Band um Sänger und Songwriter Marco Michael ist sehr erfolgreich. Die Österreicher singen auf Deutsch und machen rotzfrechen Indie-Poprock mit klugen und überraschenden Texten. Kürzlich wurde das Debütalbum „Amore“ releast, die Tour war fast komplett ausverkauft. Übrigens: Wanda haben sich nach Wanda Kuchwalek, der ersten und einzigen Zuhälterin Wiens, benannt, um die sich unzählige Legenden ranken.

Die Crowd

Das Freiburger Konzert war nicht, wie die meisten anderen, bereits lange im Voraus ausverkauft. Brechend voll wurde es im Räng Teng Teng trotzdem. Sehr heterogenes Publikum: Lässige Studenten mit Turnschuhen und Turnbeuteln neben junggebliebenen Mittvierzigern. Ein Typ mit schickem weißem Hemd und Anzugschuhen neben einem Bartträger mit runder Brille, Karohemd und Pullunder.

Die meisten trinken Bier, zwei Ladies auch Rotwein, viele rauchen. Aus der Masse stechen vor allem ein Mädel mit Paillettenrock und Glitzer-Haarschmuck, die in der ersten Reihe gut abgeht, und eine sehr blondierte Frau mit aufwendiger Flechtfrisur hervor. Das Räng Teng Teng ist eigentlich ab 21, zu Konzerten sind aber auch junge Leute ab 18 willkommen. Auf Wanda scheinen diese nicht zu stehen – das Durchschnittsalter liegt eher bei Ende 20.

Die Stage

Klein, in der Ecke - viel Platz ist im Räng Teng Teng ja nicht. Sänger Marco Michael steht ganz vorne, hinter und neben ihm gruppieren sich die übrigen vier Bandmitglieder an Bass, Keyboard, Gitarre und Schlagzeug. Trotz der kleinen Bühne bleibt Wanda noch genug Platz, um sich immer wieder in die Arme zu fallen, vor allem bei der Zugabe richtig abzudancen und einfach alles zu geben. Komprimierte Power in intimer Atmosphäre.

Erster Eindruck

Wanda lassen 45 Minuten auf sich warten, dann sind sie endlich da – Auftritt in Bomberjacken, Röhrenjeans, lässigen Shirts. Die Jungs wirken nicht mehr ganz nüchtern, doch das sei ihnen vergönnt: „Das ist unser letzten Tourtag. Wir sind sehr glücklich“, begrüßt Sänger Marco Michael die Freiburger in seinem sympathischen Wiener Dialekt, der sich auch durch die Songs zieht. Jubel. Noch ein Schluck Gin Tonic, dann geht’s los. Nach den ersten paar Takten hat jeder die vorangegangenen 45 Minuten vergessen – es geht ab.

Track-Check

Wanda spielen etwas über eine Stunde eine Mischung aus Songs, die sich auf ihrem Album finden, und neuen Liedern. Beim ersten Song wippen alle, ab dem zweiten beginnen die ersten zu springen. Vor allem die erste Reihe tanzt wild. Nach dem zweiten Lied zieht der Keyborder seine Jacke aus, ab dem fünften Song wird nur der Sänger seine Lederjacke anbehalten. Die Leute können mitgrölen und Textstellen ergänzen, hier sind Fans. Nach jedem zweiten Lied prosten die Bandmitglieder sich und der Crowd zu und trinken einen Schluck aus ihren Gin-Tonic-Gläsern, die sich immer wieder von selbst nachfüllen zu scheinen. Die Crowd feiert mit.

Die Österreicher singen über die alltäglichen Probleme des Lebens, manchmal lustig und ironisch, dann wieder ganz ernst, auf jeden Fall immer mit viel Herz. „Auseinandergehen ist schwer“ ist ein ehrlicher Song über Trennungen. Der Opener des Albums, „Bologna“, besingt das Verlangen nach einer imaginären halbitalienischen Cousine („Ich kann sicher nicht mit meiner Cousine schlafen, obwohl ich gerne würde, aber ich trau mich nicht.“).

Dieses Lied kennt hier fast jeder, fast alle Hände sind in der Luft. „Ich will Schnaps“ wird zu einer jazzigen Nummer, die mit der sich überschlagenden Stimme des Sängers endet. Und einer Runde Schnaps für die Band.



Highlight

Die Stimmung. Wenn Marco Michael singt, dann gibt er alles. Seine Bühnenpräsenz bringt die Luft zum vibrieren, sein Blick ist durchdringend, seine sich oft überschlagende Stimme fängt den ganzen Raum ein. „Amore“ - der Titel des Albums - ist das Leitmotiv des Abends, wird immer wieder zwischen Band und Crowd hin und her geworfen und es ist auch genau das, was Wanda versprüht: Amore, Liebe zu dem, was sie tun, und jede Menge Leidenschaft. Dieses Gefühl wird noch eine Weile bleiben.

Kostenpunkt

Acht Euro für die Karte, drei Euro für ein Bier. Macht elf Euro für ein überragendes Konzert.

Fazit

Geiles Konzert. Die Mischung aus Interaktion mit dem Publikum – von der Frage nach Feuer bis zu Mitsing-Animationen – und Bühnenpräsenz der gesamten Band haben die Crowd gepackt. Der Blick von Marco Michael wird die meisten wohl nicht so schnell loslassen, die Songs werden im Ohr bleiben. Diese Jungs sollte man im Auge behalten, soviel ist sicher.

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