Was ging bei… Sookee im Jazzhaus?

Alexander Link

Die Berliner Rapperin Sookee bringt das Publikum im fast ausverkauften Jazzhaus zum rücksichtsvollen Tanzen und Feiern. Sie zelebriert ihre politischen Texte und begeistert ihre Fans mit klaren Positionen gegen Sexismus, Rassismus und Homophobie.

Der erste Eindruck

Sookee schafft es, gemeinsam mit ihrem Drummer und Bassisten, in einem 100-minütigen Liveset ihre bunt gemischten Fans zum rücksichtsvollen Feiern zu animieren.

Der Supportact

Jennifer Gegenläufer ist mit Sookee zusammen auf "Mortem & Makeup-Tour" und wärmt das Jazzhaus mit ihrem "Kampflesbenswagger" in punchlinegespickter Battlerapmanier bereits zehn Minuten vor offiziellem Konzertbeginn auf. Und das, obwohl sie eigentlich immer zu spät komme, was sie selbstironisch mit ihrem Song "Zuspätkommer-Gang" aufgreift. Die Leute bejubeln ihren gelungenen Freestylerap, den sie mit Hilfe von Tannenzapfen, Handtaschen und Aluhüten aus dem Publikum gestaltet.

Die Crowd

Das Jazzhaus ist prall gefüllt mit überwiegend jungen Menschen, hier und da stehen auch ein paar ältere. Es herrscht leichter Frauenüberschuss. In der ersten Reihe stehen ein paar Fans mit selbstgebastelten Aluhüten in Anspielung auf Sookees Verschwörungstheorie-kritischen Track "Bilderbücher Konferenz". Ansonsten ist die Crowd bunt gemischt: Man sieht viele T-Shirts mit politischen Statements gegen Rechts und blickt in lachende Gesichter. Sobald Sookee die Bühne mit ihrer Zweimannband betritt, strömen alle nach vorne. Trotz der vielen Anwesenden kommt es aber nicht zu Rempeleien und das Publikum beherzigt bis zum Schluss Sookees Anliegen "aufeinander zu achten und rücksichtsvoll zusammen auszurasten".

Die Performance

Sookee steht flankiert von Schlagzeuger und Bassist auf der Bühne und baut wechselseitig mit dem Freiburger Publikum eine Verbindung auf. Sie gastiert, nach Auftritten auf dem CSD und im White Rabbit, zum dritten Mal "links unten auf der Landkarte" und entschuldigt sich nach den beiden Eröffnungssongs für ihren verschobenen Tourtermin im November 2017. Sie möchte mit ihren Songs unseren Umgang miteinander verändern, engagiert sich für Minderheiten und lobt die bisher erreichten Fortschritte in mehreren Statements zwischen ihrer Setlist.

Dabei lässt sie sich auch nicht von dem mitten im antirassistischen Song "Zusammenhänge" ausgehenden Mikro abhalten. Die Rapperin wendet sich an ihre Tonleute: "Nazis sind auch morgen noch da, die kann man auch noch morgen beschimpfen!" und beginnt den Track nochmal von vorne. In "Hüpfburg" thematisiert sie das Aufwachsen eines Kindes in einer rechtsradikalen Familie. Einige skandieren "Alerta Alerta Antifascista!" danach. Anstelle einer Ansage gegen Nazis beginnt sie, nach einem Hinweis aus dem Publikum, den Geburtstag eines Anwesenden singend zu beglückwünschen und der Rest stimmt mit ein. Sookee verschenkt ihr Bier ins Publikum und weist auf den Viva con Agua-Stand hin.

Die Musik

Sookee bringt ihren Polit-Rap mit ihrem neuesten Album "Mortem & Makeup" sehr überzeugend und locker auf die Bühne. Ihre früheren Songs wurden oft als dogmatische Vorträge kritisiert. An diesem Abend lässt sie ihre Fans an der Entstehungsgeschichte einzelner Stücke teilhaben. So inspirierten sie die Szene aus dem Dschungelbuch-Film, in der das Mädchen von ihrer reproduktiven Rolle erzählt und Mogli zu den Menschen lockt, zu dem Sample des Songs "Who Cares". Eine auf den ersten Blick sexistische Karikatur mit einem Mann, der einer Frau einen Besen mit der Frage "Do you know how to use this?" hinhält, woraufhin letztere mit dem Besen wegfliegt, regte Sookee zum Refrain an. Ein paar Fans rufen daraufhin "kein Gott, kein Staat, kein Patriarchat!". Sookee, die Linguistik und Gender Studies studierte, erzählt, dass sie ihre Promotion abgebrochen habe, im Gegensatz zu Jennifer Gegenläufer nicht Freestyle, dafür aber Doubletime rappen könne, was sie umgehend beweist.

Set-List

In ihrem Set finden sich überwiegend Songs vom aktuellen Album: "Kontrollverlust", "Q1", "Die Freundin von", Queere Tiere", "Der Schrank", "Hurensohn", "Ruhe" und "SSRI". Außerdem ältere Tracks wie "Siebenmeilenhighheels", "You Only Die Once", "Emoshit & Hippietum" und "Pro Homo". Als Zugabe folgt noch das Remake von Jennifer Rostocks "Hengstin".

Was in Erinnerung bleibt

Bei "Bitches Butches Dykes & Divas" lädt Sookee ihre Fans dazu ein, die nicht vorhandene Absperrung vor der Bühne zu nutzen, um stagediven zu gehen. Während des gesamten Songs reist der Strom von Menschen nicht ab, die von der Bühne aus bis zur Lichttechnik nach hinten crowdsurfen gehen. Insgesamt herrscht eine sehr angenehme Konzertatmosphäre, da die vielen Menschen rücksichtsvoll miteinander umgehen und kaum nervende Handydisplays aufblitzen.

Fazit

Sookee und ihre Band spielen ein abwechslungsreiches und schönes Konzert. Sie versetzen das Publikum mit starken Texten in Euphorie und Feierlaune. Ihre Fans tanzen ausgelassen und achten aufeinander.

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