Was ging bei … Teesy auf dem ZMF?

Cristina Morales

Hipstergirls, Raop und Soul: Der Berliner Sänger Teesy hüpft zu selbstgeschrieben Texten und flirtet subtil mit seinen Anhängern. Wie sein Auftritt am Mittwochabend im Spiegelzelt beim ZMF war.

Die Crowd

Das Spiegelzelt ist zu Beginn des Konzerts noch halb leer. Oder halb voll? Egal, es sind vor allem junge Menschen gekommen. Vereinzelt werden die Jugendlichen zwischen 15 und 18 Jahren von ihren Eltern begleitet. Blick in die Crowd: Studentinnen in bauchfreien Tops mit knalligem Lippenstift. Die wenigen anwesenden Männer schwingen mit Basecaps auf dem Kopf ihren Oberkörper zu Teesys Gute-Laune-Songs. Eine Frau mittleren Alters mit buntgesprenkeltem Shirt wippt rechts von der Bühne vor sich hin, bis sie wieder in der Menge verschwindet.

Der Charmeur

Als Teesy die Bühne betritt, kreischt das überwiegend weibliche Publikum. Teesy ist lässig gekleidet: Die grüne Cap trägt er verkehrt herum. Schwarz-rote Rauten zieren sein offenes Hemd. Dazu eine schwarze Hose und ein weißes Shirt. Bei den ruhigen, romantischen Songs schüttet Teesy sein Herz aus und es geht ein "Awwww" durch die Reihen. Mit Sätzen wie "Damen alles zu seiner Zeit" kaschiert er den verfrühten Gesangseinsatz seiner Fans. So zaubert er seinen weiblichen Zuhörern ein Lächeln auf das Gesicht und alles ist wieder gut. Teesy selbst grinst verschmitzt. Ein Charmeur!

Hallo, 21. Jahrhundert

Statt Feuerzeuge halten die Fans Smartphonelichter und glitzernde Cocktailstäbe in die Luft. Teesy zückt kurz sein silbernes Iphone: "Ich mach' mal kurz ne Insta-Story."

Track-Check

Entspannte E-Gitarrenklänge leiten das Konzert ein und werden dann von einem Schlagzeug und zwei Keyboards begleitet. Teesy spielt "Wünsch Dir was" als erstes Lied. Mit "Rom & Paris" bringt er dann die Fans zum schmachten. Bei der Zeile "Du bist gerade richtig" füllt der Gesang aus dem Publikum den mittlerweile fast vollen Saal. Bei "Wen rufst Du nachts an?" zeigt sich Teesy noch einmal von seiner gefühlvollen Seite. Dann wechselt die Stimmung von ruhig zu energiegeladen. Er beginnt, "Generation Maybe" zu rappen. Die Band spielt dramatische Rhythmen und eine junge Frau aus der Crowd schwingt mit Drumsticks um sich.

Fail

Auf Teesys Aufforderung, ein Kleidungsstück ausziehen und damit herumzuwedeln, reagiert nur die erste Reihe. Teesy kann singen, aber zu einem unvergesslichen Konzertauftritt reicht es (noch) nicht. Richtig ins Schwitzen scheint keiner zu kommen- bis auf Teesy und seine sechs Bandkollegen.

Geil

In der ersten Reihe stehen Outfit-Twins: Die beiden Teeniegirls tragen selbstbeschriebene Tank-Tops im Partnerlook mit der Aufschrift Teesy. Irgendwann schenken sie ihm ein selbstgebasteltes Plakat. Teenie-Fandom in Reinform.

Der Berufswunsch

Dass der Teesy eigentlich mal Lehrer werden wollte, kann man fast nicht glauben. Er selbst wohl auch nicht: "Ich kann mir nicht vorstellen, wie meine Eltern zu arbeiten."

Kassensturz

Die Konzertkarten für je 29,70 Euro sind für junge Menschen nicht gerade günstig. Dafür gibt es gute Laune und seichte Unterhaltung.

Pauschalurteil

Die Performance zu seinem Album "Wünschdirwas" ist eine abwechslungsreiche Mischung aus romantischen Raop-Songs und Hip-Hop mit nachdenklichen Texten. Teesy ist ein guter Entertainer. Er singt, tanzt, rappt und kann mit seiner vielseitigen Stimme selbst die erwachsenen Zuhörer zum Tanzen animieren. Trotzdem fehlt noch das gewisse Etwas für einen perfekten Auftritt.