Konzertkritik

Was ging bei... Thirty Seconds To Mars in der Sick-Arena?

Simon Langemann

Ein selbstbewusster Jared Leto, eine falsche Deutschland-Flagge und der ganz große Stadion Pop: Die Amerikaner von Thirty Seconds To Mars spielten in der Freiburger Sick-Arena. Der Funke wollte allerdings nicht überspringen.

Der erste Eindruck

Als Intro erklingt das schroffe Instrumental "Monolith" vom aktuellen Thirty Seconds To Mars-Album "America". Ein Spotlight richtet sich auf Drummer Shannon Leto. Dann kommt sein Bruder Jared im seidenen Kimono auf die Bühne gelaufen und breitet die Arme aus wie Jesus.

Die Crowd

Die Musik von Thirty Seconds to Mars ist gemacht für die ganz großen Arenen. Insofern wirkt die Band vor ein paar tausend Leuten in der mit einem Vorhang verkleinerten Sick-Arena ein wenig Fehl am Platz. An Selbstbewusstsein mangelt es Jared Leto natürlich trotzdem nicht. Gleich beim ersten Song "Up In The Air" fordert er das Publikum auf, in die Hocke zu gehen und seine unsäglichen Stadionchöre mitzusingen. Klappt erst mal gar nicht so schlecht.

Die Stimmung

Ansonsten blickt Jared Leto aber auf eine recht verhaltene Meute. Der berühmte Funke will nicht so recht überspringen. Ist aber halb so schlimm. Bei "Kings And Queens" etwa kommen die Chöre sowieso vom Band. Wie so vieles an diesem Abend.

Die Band

Stadion-Rock 2018 geht offenbar auch (weitgehend) ohne Gitarren. Jared singt, Shannon trommelt und der neue Ersatzmann für den ausgestiegenen Multiinstrumentalisten Tomislav Miličević bedient wahlweise Bass, Gitarre oder Keyboards – muss sich dafür aber stets am hintersten Bühnenende verkriechen. Der Rest kommt als Playback hinzu. Das mag beim neuen Elektro-Sound der Band gar nicht so abwegig sein. Bei älteren Stücken wie "This Is War" hat es hingegen schon nicht einmal mehr Konzert-Charakter.

Die Performance

Mal trabt Jared Leto auf der Bühne umher wie ein Tier im Gehege, mal gibt er den bemühten Einheizer – selbst wenn sich die Mühe teilweise auf ein dreifaches, langgezogenes "Haaallooooo" beläuft. Immer wieder holt er Fans auf die Bühne und ist sich selbst für die ganz abgestandenen Animationsspielchen (Wer ist lauter, die linke Hälfte der Crowd oder die rechte?!) nicht zu schade. Im dramatischen Emo-Songs wie "From Yesterday", die – wenn überhaupt – von ihrer rührigen Atmosphäre leben, nutzt Leto jede Gesangspause für Aufforderungen wie "Sing it as loud as you caaaaaaaan." Das wirkt wie ein Herumtrampeln auf den eigenen Songs.

Der Ausrutscher

Einmal weicht der gut gelaunte Animateur dann aber doch der zickigen Diva. Die Luft ist noch verhältnismäßig gut, doch Jared Leto sieht das offenbar anders und blafft das Security-Personal an: "Open the fucking doors or I won’t play."

Das Missverständnis

Man stelle sich vor, dass der Mann in diesem peinlichen Spektakel zu allem Überfluss auch noch mit einer riesigen Deutschland-Fahne auf die Bühne spaziert – welch Pointe. Doch die blieb einem an diesem Abend glücklicherweise erspart. Denn Thirty Seconds To Mars hatten offenbar nur eine Belgien-Flagge dabei. Welche Farben Leto dann wohl vor zehn Tagen in Brüssel geschwenkt hat?

Das Ende

Für "Closer To The Edge" darf nochmal eine Horde Fans auf die Bühne kommen, um im Hintergrund zu tanzen. Danach verlässt Jared Leto wortlos die Szenerie. Nach wenigen Sekunden setzt die obligatorische Hintergrundmusik ein, nach einer Zugabe schreit kaum jemand. Selten so klare Verhältnisse gesehen.

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