Was ging bei… Tim Kasher im Swamp?

Katharina Kiefel

Irrungen und Wirrungen der Liebe, verpackt in ausgezeichnetes Songwriting, vertont mit Cello, Gitarre und der eindringlichen Stimme Tim Kashers. Die perfekten Zutaten für ein "trauriges Fest" im Swamp.

Der erste Eindruck

Jeans, Hemd und eine eigene Plastik-Wasserflasche. So betritt Tim Kasher an diesem Abend das Swamp, zusammen mit seiner Cellistin Megan, die ihr Bier behutsam neben ihrem Cello auf dem Boden abstellt. Der aus einzelnen Polaroids bestehende Gitarrengurt ist ein kleiner Eyecatcher in dem ansonsten schlicht gehaltenen Erscheinungsbild Tim Kashers.
Die kleine Bühne im Swamp mit Teppichboden, die alte Couch rechts daneben, die schummrige Beleuchtung und die offensichtliche Vertrautheit zwischen Tim und seiner Cellistin Megan fügen sich zu einem stimmigen Bild zusammen und lassen das Publikum in die Musik eintauchen.

Die Show

"Let’s do this? – Let’s do this!": Tim Kasher ist mit seinem neuen Soloalbum "No Resolution" im Swamp, begleitet von seiner Cellistin Megan. Kasher kennt das Swamp und Freiburg bereits, 2014 stellte er hier sein zweites Album "Adult Film" vor. Kein Mann großer Worte, beginnt Tim Kasher fast schon bescheiden seine musikalische Geschichte zu erzählen. Kasher und seine Cellistin verstehen sich ohne Worte, kommunizieren über Blickkontakt auf der Bühne, Megan sieht Tim an, während er singt und genießt ihr eigenes, kleines Konzert.

Ab und zu bricht Kashers Stimme etwas ab, klingt angeschlagen.Das Publikum lauscht gebannt, ein Zuschauer versucht, so leise wie möglich sein Kleingeld für ein Bier abzuzählen und wird dabei sofort mit strafenden Blicken belohnt. Tim Kasher erzählt von Konzerterlebnissen in Spokane, Washington, kündigt sarkastisch seinen nächsten Heavy-Metal-Song an und verweist auf seinen Tourmanager Ingo, der am Ende des Raumes am Merch-Stand steht und offensichtlich Spaß hat "Ingo has a lot of fun, he really is, look at him nodding his head", lacht Tim ins Mikrofon.

Die Musik

The Goodlife und Cursive heißen die Bands von Tim Kasher, mit denen er bekannt geworden ist. Sein aktuelles Album "No Resolution" ist als Konzeptalbum aufgebaut, das stringent eine Beziehungsgeschichte beschreibt, orchestral vertont und gleichzeitig Soundtrack zu dem gleichnamigen Film ist, bei dem Kasher selbst Regie führt. Die Geschichte in 15 Kapiteln handelt von einem Paar, das sich in eine unglückliche Ehe mit Problemen, Unsicherheiten, Herzschmerz und Hoffnungslosigkeit manövriert.

Die Musik ist getragen, ruhig und oftmals traurig-melancholisch. Das Cello schmiegt sich an den oft ausbrechenden Gesang Kashers, erzeugt Spannung durch dissonante Klänge, die sich aufschaukeln und wieder in Harmonie aufbrechen, untermalt mit weichen Klängen den Herzschmerz und unterstreicht den Soundtrack-Charakter des Albums.

Etwas chaotisch anmutender Rock erhält ebenso Einzug in Kashers Musik, wie auch schwerelose Orientierungslosigkeit und sich hochschaukelnde Refrains, die dann wiederum für ein Zufriedenheitsgefühl sorgen.

Das Publikum

Fans der ersten Stunde und Menschen, die sich den renommierten Songwriter auch einmal anhören wollen. Ein– alterstechnisch – eher aufwärtsstrebendes Publikum, dass an diesem Abend Musik und Stimmung genießt – leicht mitwippend, verträumt lächelnd oder den Text leise mitsingend. Melancholisch wurde trotz der Songs voller Herzschmerz, Hoffnungslosigkeit und erkalteter Liebe hoffentlich niemand – mit einer guten Portion Zynismus und Ironie entlockte Tim Kasher dem Publikum das ein oder andere Lächeln.

Zugabe

"You do, you do, you do, you do, you do....." beginnt Tim Kasher seine Zugabe, "The Beaten Path", vom 15 (!) Jahre alten Album "Black Out". Er hält kurz inne und blickt zu seiner Cellistin, die sich für die Zugabe auf einen Stuhl neben der Bühne gesetzt hat: "Do you see that?" – Megan lacht: "I do!" Das Publikum lacht und Tim meint "I picked the right Song, they’re happy".

Kassensturz

14 Euro an der Abendkasse, für die man an diesem Abend exquisites Songwriting eines begnadeten Indie-Rockers geboten bekommt. Daumen hoch!

Pauschalurteil

Tim Kasher überrascht selbst als "alter Hase" im Indie-Rock mit seinem aktuellen Konzeptalbum und ungewohntem orchestralen Sound. So schön kann wohl nur ein Tim Kasher eine zerrüttete Beziehung klingen lassen.

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