Was ging bei... The Great Lake Swimmers im Swamp?

Katharina Kiefel

Verträumt, himmlisch, nach vorne gewandt: The Great Lake Swimmers haben am Mittwoch im Swamp zum Anfassen nah gespielt. Woher der Song "Talking in your sleep" seinen Namen hat und was die kanadischen Folk-Lieblinge vor dem Konzert zum Abendessen hatten:



Der erste Eindruck

Die kanadische Folk-Band um den Singer-Songwriter Tony Dekker macht zunächst einen ruhigen, zurückhaltenden Eindruck, als sie vor dem im Swamp eng gedrängten Freiburger Publikum die Bühne betritt. Ohne längere Monologe oder Begrüßungsreden zu halten, beginnen die Great Lake Swimmers ihren Auftritt. Der hüllt das Publikum innerhalb weniger Augenblicke in eine fast andächtige Atmosphäre.

 

Die Musik

 
Die Great Lake Swimmers machen Folk. Verwurzelt in der Musik der späten 1960er Jahre rund um Neil Young und Nick Drake, handeln die nachdenklichen Lieder oft von der Verbundenheit zur Natur, ihrer Spiritualität und Schönheit. Neben der bildhaften und metaphernreichen Sprache ist es vor allem Dekkers sanfte Stimme, die den Zuhörer in eine träumerische Stimmung hüllt.

Dabei wirkt die Musik der drei aus der Umgebung Torontos stammenden Kanadiern – von denen entgegen aller Vorurteile nur einer ein Holzfällerhemd trägt – nicht träge und langweilig, sondern schafft es, sich vom "Hört-man-beim-Abwaschen"-Image zu befreien.

 

Die Crowd

 
Bumsvoll und ausverkauft ist das Swamp an diesem Mittwochabend. Körperkontakt vorprogrammiert. Kein Problem für das Great Lake Swimmers-Publikum, das sich größtenteils aus Mittzwanzigern und -dreißigern zusammensetzt. Die sind nicht auf progressives Tanzen, sondern vielmehr auf "atmosphärisches Kopfwippen", wahlweise mit geschlossenen Augen, aus.

Aus den hinteren Ecken des auf gefühlte 40 Grad erwärmten Swamp, hat man kaum Chancen, einen Blick auf die drei Indie-Kanadier von den Großen Seen zu erhaschen. In diesem Fall hilft ein über der Stage angebrachter Spiegel, der sowohl die Band von hinten, als auch die ersten Reihen des Publikums im Spiegelbild sichtbar macht.

Das Publikum saugt die Musik und die Stimmung auf, wippt entspannt mit und füllt die Pausen zwischen den einzelnen Songs mit begeistertem Applaus. Einige Konzertbesucher unterhalten sich derweil über aktuelle Fußballergebnisse oder darüber, wie sie "Indie-Musik" für sich entdeckt haben. Das wird nicht so ganz akzeptiert – mahnende Blicke aus dem Publikum sorgen schnell für Ruhe.

 

Szenen des Abends

 
Zwischen Great Lake Swimmers-Klassikern wie "Your Rocky Spine", oder "Still" richtet Tony Dekker auch einige Worte an das Freiburger Publikum; so erklärt er etwa den tieferen Hintergrund des Songs "Talking in Your Sleep": "The next song is called talking in your sleep, it's about talking in the sleep, that's why it´s called, talking in your sleep". Gelächter aus dem Publikum, das sich in den vordersten Reihen so nah um die kleine Bühne schart, dass Tony schmunzelnd meint: "you guys are so close, you can probably tell what I had for dinner tonight. Thank god it was only cheese noodles". Lächelnd stimmt er den nächsten Song an, zu dem er seine "German Machine", die Mundharmonika heranzieht.

Nach nicht ganz 1,5 Stunden beenden die Great Lake Swimmers das Konzert mit den zwei Zugaben "Desperate Kingdom of Love" und "Moving Pictures Silent Films", in dem Erik Arnesen am Banjo alles gibt.

 

Kassensturz

 
9 Euro im Vorverkauf, Bier für ein paar Euro dazu. Den Saunaaufguss im proppenvollen Swamp gabs gratis dazu!

 

Fazit

 
Die Great Lake Swimmers liefern kanadischen Folk vom Feinsten ab und begeistern das Freiburger Publikum, das gespannt bis zur letzten Minute lauscht: "Thank you guys, you've been a great audience! Thank you so much, Freiburg!"

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