Was ging bei... Tex im Jazzhaus?

Alexander Ochs

Einer vor und für 200: Wenn man es nicht besser wüsste – es ist immer wieder erstaunlich, was für Glücksmomente diese ebenso simple wie anspruchsvolle Konstellation auslösen kann. So war es bei Tex im Jazzhaus.

Die Ausgangslage

Kein Orchester, keine Band ist diesmal nötig, um Musik unter die Leute zu bringen: Am Dienstagabend im Jazzhaus reicht ein gut aufgelegter Tex, der mit Akustikgitarre und Klavier zu Werke geht. Dabei ist die Ausgangslage misslich: Sein helfende Hand "Bendiks" ist krank und der Mittvierziger somit ganz auf sich gestellt. Jedoch schafft er es am Ende doch auf vielfältige Art, nicht mutterseelenallein auf der Bühne zu wirken.

Die Musik

Liedermacher oder Singer/Songwriter ist wohl die passende Berufsbezeichnung für den sympathischen und charismatischen Mann – zumindest an diesem Abend. Sonst ist er Moderator des von ihm ersonnenen Formats "TV Noir", in das seine Songs wunderbar reinpassen. Seine Songs – das ist so eine Sache. Mit dem traditionellen Veröffentlichen hat er es nicht so. Einmal, das war 2004, hat Tex in Eigenregie ein Album herausgebracht, und im Laufe der Jahre kamen viele weitere Stücke hinzu, meist Duette mit Sängerinnen, die er per Video zirkulieren ließ. Aus diesem Fundus bestreitet er das Programm. Viele davon hat er im letzten Jahr auf seinem neuen Longplayer "Von hier bis aufs Dach" erneut versammelt, angereichert um einige weitere Stücke wie das tolle "Where Is The Good in Goodbye" oder "Von meinem Planeten".

Track Check

Manchmal kann Magie so einfach sein. Ein Mann singt und musiziert vor knapp 200 Zuschauern. Und das funktioniert ganz wunderbar. Tex holt sich im Handumdrehen zwei Säulenheilige herbei: Rio Reiser und Leonard Cohen, die ihm helfen, durch den Abend zu führen. "Meine großen Vorbilder", wie er sagt. So kredenzt er "Stiller Raum" ganz wunderbar und traut sich ans großen "So long Marianne" ran. Beide Aufgaben meistert er mit Bravour, den leicht nöligen Reiser-Ton genauso wie das Federnde und doch Brüchige eines Cohen.
Auffällig ist die Liebe zum Detail, die Hingabe im Texten. Seien es sorgsam gesetzte Schüttelreime an Schlüsselstellen im Lied (Heil mich../ Heimlich...) oder ein liebevoll rhythmisierter Text, der zwischen Sprechgesang und nuscheligem Erzählfluss pendelt und Wortgrenzen sprengt. Durch den Wechsel zwischen Gitarre und Piano, zwischen laut und leise, auch durch einige Mitsingparts (und eine Pause) gestaltet der schwarz gewandete Musiker seine Show abwechslungsreich.

Ein Knalleffekt, zweimal gezündet, zaubert weibliche Unterstützung fürs Duett herbei: Auf einer quadratischen Leinwand erscheint überlebensgroß zum einen die Dänin Ida Venøe, zum anderen Alin Coen. Aller Skepsis zum Trotz: Das hat was. Und ganz am Ende spielt Tex zwischen den Zuschauern "Halleluja". Hach.

Geil

Heldin des Abends ist Christiane aus dem Publikum: Sie springt nach Tex" Frage spontan auf, um den weiblichen Part in Glen Hasards Ballade "Falling Slowly" zu übernehmen. Ihre glockenklare Stimme haut alle von den Stühlen. Sensationelle Performance. Auch Tex ist von den Socken. "Christiane, gibt’s dich auch als Website?"´– "Nö, nur als E-Mail."

Kassensturz

15 Euro sind nichts für einen dermaßen charmanten Abend, der inklusive Pause zwei Stunden währt. Pure Magie. Kann man sonst nicht kaufen. Muss man erlebt haben.

Fazit

Glatte Eins