Was ging bei... Seven auf dem ZMF?

Bernhard Amelung

Liebhaber von Soul abholen, gleichzeitig dem Pop-Mainstream gefallen: Diese Gratwanderung meistert der Schweizer Sänger Seven mit seinen Songs. Wie ihm die Umsetzung im Spiegelzelt beim ZMF gelungen ist?


Die Stage

"Ist er das? Ist er das? Der sieht doch eigentlich jünger aus." Eine Frau Anfang 30 fragt ihre Freundin, ob der Mann, der soeben die Bühne des Spiegelzelts betritt, jener Seven sei, der an diesem Abend ein Konzert geben soll. Wahrscheinlich war sie noch nie auf dem Zelt-Musik-Festival. Sonst hätte sie gewusst: Kein Konzert, ohne dass Festivalgründer Alexander Heisler das Publikum begrüßt und den Künstler vorstellt. Heisler tritt Punkt 21 Uhr ins Scheinwerferlicht, fragt, wie oft Seven bereits in Freiburg war – und dann steht der Schweizer Soulsänger und Musiker auf der Bühne und gibt sein Freiburg-Debüt.

Die Crowd

Steht in Freiburg "Soul" oder "Funk" in der Künstlerbeschreibung, kommen in der Regel nur kauzige Nerds zu den Konzerten. Oder gar niemand. Schwarzamerikanische Popmusik fristet im Breisgau ein Nischen-Nischendasein. Es sei denn, die Künstler landen einen Konsens-Hit wie es Gregory Porter 2013 mit seinem Album "Liquid Spirit" getan hat.

So ungefähr hat Seven, der eigentlich Jan Dettwyler heißt, im Frühjahr 2015 mit "BackFunkLoveSoul", seinem inzwischen zehnten Studioalbum, in seiner Schweizer Heimat gezündet. In Freiburg verschafft ihm an diesem Sonntagabend sein Auftritt in der dritten Staffel der TV-Sendung "Sing meinen Song" einen Popularitätsbonus und ein entsprechend ausverkauften Spiegelzelt. Frauen- und Männergruppen ab 35 dominieren den Gesamtbesuch.

Track-Check

Seven sagt über sich selbst, er sei schon immer afroamerikanophil gewesen. Er liebe afroamerikanische Popmusik und -kultur, bittersüße Soul-Balladen und den rohen Funk mit seiner durch und durch sexuell aufgeladenen Atmosphäre. Prince und Michael Jackson, George Clinton und Marvin Gaye, Stevie Wonder und D’Angelo nennt er als Vorbilder. Ob man sich als Weißer aus schwarzen Identitäten eine eigene montieren, ob man sich Blackness aneignen kann, sei an dieser Stelle einmal dahin gestellt. Zumal Seven sagt: "Wenn man etwas liebt, gibt es keine dummen Ideen. Es wäre nur dumm, sie nicht zu verwirklichen."

Die Liebe zu afroamerikanischer Popmusik äußert sich bei dem 1978 geborenen Sänger und Musiker wie folgt: Für seine Studioalben fliegt er mehrmals in die USA, arbeitet unter anderem mit den Rappern Talib Kweli und Omar zusammen und hat sich für sein aktuelles Album "BackFunkLoveSoul" mit der "Rad" genannten Pianisten Rose Ann Dimalanta zusammen getan, 2003 und 2004 Tour-Pianistin von Prince. An die Musik dieses im April dieses Jahres verstorbenen Künstlers erinnern "No" und der Titeltrack des Albums, der zweite Song des Spiegelzelt-Konzerts. Weiter geht’s mit "Make You Happy", "Oh, oh, oh, oh, yeah", "Walking With You", "Wake Up" und "Lisa". Den offiziellen Teil seines Konzerts beendet er mit seiner Soul-Version von Nenas Überhit "99 Luftballons".

Fail

Wie immer nerven Gäste, die ihre Neurosen und Alltagsprobleme auf das Konzert bringen und mit ihrem Dauergeschwätz anderen Gästen den Konzertgenuss verderben. Das ist respekt- und rücksichtslos, dem Künstler und den anderen Gästen gegenüber.

Geil

Die Stimme von Seven, der Klang der Band, das dynamische Wechselspiel zwischen ruhig-balladesken, sphärischen Songs und kraftvoll-kantigen Groovern, zu denen man am liebsten Rollschuhe anziehen und – Rollerdisco-like – durch das Spiegelzelt flitzen möchte.

Kassensturz

Rund 25 Euro fürs Ticket, vier Euro für eine Flasche Mineralwasser. Wenigstens ein alkoholfreier Tag in der Woche muss sein.

Sprit-Check

Sekt, Sekt auf Eis, Bier, Apfelschorle. Das sind die liebsten Getränke. In dieser Reihenfolge.

Schwitz-Faktor

"Wir sind komplett nass geschwitzt", sagt Seven nach dem dritten Song. Und: "Heiß ist’s. Ihr seid heiß".

Flirt-Faktor

I love you but I’ve chosen disco.

Fazit

Liebhaber von Funk und Soul abholen und an sich binden, gleichzeitig einem breiten Mainstream-Publikum gefallen – diesen Spagat meistert der Schweizer Soulsänger Seven bravourös. Das Publikum dankt es ihm mit minutenlangem Applaus, will ihn und seine Musiker gar nicht mehr von der Bühne lassen. Seven muss wieder kommen. Da sind sich alle einig.