Jazzhaus Freiburg

Was ging bei … Tex im Jazzhaus?

Carolin Buchheim

Mitsingen, das war am Dienstagabend im Jazzhaus beim Konzert des Großmeister des deutschen Singer-Songwritertums Tex ausdrücklich erwünscht. Die Kurzkritik des kuscheligen Konzerts.

Die Stage

Das Jazzhaus ist am Dienstagabend sehr ordentlich besucht. Und vor allem auch: bestuhlt. Tex ist auf der "längsten Tour seines Lebens" ganz alleine unterwegs. Auf der Bühne stehen sein Keyboard, die Gitarre – und vor zwei viereckigen Leinwänden zwei Beamer.

Track-Check

Tex startet mit "Von hier bis auf’s Dach" ins Konzert – und bricht nach dem ersten Vers ab. "Ich hab vergessen, das Mitsingen mit Euch zu üben!" Also noch mal von vorn ein bisschen üben, dann los. Und: alle singen mit. An Keyboard oder Gitarre gibt’s von Tex seine Hits, und er hat – immerhin macht er diese Sache mit der Musik seit mehr als zwanzig Jahren – einige: "Juli" (der Song, nach dem sich diese eine Band benannt hat!), "Cola", "Hallo Julia", "Düster bist Du schön", "Heil mich", "Von meinem Planeten".

Damit Tex nicht so ganz allein ist, den ganzen Abend über, gibt’s auf den beiden Großleinwänden Duetts mit mehreren Sängerinnen: Ida Wenøe singt mit ihm etwa "Bitte denk nicht mehr an mich". Dazwischen erzählt er charmant Anekdoten: Etwa von seinem vergessenen Tourfahrrad in Regensburg und einem erstaunlich romantischen Aufriss vor vielen Jahren nach einem Konzert mit "The Buddhas" im Theater Freiburg.



Die Crowd

Mehr Frauen als Männer; darunter Freundinnengruppen und viele Paare – und die meisten sind textsicher.

Fail

Auch Alin Coen singt von der Leinwand mit Tex: "Haut". Doch überlebensgroß wirkt ihr sehr expressiver Gesang in dieser virtuellen Performance ein bisschen befremdlich.

Geil

Die letzten Songs und die Zugabe gibt’s akustisch aus der Menge. Schön.

Kassensturz

17 Euro an der Abendkasse: Man will dem Guten eigentlich mehr geben. Wer das will, kann das Songbook mit allen Texten und Akkorden kaufen: 15 Euro. Das Gefühl nach so einem Abend ist aber, echt jetzt: unbezahlbar.

Sprit-Check

Rotwein.

Schwitzfaktor

Kuscheligwarm, aber von den Gefühlen her. Ein bisschen weniger allein, auf jeden Fall.

Flirtalarm

Eher nicht so. Dabei könnte man hier sicher gut jemanden finden, der ein bisschen kompliziert ist und keine Angst hat vor komplizierten Menschen. Sind hier nicht alle ein bisschen "Juli"?

Meine 15 Sekunden Ruhm

Okay, nicht mein Ruhm, aber fast: Es ist Zeit für die Zugabe, Tex steht mit seiner Gitarre in der Menge. "Wenn ich die Gäste bei TV Noir frage, wer sie am meisten beeinflusst hat, fällt dieser Name öfter, als jeder andere", sagt Tex. "Rio Reiser!" Mein Begleiter ist gleich Feuer und Flamme: "Singst Du jetzt ’Land in Sicht’?" ruft er laut in den Raum. Tex muss ihn enttäuschen. "Nee, aber das ist auch ein guter Song." Dann stimmt er "Junimond" an.

Pauschalurteil

Tex massiert mit seinen Liedern die Herzen blutig, schon immer, und man kann nicht anders, als ihm volle Konzertsäle zu gönnen, nach all den Jahren, all dem Engagements für anderen Bands und Musikern in zehn Jahren TV Noir. Und ja, über die Sache mit dem 17 Kilo schweren Kaninchen im Kopf kann man echt zwei Wochen drüber nachdenken.